2017 startete die FernUniversität in Hagen erstmals ihre eigene Lernplattform: offene.fernuni-hagen.de. Das Besondere an ihr ist, dass sie auch externen Teilnehmenden ermöglicht, an Kursen teilzunehmen. Über die offene.fernuni können somit z.B. Massive Open Online Courses (MOOCs) angeboten oder Open Educational Resources (OER) zur Verfügung gestellt werden.

Nun trat auch die Shanghai Open University bei. Die so gemeinsam kreierte Plattform nahm am Freitag ihren Probebetrieb auf. „Chinese-German OOC“ bündelt das Knowhow und die Ressourcen von zehn Bildungseinrichtungen und Unternehmen in China und Deutschland, darunter der Fremdsprachenuniversität Shanghai, der Tongji-University, der Shanghai University for the Elderly, der Alibaba Group und der deutschen COGNOS AG.

Derzeit stehen auf der Plattform mehr als 30 Kurse auf Englisch und Chinesisch kostenlos zur Verfügung. Sie decken die fünf Bereiche Sprache, Business und Handel, Kultur und Kunst, Digitalwirtschaft sowie intelligente Stadt ab.

Die Rektorin der Shanghai Open University, Yuan Wen, erklärt laut China Radio International: „Die Plattform bietet Menschen in beiden Ländern qualitativ hochwertige Online-Bildungsressourcen und Lerndienstleistungen sowie schließt die Lücke zwischen der Hochschulbildung und der Nachfrage von Unternehmen nach Fachkräften.“ Die Plattform werde auch dazu beitragen, den kulturellen Austausch zwischen chinesischen und deutschen Universitäten, das Geschäftswachstum und die Entwicklung der Online-Bildung in beiden Ländern zu beschleunigen, so Yuan weiter.

Ada Pellert, Rektorin der FernUniversität in Hagen, sagt: „Die COVID-19-Pandemie hat die Digitalisierung des Hochschulsektors stark beschleunigt, sowohl in Bezug auf die Verwaltungsabläufe als auch auf die Lehre und Ausbildung. Dadurch wurde auch die Internationalisierung des digitalen Lernens vorangetrieben."

Angesichts dessen betonte sie die bedeutende Rolle der kooperativen Plattform, um eine multikulturelle Lehr- und Lernerfahrung zu bieten: „Wir hoffen, die Zusammenarbeit zwischen chinesischen und deutschen Bildungseinrichtungen zu vertiefen und uns gemeinsam für die Sache der Online-Bildung und des lebenslangen Lernens einzusetzen.“

MOOCs in China

China hat sich selbst zum Weltmarktführer für Massive Open Online Courses (MOOCs) erklärt, sowohl in Bezug auf die Anzahl der Kurse als auch der Teilnehmer: Bereits im Oktober gab es in China mehr als 30 MOOC-Plattformen mit 34.000 Kursen, sagte Bildungsminister Chen Baosheng auf einer Konferenz an der Tsinghua Universität im Dezember 2020. Wegen COVID-19 hätten chinesische Universitäten im Frühjahrssemester 2020 den Unterricht zunächst für ein Semester online stattfinden lassen, wobei ca. 1,1 Mio. Online-Kurse produziert worden wären. Von allen chinesischen MOOC-Nutzern waren also ein Viertel Universitätsstudenten, die mithilfe der Kurse sogenannte Credits sammelten.

Inzwischen hat die Entwicklung von MOOCs jedoch eine ungeahnte Dynamik angenommen, nicht zuletzt, da sie neben der Pandemieprävention auch weitere Zwecke erfüllen. Ein einzigartiger Vorteil von MOOCs sei es, so Chen, eine neue Bildungsgerechtigkeit zu schaffen; Jeder könne lernen wo und wann er oder sie es wünsche.

Ein weiteres Ziel von MOOCs ist die Unterstützung von Universitäten, die nicht in der Lage sind, eigene Online-Kurse zu entwickeln.

Global MOOC-Alliance

Im Zuge dessen gab die renommierte Tsinghua Universität in Zusammenarbeit mit der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) eine 17-Punkte-Erklärung zur MOOC-Entwicklung heraus. Weiterhin wurde eine „Global MOOC Alliance“ mit ausländischen Institutionen wie der Cornell University, der University of Toronto und der University of Auckland gegründet. Ein Unesco-Bericht, der auf Umfragen in 150 Nationen von Juni bis Oktober 2020 basiert, zeigte, dass 90 Prozent der Länder ein Online-Lernen ermöglichen oder subventionieren.

Der Ursprung

MOOCs, die 2012 z.B. von der US-Plattformen EdX eingeführt wurden und kostenlose Kurse von amerikanischen Eliteuniversitäten anboten, fanden schnell ihren Weg nach Asien, als die Tsinghua University 2013 eine Plattform namens XuetangX schuf.

Während unter anderem XuetangX eine große Anzahl von Nutzern anzog, waren ihre Inhalte meist nicht credit-fähig und wurden im Inland konsumiert. Das änderte sich Anfang 2020, als die chinesischen Plattformen angesichts der Schließung der Universitäten begannen, Optionen für die Anrechnung von Studienleistungen und Kurse auf English anzubieten. Der Begriff MOOC, wie er in China verwendet wird, bezieht sich daher eher auf vollständige Lehrplan-Ressourcen mit offenem Zugang zu Lese- und Videomaterialien.

Ausblick

Regierungen werden zu wichtigen Akteuren für MOOCs; die verwendeten Sprachen werden deutlich diversifiziert, weg von der Dominanz des Englischen; und MOOCs haben sich über die Hochschulbildung hinaus entwickelt.

Allerdings zeichnet sich für Entwicklungsländer wie China auch Probleme ab: Laut einem Bericht des China Internet Network Information Center hat das chinesische Festland eine Internet-Verbreitung von 65 Prozent. Damit liegt das Land vor anderen Entwicklungsländern wie Indien (wo sie bei etwa 50 Prozent liegt) aber hinter Hightech-Gesellschaften wie Japan, Südkorea und Singapur, wo sie 85 bis 95 Prozent beträgt.

Während Spitzeninstitutionen wie die Tsinghua Anfang des Jahres eine große Anzahl von Kursen online verlegen konnten, gilt das nicht für alle der mehr als 1.200 chinesischen Universitäten, insbesondere nicht für die in den abgelegenen Provinzen.

Marie Adams, DAAD-Außenstelle Peking