Sprache und Praxis in China Shanghaifahrt 2026

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Die Studienfahrt des DAAD-Programms Sprache und Praxis in China (S&P) führte die Geförderten vom 11. bis 15. Mai 2026 nach Shanghai. Die Woche verband Einblicke in Wirtschaft, Technologie und Stadtentwicklung mit Gesprächen über die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des heutigen Chinas. Unternehmensbesuche bei internationalen Konzernen, Beratungen und Technologieunternehmen ermöglichten einen praxisnahen Blick auf Themen wie Lieferketten, Halbleiterindustrie, Energiewende, Robotik und Investitionsbedingungen. Ergänzt wurde das Programm durch kulturelle Programmpunkte und Diskussionen über die Rolle Chinas im globalen Wettbewerb.

Zunächst besuchte die Gruppe die Kanzlei Rödl in Shanghai, wo Ralph Koppitz (S&P 1) einen Einblick in die deutsch-chinesische Rechtspraxis gab. Thematisiert wurden Besonderheiten des chinesischen Arbeitsrechts, die wachsende Bedeutung von Compliance- und Datenschutzfragen sowie ESG-Berichterstattung und der Einsatz von KI im Justizsystem. Besonders aufschlussreich war die Diskussion über Herausforderungen bei Unternehmensübernahmen und Sozialversicherungsverpflichtungen. Der Besuch zeigte anschaulich, wie internationale Unternehmen zwischen regulatorischen Anforderungen, wirtschaftlichen Interessen und kulturellen Unterschieden in China navigieren müssen.

© RÖDL

Beim Besuch des German Centre Shanghai sprach Christian Sommer über die wirtschaftlichen Veränderungen in China nach der COVID-19-Pandemie und deren Auswirkungen auf internationale Unternehmen. Deutlich wurde, dass sich auch etablierte Institutionen wie das German Centre strategisch neu ausrichten müssen. Das Gespräch weitete sich schnell auf größere strukturelle Fragen aus: Europas Wettbewerbsfähigkeit im Verhältnis zu China, technologische Dynamiken rund um KI sowie die Fähigkeit westlicher Volkswirtschaften, sich an neue Standards und Innovationszyklen anzupassen. Der Austausch bot damit nicht nur lokale Einblicke, sondern auch eine Diskussion über die zukünftige Position Europas im globalen Wettbewerb.

Der Besuch bei Hapag-Lloyd vermittelte einen praxisnahen Einblick in die internationale Containerschifffahrt und globale Lieferketten. Nicholas Breitkreuz, auch ehemaliger DAAD-Stipendiat, erläuterte das operative Modell des Unternehmens, das als „Quality Carrier“ auf hohe Zuverlässigkeit und komplexe Hub-and-Spoke-Netzwerke setzt. Thematisiert wurden zudem geopolitische Risiken, Überkapazitäten, Preisstrukturen und die Rolle nachgelagerter Logistiksysteme. Auch Fragen zu Nachhaltigkeit, alternativen Kraftstoffen und Flottenmodernisierung spielten eine wichtige Rolle. Besonders deutlich wurde dabei, dass die Schifffahrt trotz zunehmender Digitalisierung weiterhin stark von persönlichen Beziehungen und internationaler Koordination geprägt bleibt.

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Beim Besuch der Lantau Group erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Transformation des chinesischen Energiesektors. David Fishman erläuterte, wie China die Energiewende mit einem stark staatlich geprägten und langfristig orientierten Ansatz vorantreibt. Im Mittelpunkt stehen weniger kurzfristige Gewinne als günstige Energiepreise zur Stärkung der Industrie. Trotz des massiven Ausbaus erneuerbarer Energien bleibt Kohle weiterhin ein zentraler Stabilitätsfaktor im Stromnetz. Der Austausch verdeutlichte die Unterschiede zu marktorientierten Ansätzen in Europa und den USA und zeigte, wie wichtig differenzierte Perspektiven für das Verständnis chinesischer Wirtschafts- und Energiepolitik sind.

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Beim Besuch von FMC3 Robotics in Shanghai diskutierte die Gruppe mit dem Management über Entwicklungen im Bereich humanoider Robotik und Embodied AI. Das Unternehmen verbindet deutsche Industrieerfahrung mit chinesischer Entwicklungs- und Lieferkettenkompetenz. Im Fokus standen Fragen der Automatisierung, Datenregulierung und internationalen Skalierung. FMC3 verfolgt dabei einen spezialisierten Ansatz, der sich auf die Software- und Steuerungsebene („Brain“) konzentriert. Zielmärkte sind vor allem Europa und die USA, wo der Automatisierungsdruck durch demografische Entwicklungen steigt. Der Besuch verdeutlichte die enge Verbindung von chinesischer Innovationsdynamik und globalen Industrie- und Technologietrends.

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Der Besuch bei BASF Shanghai machte die enorme Dimension des China-Geschäfts des Chemiekonzerns deutlich. Im Mittelpunkt standen das Verbundprinzip, globale Lieferketten und die strategische Bedeutung des chinesischen Marktes für BASF. Diskutiert wurden zudem der neue Standort in Zhanjiang, die grüne Transformation der Chemieindustrie sowie aktuelle Umstrukturierungen innerhalb des Konzerns. Besonders interessant waren die Einblicke in die Rolle internationaler Manager, die zwischen deutscher Unternehmenszentrale und chinesischer Geschäftspraxis vermitteln müssen. Der Austausch zeigte, wie eng wirtschaftliche Chancen, geopolitische Risiken und industrielle Transformation heute miteinander verbunden sind. Wir bedanken uns bei Marco Beba (S&P22) für die Einblicke.

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Auf Einladung von Jan Jovy von PwC Shanghai diskutierten wir mit Vertretern aus Beratung, Wirtschaft und Interessenverbänden über die Herausforderungen internationaler Unternehmen in China. Thematisiert wurden unter anderem Börsengänge, Steuerpolitik, Gewinntransfers und das aktuelle Investitionsklima. In der anschließenden Paneldiskussion sprachen Vertreterinnen und Vertreter der AHK, von Schüco und LANXESS über Marktstrategien, Wettbewerbsdruck und regionale Entwicklungspotenziale innerhalb Chinas. Besonders deutlich wurde, wie stark Unternehmen zwischen geopolitischen Spannungen, regulatorischen Anforderungen und wirtschaftlichen Chancen navigieren müssen. Der offene Austausch bot einen differenzierten Einblick in die aktuelle Lage deutscher Unternehmen in China.

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Die Studienfahrt nach Shanghai bot weit mehr als klassische Unternehmensbesuche. Sie ermöglichte einen unmittelbaren Einblick in die wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Dynamik Chinas. Besonders deutlich wurde, wie eng staatliche Steuerung, private Innovation und globale Märkte miteinander verflochten sind. Zugleich zeigte die Woche, wie wichtig persönliche Begegnungen und interkulturelle Kompetenz für das Verständnis Chinas bleiben. Die Gespräche mit Unternehmensvertretern, Expertinnen und Experten machten deutlich, dass der Umgang mit China differenzierte Perspektiven, Offenheit und die Bereitschaft erfordert, bestehende Annahmen immer wieder kritisch zu hinterfragen.

 

Dieser Beitrag wurde vom S&P Jahrgang 30 verfasst.

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