Wie jedes Jahr Anfang März hat in Peking der Nationale Volkskongress und die politische Konsultativkonferenz getagt. Das Besondere in diesem Jahr war nicht nur der Arbeitsbericht des Ministerpräsidenten Li Keqiang und damit das Fazit vom vergangenen 13. Fünfjahresplan. Auch die Verabschiedung des neuen 14. Fünfjahresplan (2021 – 2025) stand auf der Tagesordnung.

Industrieplan

Die sogenannten Fünfjahrespläne geben in China maßgeblich die politische und wirtschaftliche Entwicklung vor. Dazu hat die Parteispitze im Vorfeld im vergangenen Jahr einen neuen Industrieplan verkündet. Die darin genannten acht strategischen Bereiche erinnern an die Inhalte der Strategie „Made in China 2025“:

  • neue Generation der Informationstechnologie
  • Biotechnologie
  • High-End-Fertigung
  • neue Materialien
  • neue Energieträger
  • smarte und neue Energie nutzende Fahrzeuge
  • energiesparende und umweltschonende Industrie
  • digitale Kreativwirtschaft
In einer Smart-Waschmaschinen-Produktionsstätte von Haier, Tianjin, 2020

Wissenschaftliche und technische Innovationen sollen die chinesische Wirtschaft und Gesellschaft unabhängiger vom Ausland machen. Das Modell „doppelter Wirtschaftskreislauf“ relativiert die internationale Offenheit. China möchte mit dem Ausland (äußerer Kreislauf) zwar weiter Handel treiben und gleichzeitig seine internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern. Der tragende Kreislauf ist aber der innere, der der Binnenwirtschaft: Spezialbauteile, wichtige Rohstoffe sowie Fachwissen und technologische Patente sollen möglichst aus China selbst kommen.

Hochburg postgradualer Bildung

Bereits im Herbst 2020 gab das Bildungsministerium neue Richtlinien heraus, die China bis 2035 zu einer Hochburg der postgradualen Bildung machen sollen. Von 629 Doktorandinnen und Doktoranden im Jahr 1949 auf über drei Millionen im Jahr 2020 ist China der größte Anbieter von postgradualer Bildung in der Welt geworden.

Die Vergrößerung des Systems der vergangenen Jahre ist auf Kosten von Qualität und Passgenauigkeit erfolgt. Das Bildungsministerium will die Ausbildung von dringend benötigten Talenten sowie die Beseitigung von technologischen Engpässen für ein hochwertiges Wachstum stärker unterstützen.

Wissenschaftliche Relevanz

Bei der Zahl der Publikationen in wissenschaftlichen Journalen ist China bereits seit einigen Jahren Weltmeister.  Seit 2019 ist China auch bei der Anmeldung internationalen Patenten die Nummer 1 und hat die USA nach vier Jahrzehnten an der Spitze abgelöst. Die chinesischen Universitäten klettern in den weltweiten Rankings stetig nach oben – nicht zuletzt aufgrund der Doppel-Exzellenz-Initiative, die den besten Universitäten und Fachbereichen besondere Finanzmittel zur Verfügung stellt. THE führte 2015 nur zwei chinesische Universitäten unter den TOP 100. 2020 sind es bereits sechs.

Auch für Deutschland ist die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit China immer wichtiger geworden. Die chinesischen Promovierenden stellten in Deutschland 2018 mit 4.495 Personen die größte Gruppe unter den 27.107 ausländischen Promovierenden. Sie sind mit 2.080 Personen auch die größte Gruppe der Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, vor Indien und Russland.

Weitreichende technische Fortschritte

Quantenforschung, Raumfahrtprogramm und Digitalisierung: bereits 2020 verkündeten chinesische Forscherinnen und Forscher in vielen strategischen Bereichen beachtliche Erfolge. Mehrere interessante Pilotprojekte wurden im Rahmen von autonomen Fahren oder der digitalen Finanzwirtschaft initiiert.

Chinas offizielle App für den digitalen Yuan

Für China ist die Weltführerschaft in Zukunftstechnologien ein erklärtes Ziel, das im aktuellen Fünfjahresplan mit entsprechenden Programmen und Investitionen konsequent verfolgt wird.