DAAD-Lektorenprogramm Veranstaltungen

© DAAD

Die DAAD-Lektorinnen und Lektoren haben in der vergangenen Zeit neben der obligatorischen Lehre zusätzliche Veranstaltungen für ihre Studierenden oder Kolleginnen und Kollegen organisiert. Entweder vor Ort an ihren jeweiligen Gastuniversitäten in China oder online von Deutschland aus.

Germanistik-Studierende mehrerer Shanghaier Universitäten kamen am Wochenende vom 14. und 15. Oktober an die Fudan-Universität, um in drei Didaktik-Workshops einen Einblick zu bekommen, was es heißt, als Deutsch-Lehrkraft zu arbeiten.

Was war die größte Herausforderung, eine eigene Unterrichtsstunde zu entwerfen? Zu entscheiden, welcher Inhalt an welchem Punkt einer Unterrichtsstunde platziert sein muss, damit die SchülerInnen immer den nächsten Schritt bewältigen können – da sind sich viele der Teilnehmenden einig, nachdem sie ihre selbst erarbeitete Stunde vorgestellt haben. In einem 6-stündigen Workshop-Marathon lernten die TeilnehmerInnen Grundwissen der Sprachdidaktik kennen, auf Einladung von DAAD-Lektor Daniel Simon am Samstag an der Fudan-Universität bei ihm, DAAD-Lektorin Melanie Späthe und Kristof Rostoski, Lehrer am Goethe-Jinchuang Sprachlernzentrum. Sie beschäftigten sich mit den Fragen, wie man Unterricht plant, für verschiedene Zwecke Aufgaben erstellt, wie eine Lehrkraft für sich die eigene Rolle definiert und wie man Unterrichts handlungsorientiert gestalten kann. Gerade dass die Aktivität der SchülerInnen im Mittelpunkt stehen soll, war ein Fokus der Veranstaltung. War es traditionell in der chinesischen Bildung oft so, dass die Lehrkraft das Wissen übermitteln solle und die SchülerInnen die Empfänger, die es passiv in sich aufnehmen sollten, wird seit einiger Zeit der Unterricht immer interaktiver – eine Entwicklung, die dieser Workshop unterstützen wollte. 

Teilnehmen konnten alle interessierten Germanistik-Studierenden aller Shanghaier Universitäten ab dem zweiten Bachelor-Jahrgang. Nachdem sie am ersten Tag eine Menge Input bekommen haben, war es in einem zweiten Schritt an Ihnen, aktiv zu werden. In Kleingruppen planten sie zum Sonntag eine Deutschstunde mit einem Lehrwerk für die Mittelschule zu einem vorgegebenen Thema. Nicht nur haben sich alle Gruppen intensive Gedanken gemacht, was die Ziele der jeweiligen Stunde sind und wie man den Inhalt arrangieren und präsentieren muss, um das Ziel zu erreichen, auch hatten alle strukturierte, überlegte, kreative oder ganz persönliche Herangehensweisen an den Inhalt. In der Rückmeldung der Studierenden waren es vor allem die Fragen, wie man Vokabeleinführung, Textarbeit, Grammatikarbeit und alle Lernschritte anordnet, damit die SchülerInnen nicht einen Schritt gehen müssen, auf den sie noch nicht vorbereitet sind, und so klar zu kommunizieren, dass die SchülerInnen immer wissen, was sie machen sollen. 

Im Nachgang des Workshops gehen die Studierenden nun an verschiedene Mittelschulen in Shanghai, die so großzügig waren und sich bereit erklärt haben, den Studierenden die Möglichkeit zu geben, in einem Praktikum Unterricht zu beobachten und in einer Unterrichtseinheit selbst vor der Klasse zu stehen und zu unterrichten. Das Wochenende war eine bereichernde Erfahrung für die Workshopleiter und -leiterin sowie – nach eigenem Bekunden – für die TeinehmerInnen. Oder in den Worten der Studierenden: „Inspiriert und müde“. 

© Deutschabteilung der Fudan-Universität

© Deutschabteilung der Fudan-Universität

© Deutschabteilung der Fudan-Universität

© Deutschabteilung der Fudan-Universität

© Deutschabteilung der Fudan-Universität

© Deutschabteilung der Fudan-Universität

© Deutschabteilung der Fudan-Universität

© Deutschabteilung der Fudan-Universität

Am 26. September war der Autor Yannic Han Biao Federer zu Gast an der Fudan Universität und las aus seinem Roman Tao, der Geschichte des gleichnamigen jungen Mannes, der dem mysteriösen Tod des Vaters vor Jahren in Hongkong und der eigenen Familiengeschichte nachspürt.

Ist die deutsche Gesellschaft freundlich zu fremd aussehenden Menschen? Tobi, der eigentlich Tao heißt, macht sich nach der schmerzhaften Trennung von Miriam auf die Spuren seiner eigenen familiären Vergangenheit. Sein Vater, der als junger Mann von Indonesien nach Deutschland gekommen war, ist vor Jahren in Hongkong auf ungeklärte Weise gestorben, während er auf der Suche nach der Vergangenheit seines Vaters war, der als Kind von Südchina nach Indonesien verschleppt worden war. Nun lebt Tao bzw. Tobi in der deutschen Gesellschaft und sieht nicht ganz genau wie die deutsche Mehrheitsgesellschaft aus. Seine Trennung bringt ihn dazu, sich auf die Suche nach seinen Wurzeln zu machen. Und immer wieder begegnet ihm die Frage nach seiner Herkunft, wobei sich die Fragenden meist nicht mit seiner Antwort: „Freiburg“ zufriedengeben.

Die Frage des Umgangs der deutschen Gesellschaft mit Menschen, die nicht so aussehen wie die große Mehrheit oder die sogar nach Deutschland eingewandert sind, interessiert das Publikum, Studierende und Lehrende der Fudan sowie Gäste von außerhalb. In seiner Antwort zeichnet Federer ein differenziertes Bild einer Gesellschaft, in der in weiten Teilen ein „fremdes“ Aussehen normal ist, in der es aber auch alltägliches und unabsichtlich ausgrenzendes Verhalten gibt, sowie Gegenden, die man meidet, wenn das Aussehen nicht der Mehrheit entspricht.

Ebenso waren die Zuschauer am offensichtlich autobiografischen Bezug des Autors interessiert, der genau wie sein Protagonist selbst halb-deutsch-indonesischer Herkunft mit chinesischem Ursprung ist. Er nutze die Fiktion als Schutzmauer der Reflexion, durch die er Fragen der eigenen Biografie und Identität reflektieren könne, ohne offenzulegen, welcher Teil real und welcher Fiktion sei. Denn, wie er an andere Stelle ausführt, Literatur diene dazu, Antworten anzubieten, zu denen es keine eindeutigen Fragen gebe.

Für die Zuschauer war Taos Geschichte ein spannender Anlass, über die Fragen von Identität, Zugehörigkeit und der Selbst-Reflexion beim Schreiben zu sprechen, was diese Veranstaltung des deutsch-chinesischen Austauschs so passend widerspiegelte.

Ankündigung der Lesung© Fudan Universität

Gespanntes Lauschen© Fudan Universität

Autor Federer im Gespräch mit DAAD-Lektor Daniel Simon© Fudan Universität

Das Publikum hakte nach und diskutierte angeregt zu Fragen von Identität und Fremdheitsgefühl© Fudan Universität

Poster© Fudan Universität

Vom 29. Mai – 4. Juni fand die Erste Deutsche Kulturwoche an der Guangdong University of Foreign Studies (GDUFS) statt und bot den Studierenden ein abwechslungsreiches Programm aus Workshops und Vorträgen zu Kunst, Film und Literatur.

„Ich brauch´ Tapetenwechsel“, leitete das Lied von Hildegard Knef die Eröffnungsfeier der Deutschen Kulturwoche am 29. Mai ein und verdeutlichte damit die Zielsetzung dieser: Die Kulturwoche sollte den Studierenden eine Abwechslung zum vollen Studienalltag bieten, die Möglichkeit Kunst und Kultur deutschsprachiger Länder produktiv und außerhalb der Klassenzimmer zu erleben und nicht zuletzt die Gelegenheit, Deutsch aktiv und in natürlichen Sprachkontexten anzuwenden. Die Kulturwoche wurde von Prof. Jiao Fangtai, Vizepräsident der GDUFS, eröffnet. Ihm folgte die feierliche Ansprache des Konsuls der Bundesrepublik Deutschland in Guangzhou, Jan Rudolph. Diesem schloss sich die Grußbotschaft von Ruth Schimanowski, Leiterin der DAAD-Außenstelle Peking, an, bevor Prof. Lu Mingjun, Vizedekanin der Fakultät für Europäische Sprachen und Kulturen, das Publikum begrüßte. Der zweite Teil der Eröffnungsfeier wurde von den Studierenden getragen, welche die Gäste mit einer abwechslungsreichen Show aus Chor- und Livesynchronisationsauftritten begeisterten.

Dr. Wu Xiaogang, Leiter der Deutschabteilung und Katharina Eberle, DAAD-Lektorin, führen durch das Programm der Eröffnungsfeier© GDUFS

Ehrengäste und Studierende auf der Eröffnungsfeier der Ersten Deutschen Kulturwoche© GDUFS

Das erste Semester performt das deutsche Lied „Gold von den Sternen“© Wilmer Floréz

Das Programm wurde am Mittwochabend fortgesetzte. Katharina Eberle, DAAD-Lektorin an der GDUFS, hielt den Vortrag „Ihr Weg nach Deutschland“, um die Studierenden über Stipendienmöglichkeiten des DAAD und das deutsche Hochschulsystem zu informieren. Zhou Jiying, Absolventin der Sun-Yatsen Universität, stellte anschließend das APS-Verfahren vor und teilte wertvolle Tipps zum Prüfungsverfahren, dessen erfolgreiches Bestehen eine Grundvoraussetzung für ein Studium in Deutschland darstellt. Bei einem abschließenden Quiz konnten die Germanistikstudierenden ihr vorhandenes Wissen über ihr Zielland testen.

Katharina Eberle informiert über Stipendienmöglichkeiten des DAAD© Wilmer Floréz

Die Pause bot den Studierenden die Möglichkeit sich in Flyern und Prospekten zum Studieren in Deutschland zu erkundigen© Katharina Eberle

Der Donnerstagnachmittag war ganz der Kunst gewidmet: Wilmer Flórez, freischaffender Künstler, führte in einem bildreichen Vortrag durch die deutsche Kunstgeschichte, bevor die Teilnehmenden im anschließenden Kunstworkshop selbst produktiv wurden. Dabei erlernten sie die Cyanotypie- Technik, welche Fotos über Sonnenlicht entwickelt. Die Teilnehmenden druckten dabei Fotos deutscher Kunstwerke, welche sie zuvor im Vortrag kennengelernt hatten. Über die produktive Auseinandersetzung mit den einzelnen Werken, vertieften sie ihr Wissen, recherchierten Informationen zu ihren Kunstwerken und kamen mit dem Kursleiter darüber ins Gespräch.

Wilmer Floréz führt in einem bildreichen Vortrag durch die deutsche Kunstgeschichte© Katharina Eberle

Kunstworkshop mit Wilmer Flórez© Katharina Eberle

Nach der Belichtung werden die Fotos gewaschen und erscheinen in ihrem typischen Blau© Katharina Eberle

Werke der deutschen Kunstgeschichte per Cyanotypie-Technik hergestellt© Katharina Eberle

Am Donnerstagabend fand der Workshop „Einführung in die Filminterpretation“ statt, bei welchem Katharina Eberle, studierte Kulturwissenschaftlerin, die Studierenden am Beispiel von „Good bye, Lenin“ in die Bedeutung und ins Lesen filmischer Mittel einführte.

Ein tieferes Eintauchen in den deutschen Film ermöglichte der nächste Tag: Der promovierte Medienwissenschaftler Dr. Ingo Köster skizzierte in seiner Vorlesung die historische Entwicklung des deutschen Films und zeigte im anschließenden Filmscreening Wim Wenders´ „Der Himmel über Berlin“.

Kulturwissenschaftlerin Katharina Eberle führt in die Filminterpretation ein© Wilmer Floréz

Dr. Ingo Köster bei seinem Vortrag zur deutschen Filmgeschichte© Wilmer Floréz

Am Samstagvormittag lud Prof. Feng Yalin, der Sichuan International Studies University, die Studierenden zu einem digitalen Vortrag ein, welcher vom kulturellen und literarischen Gedächtnis sowie den Grenzen des Erinnerns handelte.

Am letzten Tag der Kulturwoche hatten die Studierenden beim Besuch der „Deutschen Ecke Guangzhou“ im Restaurant Brez´n, nicht nur die Gelegenheit in moderierten Gesprächen mit anderen Deutschsprechenden und Deutschlandalumni in Austausch zu kommen, sondern auch typisch deutsches Essen zu probieren – und dieses beim Klischeecheck in Form eines Kartenspiels auch direkt wieder als solches zu hinterfragen.

Die Deutsche Kulturwoche erreichte mit ihrem Programm insgesamt ca. 300 Germanistikstudierende, welche hauptsächlich von der GDUFS, vereinzelt aber auch von Deutschabteilungen umliegender Universitäten zu Besuch kamen.

 

Katharina Eberle (DAAD-Lektorin der Guangdong University of Foreign Studies)

Digitaler Vortrag zum kulturellen und literarischen Gedächtnis© Iliad Xiao

Gastprofessorin Prof. Feng Yalin im online Vortrag© Iliad Xiao

Anlässlich der Kulturwoche fand die Deutsche Ecke im Restaurant Brez´n statt© Wilmer Floréz

Bei Würstchen und Brezeln wurden deutsche Stereotype hinterfragt© Katharina Eberle

Ob als Marketingmanagerin für Übersee, Zollfachangestellte, Versicherungsberater oder Deutschlehrer – die Berufsaussichten für chinesische Germanistikabsolventen sind vielseitig, aber nicht immer eindeutig als solche erkennbar. Und genau darin liegt eine der großen Herausforderung des Studienfachs!

Dieser Herausforderung nahm sich das dritte Bachelorjahr der Deutschabteilung der Guangdong University of Foreign Studies (GDUFS) an, indem es im Sommersemester 2022 Interviews mit Unternehmen führte, für die sich die Studierenden als zukünftige Arbeitgeber interessierten. Die Interviewees wurden nach ihrem beruflichen Werdegang befragt, nach Einstiegsvoraussetzungen und Herausforderungen, aber auch, ob sie in ihrem aktuellen Beruf glücklich seien und welche Rolle Konzepte der New Work im Arbeitsalltag spielen. Entstanden sind zehn Gespräche, hauptsächlich mit Germanistikabsolventen, welche die Studierenden anschließend zu einer Broschüre ausarbeiteten, damit eine größere Leserschaft von den Einblicken profitieren kann.

Unter dem Passwort 1234 ist die Broschüre frei verfügbar unter:

https://pan.baidu.com/s/1pNgqHCMmKqvqREbyKW2MAg?pwd=1234

Die gedruckten Broschüren© Katharina Eberle

(Katharina Eberle)

Was bedeuten Glück, Heimat und Arbeit in der deutschsprachigen Philosophie? Wie werden die Begriffe in China und in Deutschland verstanden? Und was bedeuten Sie für jeden Einzelnen von uns?

© Katharina Eberle

Darüber kamen die Teilnehmenden mit der Philosophin Johanna Kosch auf der Veranstaltungsreihe Auf ein Bier mit der Philosophie ins Gespräch. Eingeleitet wurde jedes Treffen durch einen Impulsvortrag der Referentin zum jeweiligen Thema, bei welchem die Teilnehmenden deutsche Philosoph:innen und Denkschulen kennenlernten, um anschließend selbst in Kleingruppen – angeleitet durch Frau Kosch- ins Philosophieren zu kommen.

Auf ein Bier mit der Philosophie war eine dreiteilige digitale Veranstaltungsreihe, die von April bis Juni an der Guangdong University of Foreign Studies für Studierende und Lehrende der Deutschabteilung stattfand und von der dortigen DAAD-Lektorin Katharina Eberle konzipiert und organisiert wurde. Mit durchschnittlich 40 Teilnehmenden pro Veranstaltung wurde diese sehr erfolgreich angenommen.

© Katharina Eberle

© Katharina Eberle

© Katharina Eberle

(Katharina Eberle)

An der XMU wurden zwei außercurriculare Projekte initiiert. Ersteres Projekt, welches auch vom deutschen Generalskonsulat in Kanton unterstützt wird, nimmt Bezug auf das 50-jährige Jubiläum diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und China und richtet sich an alle Bachelorstudierenden. Im Rahmen dieses Projektes fanden insgesamt 5 Workshops á 90 Minuten statt, die den Studierenden die Gelegenheit boten, sich mit Geschichten von Menschen zu beschäftigen, die sich zwischen China und Deutschland bewegen. Der ersten zwei Workshops galten der Begegnung mit drei Kurzgeschichten zur Thematik, die das Generalkonsulat Kanton auf seiner WeChat-Seite veröffentlicht hat. Im Fokus stand dabei die sinnliche Erfahrung, Erkundung der spezifischen Verfasstheit und auch die Form der Sprache. In den darauffolgenden Workshop-Sitzungen bekamen die Studierenden die Gelegenheit, selbst die Rolle von  Autor:innen einzunehmen und an jene kulturellen und wissenschaftlichen Brücken zu erinnern, die die beiden Länder verbinden. Nach umfangreichen Recherchen oder aber auch Interviews mit Personen, die sich zu beiden Ländern zugehörig fühlen, wurden kreative Kurzgeschichten produziert. Der sich an die Workshop-Reihe anschließende Kurzgeschichtenwettbewerb mit einer feierlichen Preisverleihung lud die Studierenden dazu ein, besonders kreativ und produktiv zu werden.  Die lesenswerten Geschichten werden demnächst auf der WeChat-Seite des Generalkonsulats Kanton veröffentlicht.

(Katharina Quicker)

 

1. Platz:

Ein Zuhause in der Ferne: Ein willkommenes Restaurant in Südchina 

Gu Chun & Cao Feiyan

2. Platz:

Thomas Derksen: Kleine Brücke zwischen Deutschland und China 

 Li Shu & Ye Jiaqian

3. Platz:

Jeff Huang in Deutschland 

Zeng Liuming & Chen Shuzhen

Ein Zuhause in der Ferne: Ein willkommenes Restaurant in Südchina (2022)

Er heißt Felix Kraemer. Der Vorname „Felix“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „der Glückliche“. Daher wählte er auch einen chinesischen Namen, der der Bedeutung von Felix nah kommt: Han Dale.

Im Jahr 2012 wurde er von einem Professor der Universität Xiamen eingeladen, hier Design-Workshops für Studierende im zweiten Studienjahr zu leiten. Dies war sein erster Besuch in China, der aber nicht von kurzer Dauer bleiben sollte. Nun lebt er schon seit zehn Jahren mit seiner chinesischen Frau May und seinem Sohn hier in Xiamen.

Vor 10 Jahren blühte Xiamen in dem Sinne auf, als dass er als ein sehr kreativer und romantischer Ort angesehen wurde. Es gab Paare, die nach Xiamen reisten, um am Strand lange Spaziergänge bei Sonnenuntergang zu genießen. Aber in der Gegend von Zengcuo’an gab es auch viele Indie-Konzerte kleiner einheimischer Bands und es etablierte sich das Paddle-Boarding. Es gab dort ein kleines Strandresort namens Daring Duck, das Wassersportmöglichkeiten, ein Restaurant, eine Bar und eine gemütliche Atmosphäre zum Entspannen bot. Felix und seine Freunde gingen hier gern segeln und paddeln und entspannten in der Nähe der Huandao Road mit all den malerischen Palmen.

Während Felix an der Uni arbeitete, eröffnete er mit seinem Freund eine Bar, um Bier nach deutscher Rezeptur zu brauen. Sie hieß Amoy Brau und befand sich in der Daxue Road in der Nähe des Simming Campus. Im Laufe der Zeit hatte er allmählich davon genug, in einer Bar zu arbeiten. Es wurde zu viel getrunken, und es herrschte immer die gleiche Stimmung. Er suchte die Ruhe und wollte lieber an einen ruhigeren Ort ziehen.

Derzeit leben Felix und seine Familie im Bezirk Xiang’an, einer eher ländlichen Gegend von Xiamen, im Landesinneren. Auch wie es dazu kam, gibt es inzwischen einige interessante Geschichten.

Eine italienische Freundin von ihm namens Lisa, die auf dem Campus in Xiang’an lebte, hatte ein altes Haus gemietet und ein Café eröffnet. Felix half ihr, es ein wenig zu dekorieren, und so erfuhr er, dass es einige alte Häuser zu mieten gab und dass in dieser Gegend internationale und einheimische Studenten wohnten. Daraufhin meinte ein einheimischer Freund zu ihm: „Hey, lass uns ein paar Bierchen im Xiang’an-Viertel trinken. Ich habe dort ein altes Haus, das ich vermieten will“, und er fand, das klang nach einem guten Plan.

Er verbrachte eine Nacht in dem alten Steinhaus und fand es so cool und so entspannend. Also fragte er May, seine Frau: „Was meinst du, sollen wir aufs Land umziehen und ein bisschen experimentieren? Vielleicht eine Bar oder ein Restaurant eröffnen?“ Und May sagte: „Hört sich gut an, ich arbeitete online, das ist für mich auch in Ordnung.“ Er hat ein bisschen recherchiert, was die Studierenden dort gerne essen würden, und sie sagten, „solange Käse drauf ist, ist alles gut“. Dann fing er an, sich mit Rezepten für leckere Pizza zu beschäftigen, z. B. welche Zutaten und welchen Käse man verwenden sollte. Er kaufte ein paar Sachen, und in dem Haus, das er mietete, war bereits eine Küche mit einem Ofen eingebaut, also waren es optimale Voraussetzungen.

Dann schaffte er nach und nach mehr Inventar an, und immer mehr Leute kamen. Im ersten Jahr gab es im Restaurant viele internationale Studierende. Er hatte oft thailändische Studierende zu Besuch, also bat Felix sie, ihm zu zeigen, wie man ihre lokalen Spezialitäten kocht, um sie mit ihrem gewohnten Geschmack versorgen zu können. Die Idee war, einen Ort zu schaffen, an dem sich jeder in Xiang’an willkommen fühlt. Ein Zuhause in der Ferne, das ist immer noch sein Slogan.

Jeden Tag wurde das Yellow Stone House besser und besser, und das gab Felix die Gewissheit, dass er das Richtige tat. Jetzt sind die internationalen Studierenden nicht mehr in der Überzahl, und ihm ist klar geworden, dass er mehr Gerichte zubereiten muss, um sowohl internationale als auch einheimische Freunde zu bewirten. Zusammen mit seiner Frau hat er es bereits zu einem Familienrestaurant entwickelt. Viele Leute aus der Umgebung kommen mit ihren Kindern. Sie lieben die Spaghetti, Würstchen, Schweinshaxen und alle anderen Spezialitäten. So haben Felix, seine Frau, seine Angestellten ihr Zuhause in Xiamen und ein recht erfolgreiches Restaurant im Bezirk Xiang’an aufgebaut.

(Gu Chun & Cao Feiyan)

Thomas Derksen: Kleine Brücke zwischen Deutschland und China (2022)

Haben Sie von Thomas Derksen gehört? Vielleicht ist er nicht so berühmt in Deutschland wie in China. Der chinesische Schwiegersohn ist durch Online-Medienplattformen zu einem bekannten Influencer geworden, aber er bezeichnet sich selbst lieber als kleine Brücke des kulturellen Austauschs zwischen Chinesen und Deutschen.

Sein chinesischer Name heißt Ah Fu, was auf Chinesisch Glückskind bedeutet. Seit 2016 leben er und seine chinesische Frau in Shanghai. Mit dem Zuspruch seiner Frau begann er, sein erstes Video zu drehen und war überrascht, wie gut es ankam. Seitdem zeigt er in humorvollen Videos sein Leben und seine vielfältigen Erfahrungen als Deutscher in China. In seinen Videos geht es unter anderem um Essen, seine erfolgreiche Abnehm-Erfahrungen, Interviews um 3 Uhr 30 morgens und die Vorstellung von Deutschland für Chinesen. Er veröffentlicht seine Videos auf verschiedenen Plattformen wie z. B. Acfun, Bilibili, Facebook und YouTube.

Obwohl Thomas Millionen von Fans hat, möchte er nicht als Influencer bezeichnet werden, sondern lieber eine kleine Brücke zwischen China und Deutschland sein. „Obwohl viele Deutsche noch nie in China waren, seien sie sehr neugierig auf China und würden die Gedanken und Gewohnheiten der Chinesen verstehen wollen“, meint Thomas. In Thomas’ Videos geht es also nicht nur um Spaß, sondern mehr um die kleinen Dinge, die den chinesischen Alltag widerspiegeln. Um 3 Uhr 30 interviewt Thomas beispielsweise junge Menschen auf der Straße am frühen Morgen, um ihre Probleme oder unterschiedliche Ansichten über das Leben zu verstehen. Diese Show ist ein großer Erfolg geworden. Wenn Thomas in Deutschland Urlaub macht, zeigt er das Leben dort. Einmal interviewte er einen Auszubildenden in einem Unternehmen, um Chinesen das duale System in Deutschland vorzustellen. Seine Videos sind leicht zu verstehen, indem er alltägliche Sprache benutzt. Viele Fremdsprachenlernener nutzen seine Videos als Lernmaterial, um die Kultur des anderen Lands kennenzulernen.

Thomas wurde von schon vielen Medien interviewt, für die eines der wichtigsten Themen Thomas‘ Gefühle für China sind. Im Jahr 2007, als Thomas noch Schüler war, reiste er mit seinen Klassenkameraden zum ersten Mal nach China. Er hat sich sehr in China verliebt. Nach seiner Rückhehr nach Deutschland lernte Thomas fleißig chinesisch, um in China leben und arbeiten zu können. Jetzt hat er sich seinen Traum erfüllt. Thomas bietet den beiden Völkern mehr Möglichkeiten, sich gegenseitig zu verstehen. Er leistet zweifellos einen großen Beitrag zum deutsch-chinesischen Austauch.

(Li Shu & Ye Jiaqian)

Jeff Huang in Deutschland (2022)

Mein Name ist Jeff Huang. Wegen meines Studiums kann ich leider nicht oft nach China reisen. Ich vermisse meine Eltern sehr. Glücklicherweise habe ich einen netten Mitbewohner namens Mauritius, der sehr wenig chinesisches Essen kennt. Die ständige Quarantäne war zu langweilig, deshalb ist mir eine ausgezeichnete Idee in meinen Kopf geschossen, nämlich Videos zum Thema Essen in Bilibili upzuloaden. Zu meiner Überraschung hatte ich 1 Million Klicks und 200,000 Likes bekommen, als ich das erste Video hochgeladen habe. Erstaunlicherweise habe ich jetzt schon 685,000 Fans.

In dem Video habe ich Mauritius verschiedene chinesische Gerichte gezeigt. Zum Beispiel Mapo Tofu, Meicai Kourou und süß-saueres Schweinefleisch. Aber nicht einfach mit Reis, sondern mit Brot, das ihm am allerliebsten schmeckt. Übrigens: Deutsche sind bekannt dafür, Brot sehr zu lieben. Am Anfang hat er diese neue Speisen komisch gefunden, aber allmählich hat er den einzigartigen Geschmack der chinesischen Speisen entdeckt und nicht mehr davon gelassen.

In einem anderen Video ist etwas Interessantes passiert. Es war zu Weihnachten und wir beide gingen auf den Weihnachtenmarkt. Dort gab es zahlreich einheimisches Essen, zum Beispiel Wurst mit gelbem Senf, Brot mit Fischen, gebratene Mandeln mit karamellisierten Zucker und so weiter. Er hat mir auch warmen Eierlikör empfohlen, der Eier beinhaltet und ein bisschen süß ist. Die Glühweintasse betrug 2,5 Euro, damit man die Tasse nicht stahl. Allerdings kauften sie viele Leute als ein Souvenir. Am Ende des Videos zeigte mir Mauritius ein langes schreckliches Ding. „Was ist denn das?“ schrie ich. Es ist auch etwas Typisches auf dem Weihnachtsmarkt, was Gummibärchen außen und Zitrone innen hat. Das heißt Gummischlange. Immerhin schmeckt es mir.

Ich hatte das Pech, mich im September mit dem Coronavirus zu infizieren, aber ich habe immer wieder Videos geschickt. Ich hoffe, dem Publikum Freude zu bereiten und gleichzeitig mehr chinesische und deutsche Kultur zu vermitteln. Zum Beispiel: Deutsche können Flaschen gegen Geld tauschen und essen nicht gerne Stachelfisch, deutsches Eis ist billig und so weiter. Später habe ich dem Video auch deutsche Untertitel hinzugefügt, damit mehr Deutschlernende ihre Sprachkenntnisse verbessern können, während sie das Video ansehen. Ich hoffe, in Zukunft weiterhin qualitativ hochwertige Videos zu machen.

(Zeng Liuming & Chen Shuzhen)

Nach dem Motto: „Gemeinsam Sprachen Lernen (durch) Lehren“ findet im wöchentlichen Modus für alle interessierten Masterstudierende der XMU ein zweistündiger Sprachaustausch statt. Die Themen für die einstündige Konversationen auf Deutsch wählen dabei die Studierenden je nach Interessensschwerpunkt im Vorfeld selbst aus. Dabei geht es vornehmlich darum, den Studierenden die Gelegenheit zu bieten, sich über Themen mit Bezug auf das gesellschaftliche und kulturelle Leben in Deutschland auszutauschen. Gleichzeitig können die Studierenden bei diesem Projekt aber auch die Rolle als Lehrende:r einnehmen, indem sie im Anschluss an die Konversation der DAAD-Lektorin im einstündigen 1-1-Training unter fachlicher Anleitung die chinesische Sprache vermitteln.

(Katharina Quicker)

„Ein Blick zurück nach vorn“ ist als Onlinereihe für Germanistikstudierende in China angelegt. Die Vortragenden sind chinesische Absolventen der Germanistik und nun in Wissenschaft, Wirtschaft oder Staatsdienst erfolgreich. Sie werfen Blicke zurück auf ihr Studium in China, die Zeit danach und ihre Wege von China in die Welt und erzählen von Leben und Arbeit in Deutschland und anderswo.

Bei dem Treffen am 25. Oktober hat in der Person von Fu Zhixuan eine Eventmanagerin von SinaLingua in Shanghai ihre diesbezüglichen Erfahrungen mit den Studierenden geteilt.

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(Daniel Jach)

Auf dem DaF-Sofa diskutieren deutsche und chinesische ExpertInnen vor Publikum online ihre Thesen zu heißen Themen. Außerdem bewerben die GastgeberInnen die DAAD-Plattform Dhoch3 mit Materialien und Unterrichtskonzepten für die universitäre DaF-Lehrkraftausbildung. Beim ersten Treffen in diesem Semester Ende Oktober debattierten Dr. Almuth Ketzer-Nöltge von der Universität Leipzig und Dr. Zhang Shenwei von der Universität Wuhan vor etwa 20 Interessierten zum Thema „Deutsch lernen und lehren in virtuellen Welten“.

© DAAD

(Daniel Jach)

Nach monatelanger Planung und immer wieder gestört von „stiller Zeit“ sind Ende Oktober endlich die Dreharbeiten für einen dokumentarischen Image-Film geschafft, der mit atmosphärischen Bildern aus der Stadt und vom Campus der Südwest Jiaotong Universität, lebhaften Unterrichtsszenen und Interviews mit Studierenden, dem Deutsch-Dekan und dem DAAD-Lektor vor Ort den hiesigen DAAD-Lektoratsstandort Chengdu einem interessierten Breitenpublikum näherbringen soll.

(Daniel Jach)

© DAAD

Die Veranstaltungsreihen des DAAD-Lektorats an der Capital Normal University setzten sich am 11. November mit einem Vortrag von Prof. Dr. Christian Fandrych fort, dem Chefredakteur der Zeitschrift Deutsch als Fremdsprache. Die sprachliche Vielfalt des Deutschen ist in den letzten Jahren sichtbarer geworden. Hierfür ist sicher zum einen der mediale Wandel verantwortlich, zum anderen verfügen wir aber auch über große Korpora z.B. zur gesprochenen Sprache. Prof. Dr. Christian Fandrych plädierte in seinem Vortrag dafür, wichtige grammatische Formen von medialer und mündlicher Sprachverwendung auch im Unterricht zu vermitteln und zeigte exemplarisch Wege auf, wie dies geschehen könnte.

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(Liu Xiaoxiao)

Der bekannte Übersetzer Marc Hermann virtuell zu Gast bei der Peking-Universität.

© DAAD

Am 16. November konnte das Zentrum für Deutschlandstudien an der Peking Universität den literarischen Übersetzer Marc Hermann zu einem Online-Vortrag begrüßen. Dr. Hermann war einer gemeinsamen Einladung des Vizedekans der Deutschabteilung Dr. Mao Mingchao und des DAAD – vertreten durch Dr. Liu Xiaoxiao (Grußwort) und dem DAAD-Lektor Dr. Patrick Kühnel (Moderation) – gefolgt, um den über 100 aus Deutschland und China zugeschalteten Zuhörern einen Einblick in die Denk- und Arbeitsprozesse bei der chinesisch-deutschen Literaturübersetzung zu geben.

Dr. Hermann gehört aktuell zu den erfolgreichsten und vielseitigsten Übersetzern für chinesische Literatur in Deutschland. Sein mittlerweile 40 Bücher und über 100 Theaterstücke, Gedichte, Aufsätze etc. umfassendes übersetzerisches Werk reicht von den Klassikern der Moderne wie Bing Xin und Zhang Ailing über Unterhaltungsschriftsteller wie Guo Jingming hin zu den bekannten zeitgenössischen Romanciers Yu Hua und Yan Lianke und bezieht sogar Sciencefiction- und Comicautoren wie Liu Cixin bzw. Chen Üen mit ein.

In seinem Vortrag mit dem Titel Darf der das? –  Über „Treue“, „Freiheit“ und Stil in der literarischen Übersetzungspraxis widmete sich der Bonner Germanist und Sinologe dem ewig jungen Disput zwischen philologischer Treue zum Ausgangstext und übersetzerischer Freiheit im Dienste des Lesers. Anhand zahlreicher praxisnaher Beispiele illustrierte Dr. Hermann den inneren Kampf des Übersetzers zwischen seiner Verpflichtung gegenüber dem Original auf der einen und dem Wunsch, eine große Leserschaft für Werk und Autor zu gewinnen, auf der anderen Seite. Vom Übersetzer sei hierbei nicht nur eine vielfältige Stilkompetenz in der Zielsprache gefordert, sondern auch ein Gespür für die Möglichkeiten und Grenzen beider Sprach- und Kultursysteme sowie für die Erwartungen der jeweils anvisierten Leserschaft.

Sein klares Plädoyer für die individuelle schöpferische Verantwortung des Übersetzers traf offenbar einen Nerv bei den Zuhörern, unter denen sich auch zahlreiche renommierte Übersetzer befanden. Denn in der anschließenden lebhaften Diskussion durfte sich Dr. Hermann zwar über großen Zuspruch freuen, musste sich aber auch mit kritischen Einwänden auseinandersetzen, sodass bereits gewonnene Erkenntnisse vertieft und bestehende Missverständnisse geklärt werden konnten.

Am Ende der über zweistündigen Veranstaltung durften sich nicht nur Profis, sondern auch Studenten und übersetzerische Amateure über Anregungen und neue Anstöße für die eigene Übersetzungspraxis freuen.

(Patrick Kühnel)

© DAAD

Die Geschichte des Romans Die Drei Reiche ist aktueller denn je. Doch wie verhält es sich mit seiner Sprache, seiner Form? Wie und warum überhaupt überträgt man ein klassisches Werk in eine andere Sprache und eine andere Zeit? Diesen Fragen ging Eva Schestag, die dieses Buch in langjähriger Arbeit ins Deutsche übersetzt hat, in ihrem Vortrag am 17. November nach.

(Benjamin van Well)

Am 21. November veranstaltete die DAAD-Außenstelle Peking ein Onlineseminar für ihre Lektoren in ganz China, auf das Ruth Schimanowski, Hauptrepräsentantin des DAAD in China, die Teilnehmer mit einem Rundum-Briefing zu den aktuellen Entwicklungen einstimmte. Dr. Liu Xiaoxiao, stellvertretende Direktorin der DAAD-Außenstelle Peking, moderierte das zweigeteilte Webinar in ihrer Funktion als Zuständige für Germanistik, deutsche Sprache und Lektorenprogramm.

Im Schulungsschwerpunkt der ersten Stunde referierten Shi Jia als Marketingdirektorin der DAAD-Außenstelle Peking, Frank Andress als Leiter der APS China sowie Dr. Beate Geist als Hauptrepräsentantin von TestDaF China zu Methoden und Tools bei der Studienberatung, zum akademischen Prüfungsverfahren sowie zum Stand und Ausblick beim TestDaF in China.

Die zweite Seminarhälfte eröffnete Liu Xiaoxiao mit einem Kurzbericht zu den Kernpunkten der Ende Oktober stattgefundenen Jahrestagung des MoU-Anleitungskomitees für Deutsch, bevor die DAAD-Lektoren ihre Arbeit im zu Ende gehenden Jahr rekapitulierten und ihre Planungen für das kommende Jahr skizzierten.

(Liu Xiaoxiao)

„Alles, was man wissen muss“ war der provokativ gewählte Titel einer ambitionierten online Fortbildung für Deutsch-als-Fremdsprache-(DaF)-Lehrkräfte in Südwestchina. Am Wochenende vom 28. bis 30. Oktober 2022 hatten die Lektoratsstandorte Chongqing und Chengdu zu einem umfangreichen Programm aus Vorträgen und Workshops zum Thema „big linguistic data im Klassenzimmer“ eingeladen. Gekommen war aber nur eine kleine Gruppe aus einigen Fachkundigen und wenigen Neugierigen.

Nach einleitenden Worten von Dekan LI Daxue (SISU Chongqing) und Ruth Schimanowski (Leiterin der DAAD-Außenstelle Peking) am Freitagnachmittag stand für die rund 15 Teilnehmenden am Abend eine Einführung in die sogenannte Korpuslinguistik auf dem Programm. Diese neuartige empirische Forschungsrichtung sucht im sprachlichen Rauschen von Zeitungsnachrichten, Web-Blogs, Telefongesprächen, Büchern, Fernsehbeiträgen und jeder erdenklichen Art von Sprachgebrauch nach statistisch stabilen Mustern. Dabei kommen besondere Computerprogramme und riesige digitale Textsammlungen, die namensgebenden Korpora, zum Einsatz. Als Vortragender war Rainer Perkuhn zugeschaltet, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim und Experte in Sachen Sprache und Computer. Am Samstagmorgen nahm die Germanistikprofessorin Li Yuan von der Hangzhouer Zhejiang Universität den Faden auf. Sie gab einen detaillierten Überblick über die in China nutzbaren Ressourcen und beschrieb die vielversprechende Entwicklung der chinesischen germanistischen Forschung auf diesem Gebiet. In der letzten Keynote machte Christian Krekeler, Professor für Deutsch als Fremd- und Fachsprache an der Hochschule Konstanz, am Samstagabend die Zuhörenden mit den didaktischen Einsatzmöglichkeiten von Korpora vertraut. Am Beispiel einer eigenen Unterrichtseinheit zum Thema „Influencer-Marketing“ zeigte er anschaulich, wie Lehrkräfte mittels Korpora relevante Lerngegenstände identifizieren und ihre Studierenden bei entdeckendem Lernen anleiten können. In der anschließenden lebhaften Diskussion mischte sich die Begeisterung für den neuartigen Ansatz aber mit unüberhörbaren Zweifeln: Viele Lehrkräfte sehen in den oft übervollen, prüfungsorientierten Studienprogrammen keinen Raum für Neues.

Am praktischen Teil der Fortbildung war das Interesse dann auch entsprechend gering. Nur eine Handvoll Neugieriger fand am Samstag und Sonntag den Weg in die zwei ergänzenden Workshops von Sabrina Stock (DAAD-Lektorin Chongqing), Yang Yaqing (SISU Chongqing), Christoph Gube (DAAD-Lektor Tianjin) und Dr. Daniel Jach (DAAD-Lektor Chengdu). In entspannter Atmosphäre hatten die Teilnehmenden ausführlich Gelegenheit, die Vorträge zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und den Ansatz in abwechslungsreichen Lehr- und Lernszenarien zu erproben. Dabei zeigte sich, dass der Ansatz durchaus mit bestehenden Curricula und kommunikativen Lernzielen vereinbar ist und dabei überhaupt nicht langweilig sein muss, ganz im Gegenteil: Korpora können Lernende dabei unterstützen, über einen Banküberfall auf Zeitungsdeutsch zu berichten, jugendsprachlich über ihre chilligen Ferien zu erzählen oder einen Reiseblog für die sozialen Medien zu schreiben. Der Ansatz soll althergebrachte, bewährte Methoden aber nicht ersetzen, sondern sie ergänzen. In diesem Sinne war der dritte und letzte Workshop dem beliebten und gerade neu aufgelegten Lehrwerk Netzwerk neu gewidmet. Die neue erweiterte Auflage verfügt über ein umfangreiches digitales Ergänzungspaket, das Bastian Czura und Jennifer Swanda vom Stuttgarter Klett-Verlag den Zuhörenden näherbrachten.

Am Ende bleiben gemischte Gefühle. Einerseits stößt ein neuartiger Ansatz wie die Korpuslinguistik auf wachsendes Interesse in der chinesischen Germanistik und einige DaF-Lehrkräfte scheinen bereit und willens, ihr didaktisches Methodenrepertoire zu erweitern und sich kritisch mit der eigenen Lehrpraxis auseinanderzusetzen. Andererseits sind die institutionellen Beharrungskräfte an chinesischen Universitäten in den vergangenen Jahren nur erstarkt und vielen Lehrkräften fehlen Zeit und Raum zum Kennenlernen und Ausprobieren neuer Lehrmethoden. Die Fortbildung Germanistik Südwest 2022 hat versucht, dafür Gelegenheit zu schaffen, mit, so scheint es leider, nur mäßigem Erfolg.

(Daniel Jach, Sabrina Stock)

© Daniel Jach, Sabrina Stock

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