Die Pandemie hat seit über einem Jahr den akademischen Austausch und insbesondere die internationale Mobilität im Hochschulbereich stark eingeschränkt. In China ist der Universitätsbetrieb zwar längst wieder zum Präsenzmodus zurückgekehrt, aber die Einreise von internationalen Studierenden nach China ist seit Ende März 2020 vollständig untersagt.

Im internationalen Kontext gibt es für online Lehre und virtuellem Austausch zusätzliche Hürden, wie Zeitunterschiede und nicht immer kompatible IT-Ökosysteme. Ein digitales Auslandssemester, dessen Mehrwert im physischen Erleben einer fremden Kultur und Gesellschaft liegt, ist nur sehr bedingt im virtuellen Raum nachzuempfinden.

Rückblick

Der Ausbruch von Covid-19 ist in China Anfang 2020 mit den Semesterferien und dem chinesischen Neujahrsfest zusammengefallen. Schulen und Universitäten blieben monatelang geschlossen. Verwaltung und Lehrerschaft arbeiteten im Homeoffice, Studierende lernten online und zu Hause. Erst zum Sommer öffneten die Bildungseinrichtungen schrittweise; zunächst für die Abschlussklassen und nach umfangreichen Tests.

Mensa der Chinese University for Political Science and Law

Für die DAAD-Geförderten in China gab es zu Beginn der Pandemie einen Aufruf zur Ausreise und so gut wie alle deutschen Studierenden hatten das Land verlassen.  Ausländische Lehrkräfte konnten erst zum Wintersemester sukzessiv, mit hohem bürokratischem Aufwand und unter strenger Einreisequarantäne auf den Campus zurückkehren. Um den seitdem für nationale Studierende wieder aufgenommenen Präsenzbetrieb nicht zu gefährden, sind die Regeln an den Universitäten wie an den Schulen besonders streng, teilweise herrscht ein striktes „Closed Campus“-Management.

Gesichtskontrolle vor Einlass Universitätseingang BFSU

„Zero-Infection-Strategy“

China verzeichnete bisher keine große zweite Welle, aber immer wieder lokale Ausbrüche. Selbst bei geringen Fallzahlen handeln die Behörden konsequent: Abriegelung der betroffenen Bezirke, umfangreiches Tracking und Tests, strikte Quarantäne für Infizierte und Kontaktpersonen, erneute Schließung von öffentlichen Einrichtungen im Einzugsgebiet, Verbot von Großveranstaltungen und Reisen sowie Absetzen der Verantwortlichen. China hält an seiner „Zero-Infection-Strategy“ fest und gibt den entsprechenden Maßnahmen oberste Priorität. Die größten Sorgen der chinesischen Behörden gelten den sogenannten importierten Fällen von Covid-19 durch aus dem Ausland zurückgekehrte Personen.

Das chinesische Vorgehen ist rigoros, gleichwohl sehr wirksam. Hier versiegeln Freiwillige eine Wohnungstür.

Impfkampagnen

Sofort nach Entschlüsselung des Genoms wurde auch in China mit der Forschung zu einem Impfstoff gegen Covid-19 begonnen. Die Skalierung zur Massenproduktion war frühzeitig in die Wege geleitet worden. Seit Ende 2020 rollen die Behörden in der Bevölkerung die bereits im Sommer bei Militär und medizinischem Personal angelaufene Impfaktion aus. Bis Ende März 2021 wurden laut Medienberichten knapp 75 Millionen Dosen geimpft.  An den Universitäten wird auch dem ausländischen Personal und chinesischen Studierenden, die ins Ausland gehen möchten, die Möglichkeit einer kostenlosen Impfung angeboten.

Der chinesische Impfstoff Sinovac

Aussicht

Es ist nicht zu erwarten, dass trotz der weltweit steigenden Impfungen die Einreisebestimmungen nach China in naher Zukunft gelockert werden. Selbst geimpfte Personen werden sich laut Aussagen der chinesischen Gesundheitsbehörden weiterhin umfangreichen Tests unterziehen und die strikten Quarantänebestimmungen einhalten müssen.

Damit bleiben die Aussichten auf die Rückkehr zur Normalität im internationalen Austausch zwischen Deutschland und China trüb. Insbesondere kurzzeitige Vorhaben wie Blockvorlesungen durch ausländische Professorinnen und Professoren, Konferenzen in Präsenz mit internationaler Beteiligung, kürzere Forschungsaufenthalte oder Delegationsbesuche werden auf absehbare Zeit nicht durchführbar sein.

Weitere Quellen und Reisehinweise: