Der Anteil ausländischer Studierenden an den über 44 Mio. Studentinnen und Studenten in China beträgt weniger als ein Prozent. Sie konzentrieren sich auf die chinesischen Top-Universitäten; größtenteils in den Metropolen Shanghai, Peking und Kanton. Dort herrscht in der Regel ein von internationaler Vielfalt geprägtes lebendiges Treiben. Nicht so in diesem Jahr. Zu Chinesisch Neujahr und mit Beginn der Pandemie hatten die meisten internationalen Studierenden bereits Ende Januar China verlassen und konnten bisher nicht wieder einreisen.

Der Campus der Fudan Universität

Rückkehr an die Universitäten

Die Anzahl der COVID-19 Neuinfektionen in China ist seit Monaten auf einem sehr niedrigen Niveau und es gibt kaum akute Erkrankungen. Fast ausschließlich werden sogenannte importierte Fälle registriert. Sie werden bei den aus dem Ausland eingereisten Personen durch Routinetests während der obligatorischen 14-tägigen Quarantänezeit in zentralen Unterbringungen diagnostiziert. Dadurch ist die Ansteckungsgefahr für die inländische Bevölkerung auf einem Minimum reduziert. Trotzdem sind für den Lehrbetrieb strenge Maßnahmen vorgesehen: reglementierter Zugang mit Gesichtskontrolle und Fiebermessung, regelmäßige COVID-19 Tests und Übermittlung des Gesundheitszustandes, limitierter Ausgang von Wohnheim und Campus, Einhaltung der Abstandsregeln in der Mensa und in den Vorlesungsräumen. Damit haben es die chinesischen Universitäten geschafft, ihren Studierenden für das Wintersemester ein Studium in Präsenz zu ermöglichen. Von Stadt zu Stadt und von Universität zu Universität sind die einzelnen Vorschriften unterschiedlich streng umgesetzt. In der Regel darf man als Universitätsfremder den Campus nur mit vorheriger Anmeldung und erteilter Genehmigung betreten.

Der Eingang der Beijing Foreign Studies University (BFSU)

Online Unterricht für ausländische Studierende

Seit dem 28. März dürfen keine ausländischen Studierenden mehr nach China einreisen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das bedeutet auch für die deutschen DAAD-Stipendiatinnen und Stipendiaten, dass sie ihr Auslandsvorhaben entweder verschieben oder online durchführen müssen. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten des Sprache und Praxis in China Programms berichten, dass ihr online Sprachkurs an der Beijing Foreign Studies University (BFSU) zwar sehr gut organisiert ist, dass ihnen aber das sprachliche Umfeld und die Auslandserfahrungen trotzdem sehr fehlen. „Sie sind ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht, dass es keine Perspektive für eine baldige Einreise gibt. Wer sich um einen Auslandsaufenthalt bewirbt, möchte diesen auch mit Leib und Seele erleben“, berichtet die Programmkoordinatorin Melanie Späthe.

Während der Pandemie sitzen die DAAD-Stipendiatinnen und Stipendiaten des Förderprogramms "Sprache und Praxis in China" zu Hause vor ihren Laptops und nehmen an virutellen Formaten des Rahmenprogramms teil

Normalerweise organisiert die DAAD-Außenstelle ein umfangreiches Begleitprogramm mit Firmenbesuchen und Exkursionen. Derzeit ist dies nur virtuell möglich. „Aber es ist wichtig, im Kontakt zu bleiben und alle Möglichkeiten zu nutzen, um den Stipendiaten ein umfangreiches Wissen über China anzubieten und deren Netzwerk nach China auszubauen – sei es durch virtuelle Stadtführungen, Besprechungen mit Firmenchefs per Video oder online Networking-Veranstaltungen mit DAAD-Alumni.“

Die Mensa der China University of Political Science and Law (CUPL)

Einreisebestimmungen

Seit Mitte August 2020 dürfen immerhin die ausländischen Lehrkräfte, die über gültige Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen verfügen, ein Visum beantragen, das zur einmaligen Einreise gedacht ist. Dieses Angebot haben bereits einige deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und auch DAAD-Lektorinnen und Lektoren angenommen. Nach der bürokratisch aufwändigen Reisevorbereitung ist nach Ankunft in China eine 14-tägige Quarantäne in einer zentralen Unterkunft Pflicht. Aber auch nach der Zeit in der Quarantäne ist der Zugang auf den Campus nicht automatisch gestattet. Für Lehrpersonal, das aus dem Ausland zurückgekehrt ist, gelten zusätzliche Wartezeiten oder der Vorweis weiterer negativer COVID-19 Tests, bevor die Universität betreten werden darf.

Die konkreten Einreisebestimmungen für China sind seit Anfang November angesichts der sich verschlechterten pandemischen Lage in Europa wieder verschärft worden. So müssen inzwischen vor Abflug zwei verschiedene Tests vorgelegt werden; erstens ein negativer COVID-19 Nukleinsäuretest und zweitens ein negativer IgM Antikörper-Bluttest – beide Tests dürfen beim Boarden des Flugzeugs nicht älter als 48 Stunden alt sein und müssen zusätzlich von der zuständigen chinesischen Auslandsvertretung per E-Mail zertifiziert worden sein. Zudem ist die Nutzung von internationalen Zubringerflügen nicht mehr möglich, weil die Tests im Land des Ausgangsflughafens abgelegt und zertifiziert werden müssen.

Vorlesungen an der Beijing Foreign Studies University (BFSU)

Keine Aussicht auf baldige Lockerungen

Ähnlich strenge Einreisebestimmungen gibt es in anderen asiatischen Ländern auch. Sie haben dazu geführt, dass die Pandemie in China aber auch in einigen Nachbarstaaten unabhängig von der globalen Situation gut unter Kontrolle ist. Trotzdem warnt das deutsche Auswärtige Amt weiterhin vor einer Reise nach China, da die Quarantänebestimmungen nicht ohne weiteres zumutbar sind. Trotz der Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und den ersten Berichten von geimpften Personengruppen in China, so bleibt es noch ein weiter Weg, bis sich die internationale Mobilität normalisieren kann. Auch wenn chinesische Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihr Studium bzw. ihre Forschung in Deutschland relativ unproblematisch ein Visum beantragen können, so ist auch in der umgekehrten Richtung der akademische Austausch durch das fehlende  Angebot internationaler Flugverbindungen und dem globalen Pandemiegeschehen stark beeinträchtigt.

Ruth Schimanowski, Leiterin der DAAD-Außenstelle Peking