China – Die Wissenschaftssupermacht?

© The Economist
Wissen schafft Macht. Diesem Kredo folgt Chinas Regierung nicht erst seit kurzem. Seit die Regierung 2006 das ambitionierte Ziel ausrief, bis zur Mitte des Jahrhunderts zur „Wissenschafts- und Technologiesupermacht“ aufzusteigen wurden dafür immer mehr Anstrengungen unternommen. Dass dies Früchte trug, ist unverkennbar und hat wahrscheinlich auch The Economist dazu veranlasst, diesem Thema ein Titelbild und eine ganze Titelstory zu widmen.

Denn China befindet sich längst nicht mehr im Rücklicht von Europa, Japan und den USA. Das Land hat nicht nur aufgeschlossen, sondern dominiert nun sogar in vielen akademischen Disziplinen, etwa den Material-, Ingenieurs- und Computerwissenschaften sowie in der Chemie, Physik und Mathematik. Die hier angeführte Grafik von The Economist führt uns Chinas Vorsprung anhand der Verteilung von high-impact Publikationen noch einmal vor Augen.

© The Economist

Besonders in den angewandten Wissenschaften ist China Spitzenreiter, aber auch in der Grundlagenforschung holt das Land langsam, aber sicher auf. Während des diesjährigen Nationalen Volkskongresses proklamierte die Regierung etwa einen 13-prozentigen Anstieg des Budgets für Grundlagenforschung.

Laut The Economist ist all dies auf drei Faktoren zurückzuführen: Finanzierung, Personal und technische Ausrüstung. Erstens investiert China massiv in Forschung und Entwicklung (FuE). Zahlen aus dem Jahr 2021 zeigen, dass Chinas Ausgaben für FuE zwar noch hinter denen der USA liegen (668 Mrd. USD ggü. 806 Mrd. USD, kaufkraftbereinigt), die Ausgaben für universitäre und staatliche FuE aber schon die der USA überholt haben. Gelder fließen vor allem in strategische Forschungsschwerpunkte wie KI, Halbleiter, Genetik und Quantentechnologie. Zweitens kehren seit den späten 2000er Jahren immer mehr im Ausland tätige chinesische Wissenschaftler in ihr Heimatland zurück. Neben Pull-Faktoren wie Programmen, die besonders qualifizierten Wissenschaftlern Zuschüsse versprechen und sie beim Aufbau eigener Laboratorien unterstützen, gibt es auch Push-Faktoren. Drittens verfügen Chinas Universitäten und Forschungseinrichtungen über eine technische Ausstattung, die laut eines ehemaligen Forschers am MIT „einfach eindrucksvoller und umfassender“ als in den USA sind, und die mit jedem Jahr weiterwächst. Chinas kürzlich vollendete unbemannte Expedition zur Mondrückseite veranschaulichte unmissverständlich den hohen Technologiestandard des Landes.

Während The Economist relativiert – es werden etwa die schwache Basis der Mittelklasse-Universitäten, auf welcher die Top-Hochschulen ruhen, oder akademisches Fehlverhalten mit Blick auf die Publikationsindustrie angeführt – der grundsätzliche Tenor ist dennoch geprägt von einem China, das den USA in vielen Aspekten der Wissenschaft und Forschung ihren Rang abgelaufen hat.

Jeffrey Ding, Dozent für Politikwissenschaft an der George Washington University, ist anderer Meinung. In seinem Artikel „The diffusion deficit in scientific and technological power: re-assessing China’s rise“ differenziert er zwischen innovation, bahnbrechende Neuerungen die einen Technologievorsprung ermöglichen, und diffusion, der tatsächlichen Verbreitung und Anwendung dieser Innovationen. Er unterstreicht, dass China in der Innovationskapazität zwar zu den USA aufgeschlossen habe, in der Kapazität der Verbreitung dieser Innovationen jedoch weiterhin hinterherhinke.  China habe ein „diffusion deficit“.

© Jeffrey Ding

Daher, so Jeffrey, „überschätzen die meisten Bewertungen der chinesischer FuE-Kompetenzen Chinas Fähigkeit, technologische Durchbrüche in nationale Produktivitätssteigerungen umzuwandeln, weil sie Indikatoren der Innovationskapazität bevorzugen.“ Für eine ausgewogenere Bewertung empfiehlt er einen Blick der „über multinationale Unternehmen wie Huawei, Städte ersten Ranges wie Peking und auffälligen FuE-Statistiken hinaus auf das bescheidene Unterfangen der diffusion geht. Diese Perspektive rückt eine andere Gruppe von Akteuren ins Rampenlicht: kleinere Unternehmen, Städte des vierten Ranges, die in der englischsprachigen Berichterstattung selten vorkommen, und Mechanismen des Technologietransfers“.

Eines bleibt aber klar: Um China kommt man nicht herum. Daher wiegt die Abnahme akademischer Kooperationen umso schwerer. The Economist ist ebenfalls der Meinung, dass diese Kooperationen beiden Seiten dienlich sind. Sie werden jedoch seit einiger Zeit aufgrund Bedenken über die nationale Sicherheit von den USA und Europa zunehmend unterbunden bzw. reduziert. Ein gesundes Verständnis von nationaler Sicherheit würde chinesische Studierende und Forschende nicht pauschalisierend abweisen. Zudem wäre dies für westliche Hochschulen desaströs, da chinesische Forschende oft das Rückgrat vieler Institute bilden. Gleichzeit moniert The Economist, dass westliche Forschende nur selten in China arbeiten oder studieren. Dadurch haben sie keine Gelegenheit von ihren chinesischen Kollegen zu lernen, so wie es chinesische Wissenschaftler ihrerseits in Ländern der westlichen Welt erfolgreich getan haben.

Letztendlich liegt es an beiden Seiten einen Weg zu finden, der so viele Einschränkungen wie nötig, aber auch so viel Kooperation wie möglich beinhaltet.

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