Veranstaltungsflyer ©DAAD IC Shanghai

Die Auswirkungen der weltweiten COVID-19 Pandemie sind für den internationalen Austausch in der Wissenschaft nicht von der Hand zu weisen. Die Mobilität ist derzeit zwischen vielen Ländern stark eingeschränkt. Die Mobilitätsströme werden sich neu definieren und teils in andere Länder verlagern. Nach Studien des Institute of International Education (IIE) steht jedoch nach der ersten Jahreshälfte 2020 bereits jetzt fest, dass Deutschlands Ansehen als attraktiver Standort für Wissenschaftler aus dem Ausland eher gestiegen ist: LINK.

Der erfolgreiche und auf wissenschaftlicher Expertise basierende Umgang mit der Pandemie, die in Deutschland bis auf Weiteres zügig unter Kontrolle gebracht wurde, die gute Kommunikation der deutschen Hochschulen zur temporären Umwandlung der Seminarräume in digitale Lernlandschaften oder in Blended Learning-Formate im kommenden Semester – all das überzeugt junge Menschen neben der hohen Qualität wissenschaftlicher Lehre und Forschung in Deutschland, weiterhin einen realen physischen Austausch anzustreben.Nur ein kleiner Teil möchte in Zukunft auf einen Auslandsaufenthalt verzichten oder einen rein digitalen internationalen Abschluss im eigenen Land erwerben. Die Mehrheit sieht gerade in der Erfahrung der deutschen Wissenschaftskultur den wichtigsten Bestandteil für das eigene intellektuelle Wachstum, für Vernetzung und künftigen beruflichen Erfolg.

Davon konnte sich das DAAD Informationszentrum Shanghai im Rahmen der gut besuchten Research in Germany Online Session mit dem Schwerpunkt Humanities & Social Sciences überzeugen: Es gab über 400 Voranmeldungen und die Session dauerte nahezu drei Stunden, weil die drei Referenten nach den Vorträgen zahlreiche Fragen von den eingeloggten Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhielten.

Programm ©DAAD IC Shanghai

Im ersten Teil sprach Sakine Weikert, Leiterin des DAAD Informationszentrum Shanghai und Dozentin für Germanistik an der Fudan Universität über wichtige frühzeitige Entscheidungen für junge Forscher. Welche Form der Promotion passt am Besten zum eigenen Projekt: Eine Individualpromotion oder eine Promotion in einem strukturierten Programm, z.B. einem Exzellenzcluster? Des Weiteren gibt es neben der klassischen Universität exzellente geisteswissenschaftliche Forschung in außeruniversitären Instituten wie der Leibnitz-Gemeinschaft oder in geisteswissenschaftlichen Akademien wie der Leopoldina.

Eine Frage, die dem DAAD immer wieder gestellt wird, lautet, wie man die Suche nach dem richtigen Betreuer oder der besten Gruppenzugehörigkeit in Deutschland strategisch am Besten vorantreiben kann. Natürlich ist die persönliche Kontaktanbahnung in der Sprechstunde des potentiellen Betreuers von Vorteil. So kann man sich für ein DAAD Kurzstipendium bewerben und die Zeit in Deutschland dafür nutzen, „Klinken zu putzen“, also bei den jeweiligen Personen samt eines Handouts zum angestrebten Forschungsprojekt und einer kurzen Biographie vorzusprechen.

Wenn dies nicht möglich ist und man von China aus eine kalte Akquise vornehmen muss, so gilt: Zunächst sollte man eine kurze, inhaltlich überzeugende und höfliche erste Email schreiben, die darstellt, weshalb man genau bei dieser Person / Institution promovieren möchte. Erst nach dieser Kontaktaufnahme sollten wichtige Dokumente wie das Forschungsexposé, das Motivationsschreiben, die Empfehlungsschreiben und der Lebenslauf nachgereicht werden. Das wichtigste Dokument ist selbstverständlich das Exposé. Jedoch bestätigen deutsche Professorinnen und Professoren dem DAAD immer wieder, wie genau sie auf ein sorgfältig verfasstes Motivationsschreiben schauen.

Ein Forschungsexposé stellt die Forschungsidee, das Ziel sowie die Forschungslücke, welche mit dem Projekt geschlossen wird, kurz, präzise und überzeugend mit konkretem Zeitplan dar. Es ist das wesentliche wissenschaftliche Bewerbungsdokument für eine Promotion, und es sollte auf die spezifische Struktur zugeschnitten sein, die in den Anforderungen des potenziellen Betreuers oder des Promotionsprogramms vorausgesetzt wird. Wichtigste Kriterien sind Originalität & Durchführbarkeit. Die Bedeutung des Forschungsergebnisses für andere Wissenschaftler und für andere Interessengruppen wie Praktiker muss angegeben werden. Jede Idee oder Passage aus einer anderen Quelle muss im Text des Forschungsexposés angemessen zitiert werden. Für September/Oktober 2020 kann man sich für den Research in Germany-Online Kurs „How to apply for a PhD in Germany“ anmelden.

Das Forschungsexposé ©DAAD IC Shanghai

Des Weiteren wurden die Neuerungen der Exzellenzstrategie in Deutschland vorgestellt.  Ausgerufen seit 2019 mit den Schwerpunkten universitäre Forschungsaktivitäten und Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen und Unternehmen, gibt es zwei Förderlinien: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Zu letzteren zählen ein Berliner Universitätskonsortium, bestehend aus der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der TU Berlin sowie 10 einzelne Institutionen. Weitere Informationen unter: https://www.bmbf.de/en/excellence-strategy-5425.html.

Verschiedene Fördermöglichkeiten der Promotion und Stipendien für die Geistes- und Sozialwissenschaften wurden abschließend vorgestellt und sind in der DAAD Stipendiendatenbank zu finden.

Im zweiten Teil der RiG Online Session gaben zwei Experten aus den Geistes- und Sozialwissenschaften Einblicke in erfolgreiche Wege in zwei herausragende deutsche Forschungseinrichtungen:

Dr. Peter Ganea, deutscher Vizedirektor des Chinesisch-Deutschen Instituts für Internationales Wirtschaftsrecht an der Tongji-Universität Shanghai, war zuvor als  Asien-Referent am Münchner Max-Planck Institut für Innovation und Wettbewerb und Koordinator eines internationalen Masterprogramms über moderne Asienstudien an der Goethe-Universität Frankfurt tätig. Aus Sicht eines ehemaligen Max-Planck-Forschers hat er auch viele Stipendienanträge aus China bewertet und sprach darüber, was bei erfolgreichen Anträgen wichtig war.

Dr. Shen Chong lieferte einen authentischen Erfahrungsbericht aus der Sicht eines ehemaligen Doktoranden in Deutschland. Nach dem Germanistikstudium an der Fudan Universität in Shanghai und einem Austauschjahr an der FU Berlin, kam er dort in Kontakt mit seiner künftigen Betreuerin Prof. Dr. Jutta Müller-Tamm und wurde als Doktorand in die DFG-geförderte Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien aufgenommen, die Mitglied der Exzellenzinitiative und damit des Vorläufers der Exzellenzstrategie war. Seine Promotion mit dem Titel„Epiphanie und Mnemopoesie. Motiv und Struktur des Vorübergehens bei Stefan George und Hugo von Hofmannsthal“ hat er dort erfolgreich beendet. Er sprach insbesondere über die Schwierigkeiten bei der Ankunft und die Lerneffekte angesichts der unterschiedlichen akademischen Kulturen. Seit dem Sommersemester 2019 wurde er als Germanistikdozent an die Fudan Universität und damit an seine Alma Mater zurückberufen.

Im Anschluss erfolgte eine lange und lebhafte Diskussion. Die Teilnehmer befragten Dr. Shen beispielsweise nach dem Zeitmanagement: Wie lange dauerte es, das Exposé zu verfassen, und wie hat er dies parallel zum Masterabschluss geschafft? Gezeigt hat sich das große Potential einer digitalen Informationsveranstaltung: Reichweite und Inklusion sind erheblich. Aus verschiedenen Provinzen Chinas waren TeilnehmerInnen eingeloggt, es gab Masterabsolventen, aber auch Mitglieder in der Universitätsverwaltung, die im Nachgang eine Promotion absolvieren möchten. Des Weiteren meldeten sich chinesische Masterstudierende zu Wort, die derzeit ihren Abschluss in Deutschland absolvieren und dort auch eine Promotion anstreben.

Der DAAD  wünscht allen einen erfolgreichen Weg in die Promotion in Deutschland!

Autorin: Sakine Weikert

Informationen zur Veranstaltung

22. Juni 2020, 15:00 bis 17:00 Uhr

DAAD Informationszentrum Shanghai (online)
Veranstalter: DAAD Informationszentrum Shanghai