Wie wird Deutschland in der Welt gesehen? Mit der Studie „Außenblick – Internationale Perspektiven auf Deutschland in Zeiten von Corona“ nähern sich DAAD, GIZ und Goethe-Institut gemeinsam dieser Frage aus der Perspektive von Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik. Für die tägliche Arbeit der DAAD-Mitarbeitenden lieferte sie spannende Erkenntnisse.

Rund 600 Personen mit fundiertem Wissen über Deutschland aus 37 Ländern gaben in der quantitativen Online-Befragung Antworten. In vertiefenden Interviews wurden rund 50 Gesprächspartner und -partnerinnen in 24 Ländern zu ihrer Sicht befragt. Mit positiven Grundtenor: „Die Wertschätzung für unser Land ist groß, wir werden geachtet und respektiert, man traut uns viel zu“, heißt es im Vorwort der Studie.
Gerade bei wirtschaftlichen Aspekten, beim Gesundheitssystem oder bei internationalen Beziehungen ist der Blick auf Deutschland sehr positiv. Eher kritisch werden Umweltskandale und eine schleppend voranschreitende Digitalisierung gesehen. Die Befragten attestieren Deutschland hier eine starke Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität. Populismus und rechtsextreme Anschläge zählen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu den größten Risiken.

Videobotschaft der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Fachaustausch über die Ergebnisse der Studie „Außenblick“

Ausländische Forscher kooperieren gerne mit Deutschland

Gleichzeitig würdigen die Befragten die globalen Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen der Bundesrepublik und ihren kooperativen Ansatz. Dies mache die Zusammenarbeit mit deutschen Partnerinstitutionen besonders für Forschende und Kulturschaffende attraktiv. Für die Studienteilnehmenden sind demnach der Zugang zu Schulen und Universitäten sowie die analytische Auseinandersetzung mit Sachthemen große Stärken des deutschen Bildungssystems. Daneben seien die interdisziplinären und anwendungsorientierten Forschungseinrichtungen hierzulande attraktiv. Als effektive Schwächen wahrgenommen werden akademische Hürden und ausgeprägte Hierarchien im Hochschulsystem.

Kai Sicks, DAAD-Generalsekretär, führt dazu aus: „Deutschland ist als Standort für Bildung und Forschung bei den Gefragten weltweit sehr geschätzt. Gleichzeitig wünschen sich internationale Talente einen einfacheren Zugang zum deutschen Bildungssystem. Positive Erwähnung findet zudem, dass deutsche Hochschulen intensiv mit Partnerinstitutionen weltweit zusammenarbeiten und viele internationale Forschende im Land anzutreffen sind. Auch die vielfältigen Austauschmöglichkeiten und Stipendien für Studierende werden von den Befragten sehr geschätzt.“

COVID-19: Eine Erfahrungszäsur mit Folgen

Das Management der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 wird weithin als effizient und vorbildlich wahrgenommen. Diese Einschätzung änderte sich in der zweiten Welle. Die Befragten beobachten eine “Zerrissenheit der Deutschen zwischen den Prinzipien der Selbstbestimmung, Freiheit und des Föderalismus auf der einen und der Disziplin und Regeltreue auf der anderen Seite”. Zu den Lehren aus der Corona-Pandemie zählen sie die Notwendigkeit einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit, besonders hervorgehoben werden ferner die Bedeutung eines funktionierenden Gesundheitssystems und das Erfordernis eines effektiven Krisenmanagements.

Auch Alexander Haridi war an der Studie beteiligt. Im Interview spricht der Leiter des Referats K24 „Informationen zum Studium im Ausland“ über seine Erkenntnisse für den DAAD.

Alexander Haridi im Interview

Welche Ergebnisse sind besonders relevant für Arbeit des DAAD?

AH: In der Studie gibt es viel Positives über die internationale Zusammenarbeit mit Deutschland zu lesen. Das Vertrauen in die Ernsthaftigkeit unserer Absichten und die Beständigkeit unserer Arbeit ist sehr hoch. Unsere Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Partnern aus aller Welt wird sehr geschätzt. Außerdem wird das deutsche Forschungssystem als gut wahrgenommen. Das macht Deutschland als Projektpartner oder als Ziel für einen Austausch oder Forschungsaufenthalt nach wie vor attraktiv.

Ist auch die Kritik ein Gewinn für Ihre Arbeit?

AH: Die Interviewten kritisieren unsere mangelnde Flexibilität, unsere Langsamkeit bei Entscheidungen und unseren Hang, Dinge zu zerreden. Dieses Feedback trifft auch auf viele Bereiche unseres Alltagsgeschäfts zu, zum Beispiel die schleppende Digitalisierung im Bildungsbereich, bürokratische oder sprachliche Hürden oder die Unterfinanzierung des Hochschulsystems. Wenn uns Menschen, die Deutschland gut kennen und schätzen, den Spiegel vorhalten, ist diese Rückmeldung umso wertvoller. Wir können uns nur weiter entwickeln, wenn wir unsere Stärken und Schwächen kennen – als Land, als Gesellschaft, aber auch als DAAD.

Welche Rückschlüsse lässt die Betrachtung der Pandemie zu?

AH: Ich glaube, das Lob und die Kritikpunkte sind Seiten derselben Medaille. Auch in der Pandemie haben wir uns auf unsere Stabilität und Disziplin verlassen können, gerade in der ersten Coronawelle. Gleichzeitig haben wir auch Schwächen gezeigt: beim Testen, beim Impfen, bei der Abstimmung von Maßnahmen. Hier waren wir oft zu träge, zu föderalistisch. Das wurde auch im Ausland wahrgenommen. Die Pandemie hat jedoch gezeigt, dass es ohne internationale Zusammenarbeit keine Antworten auf globale Herausforderungen geben kann. Diese Erkenntnis könnte das Interesse und die Offenheit für internationale Kooperationen noch mehr steigern.

Lassen sich aus der Außenblick-Studie auch konkrete Handlungsempfehlungen für Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen ableiten?

AH: Die Außenblick-Studie liefert keinen Zehn-Punkte-Plan für unsere tägliche Arbeit. Natürlich lassen sich aus der Studie Rückschlüsse für die eigene Arbeit ziehen, vielleicht in Form von Bestätigung, Motivation oder als Ergänzung der eigenen Perspektive. Mit den Ergebnissen aus der Außenblick-Studie können die drei beteiligten Partner ihre globale Strategie überprüfen und weiterentwickeln – und zwar im Vorstand und in der Geschäftsführung. Außerdem liefert die Studie wichtige Botschaften an die Entscheiderinnen und Entscheider der Meta-Ebene, auf der über Gelder und zukünftige internationale Projekte entschieden wird. Deshalb werden DAAD, GIZ und GI nach der Bundestagswahl an das neue Parlament herantreten und die Erkenntnisse aus der Studie im politischen Berlin vermitteln.

​Interview: Birk Grüling  (Das Interview wurde gekürzt)

Downloads

„Außenblick – Internationale Perspektiven auf Deutschland in Zeiten von Corona“ als PDF herunterladen: Deutsch, Englisch

Zusammenfassungen zum Download:

Zusammenfassung (Deutsch)

Zusammenfassung (Englisch)

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