Daniel Simon: Als DAAD-Lektor an der Fudan Universität

© Daniel Simon

Daniel Simon ist seit September 2022 als DAAD-Lektor an der Fudan Universität in Shanghai tätig. In unserem Interview spricht er über seine Interessen für Deutsch als Fremdsprache, China und das Theater.

Interviewerin: Kannst du uns etwas über dich selbst erzählen? Ich habe gehört, dass du drei Fächer studiert hast, darunter auch Sinologie. Kannst du uns kurz etwas über deine Studieninteressen erzählen?

Daniel: Das stimmt, ich habe drei Sprachen studiert: Deutsch, Englisch und Chinesisch. Ich habe sogar zweimal studiert, beim ersten Mal war es nur Deutsch und Englisch. Chinesisch habe ich nebenbei gelernt, weil ich noch eine Sprache lernen wollte, die eine wirkliche Herausforderung ist. Und die habe ich mit Chinesisch gefunden. Beim Sprachenlernen ist auch mein Interesse an dem Land immer größer geworden. Und nach einem Sommercamp an der Uni Qingdao vor 11 Jahren wollte ich das Land unbedingt näher kennen lernen. Nach meinem Studium habe ich dann für ein Programm der Robert Bosch Stiftung ein Jahr in Hohhot in der inneren Mongolei gearbeitet. Die netten Kollegen und Studierenden, aber auch das großartige Essen haben meine Begeisterung für das Land nur noch gesteigert. Am Ende bin ich für die Liebe zurück nach Deutschland, aber auch, weil ich dachte: Diese harte Sprache möchte ich noch einmal richtig lernen. Und so habe ich Lehramt für Deutsch, Englisch und Chinesisch in Heidelberg studiert. Aber der Traum, längere Zeit in China zu leben und zu arbeiten, ist immer in meinem Kopf geblieben. Und nach einem Master-Studium und Arbeitserfahrung in Deutschland hatte auch meine Frau Lust, ihr Heimatland China wiederzuentdecken.

Interviewerin: Hast du interessante Erfahrungen oder Reisen in China gemacht?

Daniel: Ich versuche, so viele Orte wie möglich kennen zu lernen. An vielen Orten habe ich interessante Menschen kennen gelernt und tolle Erfahrungen gemacht. In Chengdu hatte ich einmal das Problem, dass ich in der Rush Hour vom Flughafen zum Hotel wollte. Mein Chinesisch war noch nicht so gut und ich wusste nicht, wo ich genau hin musste. Nachdem 20 Minuten kein Taxi für mich angehalten hat, habe ich jemanden an der Bushaltestelle gebeten mir zu helfen. Die Dame hat sich mit mir 20 Minuten an die Straße gestellt und versucht, ein Taxi zu bekommen, bis sie gemerkt hat, dass es nur 2-3 km zu meinem Hotel sind. Dann hat sie mich zu Fuß zum Hotel gebracht und mich und meine deutschen Kollegen am Abend zu einem Restaurant gebracht, einfach um uns die schöne Seite ihrer Heimatstadt zu zeigen. Zum Glück habe ich es geschafft, dass wir sie eingeladen haben. Das war gar nicht so einfach. Aber diese Gastfreundschaft habe ich öfter getroffen und bin immer wieder gerührt davon.

Interviewerin: Interessant! Und erzähl uns doch bitte etwas über deine Arbeit in Shanghai. Was machst du denn als DAAD-Lektor? Was hältst du von der Stelle?

Daniel: Als DAAD-Lektor bin ich einerseits als Dozent an der Uni angestellt, gebe Sprachunterricht und gebe germanistische Seminare. Andererseits bin ich im Grunde Studienberater für das Studium in Deutschland und zeige, warum die deutsche Sprache und Kultur so spannend sind und warum es sich lohnt, sie zu lernen. Dafür gebe ich Informationsveranstaltungen zum Studium in Deutschland, aber allen, die sich dafür interessieren, beantworte ich auch ganz konkrete Fragen. Es gibt das Bild vom Brückenbauer. Ich finde es sehr schön und passend: Ich arbeite mit, eine Brücke zwischen Deutschland und China zu bauen, für kulturellen und wissenschaftlichen Austausch.

Die Arbeit macht viel Spaß und die Fudan bietet eine tolle Umgebung, wo ich meine Ideen umsetzen kann. Neben dem Unterricht verfolge ich noch ein Herzensprojekt: Eine deutsche Theatergruppe. Das Tolle beim Theaterspiel ist: Man lernt nicht nur, Deutsch zu sprechen, sondern man verkörpert eine Figur, deren Muttersprache Deutsch ist, und man muss anfangen, in der Sprache zu fühlen und mit der Sprache zu handeln. Ende des Semesters werden wir ein kleines Stück aufführen.

Interviewerin: Cool! Und wie unterscheidet sich deiner Erfahrung nach das Unterrichtsumfeld in Deutschland von dem in China?

Daniel: In meinem ersten Studium habe ich nebenbei als Freiwilliger im Alphabetisierungkurs für Migranten gearbeitet, das heißt, sie haben gleichzeitig Deutsch und allgemein Lesen und Schreiben gelernt. Mit meiner Stelle in Hohhot konnte ich das Unterrichten mit meiner, naja, ich kann sagen: Leidenschaft für China verbinden. Zurück in Deutschland, wollte ich das mit der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verbinden. Das ist ein ganz anderer Beruf als Lehrer für chinesische Studierende, der auf seine Art auch viel Spaß macht. Während bei chinesischen Studierenden die Herausforderung ist, dass sie für ein Rollenspiel aus sich herausgehen und einfach drauf lossprechen, ist bei deutschen Schülern die Herausforderung, dass sie nach einem Rollenspiel wieder ruhig werden und sich hinsetzen. Ich freue mich in beiden Situationen, wenn es funktioniert. Im Studium habe ich Chinesisch-AGs, also freiwilligen Chinesisch-Unterricht an einer Grundschule und einem Gymnasium angeboten. Nebenbei habe ich Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, um mein Studium zu finanzieren. Ich habe also Erfahrung mit 7-Jährigen genauso wie mit 70-Jährigen gesammelt. Und das Thema China hat mich immer begleitet.

Interviewerin: Woe war den der Start für dich an der Fudan?

Daniel: Der Anfang war nicht einfach, damals war ich wegen Covid-19 noch in Deutschland und musste manchmal online Kurse morgens um 2 Uhr halten. Aber als ich am Campus ankam, wurde alles leichter. Die KollegInnen haben mir bei meiner Anmeldung und allen möglichen Formularen sehr geholfen. Jeden Montag essen die LektorInnen der Deutschabteilung an der Fudan gemeinsam zu Mittag. Wir sprechen miteinander über unsere aktuellen Forschungsinteressen und Projekte und diskutieren über Probleme. Es gibt eine sehr enge Verbindung zwischen den KollegInnen, es ist wirklich ein bisschen wie eine Familie.

Interviewerin: Und wie ist dein Eindruck von der Lehre? Kannst du von besonderen Unterrichtserfahrungen oder Projekten berichten?

Daniel: Im Unterricht sind die StudentInnen immer gut vorbereitet und sie arbeiten auch gerne mit. Ich bin auch verwundert, dass sie schon viel über Goethe, Brecht usw. gelesen und gelernt haben. Mir fällt auf Anhieb keine besonders konkrete Unterrichtserfahrung ein, aber im Großen und Ganzen sind die Kurse alle sehr erfreulich. Die Studierenden sind am Anfang nicht so aktiv wie deutsche StudentInnen, aber werden nach kurzer Zeit immer aktiver und es ist ein wirklich schönes Gefühl, wenn ich den Eindruck habe, dass sie sich gerne am Unterricht beteiligen und auch sehr gut über die unterschiedlichsten Themen diskutieren können.

In der unterrichtsfreien Zeit veranstalte ich mit Carlos, meinem Kollegen vom OeAD, einen Filmabend. Jeden Dienstagabend wird ein Film gezeigt, meist eine Verfilmung von einem deutschsprachigen literarischen Werk. Ich habe während meines Austauschs in London Filmwissenschaft studiert und war schon immer daran interessiert. Außerdem finde ich, dass Filme Spaß machen können, und gleichzeitig auch großartige Möglichkeit bieten, damit man eine Sprache lernen und andere Kulturen kennen lernen kann.

Interviewerin: Und was steht in den kommenden Semestern an?

Daniel: Ich habe vor, in Zukunft die Plattform DAAD zu nutzen, um gemeinsam mit anderen DAAD-LektorInnen Didaktik-Workshops durchzuführen. Ich habe den Eindruck, dass an Germanistik-Abteilungen in China relativ wenig Fokus auf Pädagogik, Didaktik oder Lehrerausbildung gelegt wird. Deshalb werden meine Kollegen und ich in dem Workshop den Teilnehmenden theoretische und praktische Grunderkenntnisse in Didaktik in Form eines Blockseminars vermitteln. Danach sollen die Studierenden einen ganz konkreten Einblick in die Arbeit als FremdsprachenlehrerIn bekommen, indem sie an eine Mittel- oder Oberschule oder in eine Klasse mit erwachsenen Lernern gehen und das, was sie gelernt haben, in ein oder zwei Projekttagen ausprobieren und Deutschunterricht geben. Dieser Workshop ist offen für alle interessierten Studierenden und auch LehrerInnen sind willkommen.

Die im Moment noch kleine Theatergruppe möchte ich im nächsten Semester ausbauen, wo ich dann ein ganzes Jahr dafür nutzen kann. Im nächsten Semester halte ich einen Kurs zur Theatergeschichte und der praktische Theaterkurs gehört dazu. Ich freue mich natürlich, wenn auch Germanistik-Studierende aus anderen Jahrgängen und ganz allgemein Deutschlandinteressierte daran teilnehmen. Dann können wir nächstes Jahr ein komplettes Stück auf die Bühne bringen. Mit Untertiteln, damit es jeder anschauen kann.

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