Symposium der Deutschland-Alumni des ostasiatischen Fachnetzwerks für Rechtswissenschaft

Tianjin, „Sewol“, Germanwings, Fukushima – Risikogesellschaft und Massenschäden

Vom 11.-13. September fand in Peking ein weiteres Symposium des ostasiatischen Alumni-Fachnetzwerks für Rechtswissenschaft statt. 70 juristische Deutschland-Alumni aus Festlandchina, Taiwan, Japan, Südkorea und Deutschland trafen sich, um sich zu dem Thema „Risikogesellschaft und Massenschäden“ auszutauschen.

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Foto: Law School, Renmin University of China

Nach Tagungen in Seoul im Frühjahr 2012 und Taipei im Oktober 2013 war dies das dritte Treffen des ostasiatischen Fachnetzes für Rechtswissenschaft. Die Tagung wurde von der Law School der Renmin University of China ausgerichtet.

Wang Liming, Renmin University of China, Shin Yu-Cheol, Chungnam National University, Reiner Schulze, Universität Münster. Foto: DAAD

Wang Liming, Renmin University of China, Shin Yu-Cheol, Chungnam National University, Reiner Schulze, Universität Münster.
Foto: DAAD

Das Thema der Tagung „Risikogesellschaft und Massenschäden“ hat viele aktuelle Bezüge aus den Weltnachrichten, sei es die Explosionskatastrophe in Tianjin vor wenigen Wochen, der Absturz einer Germanwings-Maschine in Südfrankreich im Frühjahr, der Untergang der südkoreanischen Fähre “Sewol” vor einem knappen Jahr oder der Atomunfall im japanischen Fukushima im Jahr 2011. Massenschäden gehören zum Alltag moderner Gesellschaften. Die Ursachen sind nur zum Teil auf Naturkatastrophen zurückzuführen, in vielen Fällen werden sie von Menschen verursacht.

Wie gehen moderne Staaten mit potentiellen Risiken um und was ist bei der Regelung von Massenschäden aus rechtlicher Sicher zu beachten? Juristen verschiedener Fachgebiete referierten und diskutierten sowohl im Plenum als auch zwei Fachsektionen zu Themen des Zivil-, Handels- und Zivilprozessrechts bzw. des Verfassungs-, Verwaltungs- und Strafrechts. Das Programm des Symposiums kann hier heruntergeladen werden.

Rolf Knieper, Universität Bremen, Lee Young June, Research Inst. for Asia Private Law, Masahisa Deguchi, Ritsumeikan Universität. Foto: DAAD

Rolf Knieper, Universität Bremen, Lee Young June, Research Inst. for Asia Private Law, Masahisa Deguchi, Ritsumeikan Universität.
Foto: DAAD

Wie bei Treffen von in Deutschland ausgebildeten Juristen international üblich, war die Tagungssprache ganz überwiegend Deutsch – in Zeiten der Globalisierung und der Dominanz des Englischen als Wissenschaftssprache ist das keine Selbstverständlichkeit.

Zum Schluss erklärte Professor Masahiso Deguchi seine Bereitschaft, das nächste Treffen des ostasiatischen Alumni-Fachnetzwerks für Rechtswissenschaft in zwei Jahren in Kyoto auszurichten. Dem Programmkomitee gehören neben Prof Deguchi, Prof. Lee Byung Jun aus Südkorea, Prof. Wu Jiin Yu aus Taiwan und Prof. Zhu Yan aus Festlandchina an.

Auf chinesischer Seite wurde die Tagung von der Law School der Renmin University of China und auf deutscher Seite – wie schon bei den vorangegangenen ostasiatischen Juristentreffen – vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Alexander von Humboldt-Stiftung unterstützt. Den Vorsitz des Organisationskomitees hatte Prof. Zhu Yan von der Renmin University of China, der tatkräftig von Frau Prof. Jin Jing von der China Youth University of Political Sciences unterstützt wurde.

Dr. Thomas Schmidt-Dörr

Der Vorsitzende des Organisationskomitees Zhu Yan, Renmin University of China; dahinter Jin Jing, China Youth University of Political Sciences. Foto: DAAD

Der Vorsitzende des Organisationskomitees Zhu Yan, Renmin University of China; dahinter Jin Jing, China Youth University of Political Sciences.
Foto: DAAD

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Deutsch – chinesische Forschung

Ehrendoktorwürde der Universität Bonn für CAU-Professor Sun Yurui

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Die Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Bonn ehrt damit eine langjährige und erfolgreiche deutsch-chinesische Kooperation auf dem Gebiet der Landtechnik, aus der bereits 11 Promotionen und mehr als 50 Veröffentlichungen hervorgegangen sind.

Für seine Verdienste um die langjährige erfolgreiche wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Landtechnik der Universität Bonn und dem College of Information and Electrical Engineering der China Agricultural University in Peking hat die Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Bonn Prof. Dr. Sun Yurui mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

Dekan Prof. Dr. Peter Stehle gratuliert Prof. Dr. Sun Yurui (li.) zur Ehrendoktorwürde.

Dekan Prof. Dr. Peter Stehle gratuliert Prof. Dr. Sun Yurui (li.) zur Ehrendoktorwürde.

Die Zusammenarbeit der Hochschulen besteht seit mehr als einem Jahrzehnt. Im Zentrum der Kooperation steht der Einsatz moderner Sensortechnologien in der Landwirtschaft. Sensoren werden dabei im Boden landwirtschaftlich genutzter Flächen eingesetzt, um verschiedene Parameter zu messen und zu kartographieren. So kann z.B. der Wasserstatus von Nutzpflanzen bestimmt werden, der die Bewertung von Trockenstress der Pflanzen erlaubt und für die präzise Steuerung von Beregnungseinrichtungen verwandt werden kann.

Die Forschungsarbeiten wurden sowohl von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zusammen mit der National Natural Science Foundation of China (NSFC) als auch für den Austausch von Doktoranden und PostDocs durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zusammen mit dem China Scholarship Council (CSC) unterstützt.

Quelle: Institut für Landtechnik der Universität Bonn

Treffen von Deutschland-Alumni in Dalian

© DAAD

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Begrüßung der Teilnehmer durch Dr. Thomas Schmidt-Dörr…

Gut 30 Deutschland-Alumni kamen am 18. Juli im Kempinski Hotel in Dalian zu einem vom DAAD organisierten Treffen zusammen. Das Treffen markierte etwas Besonderes, wie Thomas Schmidt-Dörr, der Leiter der DAAD-Außenstelle Peking bei seiner Begrüßung erklärte: es war das letzte Regionaltreffen, das der DAAD aus DACH-Mitteln unterstützen konnte. Das Projekt läuft Ende des Monats aus.

DACH steht für „Deutschland Alumni China“ und ist das große, vom deutschen Bildungs- und Forschungsministerium (BMBF) finanzierte Alumniprojekt, das es dem DAAD in den vergangenen Jahren erlaubte, den Aufbau eines chinaweiten Netzwerks von Deutschland-Alumni zu unterstützen. Gegenwärtig sind mehr als 11.000 Alumni als Nutzer registriert, was DACH in jedem Fall zu einer der größten Communities von Deutschland-Alumni weltweit macht.

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… und Prof. Qi Min von der Dalian University of Technology, dem Ansprechpartner für Deutschland-Alumni in Dalian.

Prof. Qi Min bedankte sich im Namen der Dalianer Alumni dafür, dass der DAAD nach drei Jahren wieder ein Regionaltreffen in Dalian ausgerichtet und den Alumni die Gelegenheit zu einem wiedersehen gegeben hat. Qi Min ist der Ansprechpartner für Deutschland-Alumni in Dalian und hatte die Organisation des Treffens vor Ort unterstützt. Chinaweit gibt es ein Netz von 31 Kontaktpersonen für Deutschland-Alumni.

QR-Code der Deutschland-Alumni Dalian auf Weixin.

QR-Code der Deutschland-Alumni Dalian auf Weixin.

Qi Min, Materialwissenschaftler von der Dalian University of Technology (DUT) war einer von ca. zehn ehemaligen Stipendiaten der Alexander von Humboldt-Stiftung, die an dem Treffen teilnahmen. Um in Zukunft enger miteinander in Kontakt zu bleiben, hatte er auf der chinesischen Social Media-Plattform Weixin eine Nutzergruppe der Deutschland-Alumni in Dalian initiiert, für die sich viele Teilnehmer des Treffens gleich fleißig anmeldeten.

Auf dem Programm stand zunächst ein Vortrag von Frau Prof. Dr. Wang Guoyu von der DUT, die dort das Institut für Philosophie und das Zentrum für EU Studien leitet. Frau Wangs Fachgebiet, ist die Technikphilosophie. Ihr Vortragstitel lautete „Technik und Verantwortung“.

Das philosophische Nachdenken über Technik führt auf die Antike zurück. Infolge der Industrialisierung entwickelte sie sich dann zu einem eigenen Zweig der Philosophie, und der deutsche Philosoph Ernst Kapp war der Erste, der die zwei Worte „Philosophie“ und „Technik“ miteinander verband. Die Nutzung von Atomwaffen Mitte des 20. Jahrhunderts warf Fragen nach der Verantwortung des Wissenschaftlers auf und heute bilden Anwendungen der modernen Biowissenschaften und damit in Zusammenhang stehende Fragen der Bioethik einen wichtigen Gegenstand, mit dem sich Technikphilosophen auseinander setzen. In ihrem Überblicksvortrag zeichnete Frau Wang die Entwicklung der Technikphilosophie seit den 1940er Jahren nach und machte dabei deutlich, wie bleibend aktuell die Fragestellungen sind, die hier behandelt werden.

© DAAD

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Prof. Wang Guoyu, DUT, hielt einen Vortrag zum Thema „Technik und Verantwortung“

Bevor sie mit ihrem Fachvortrag begann, gestattete Frau Prof. Wang den Anwesenden anhand privater Fotos noch einen Einblick in ihre Be-ziehung zu Deutschland. Diese Begann 1989 kurz vor dem Fall der Ber-liner Mauer, als sie ihrem Mann, Prof. Bao Xinhe, nach Deutschland folgte, der als Postdoc mit einem Humboldt-Forschungsstipendium ans Fritz-Haber-Institut nach Berlin zu dem späteren Nobelpreisträger Prof. Gerhard Ertl ging. Für Wang Guoyu ging es zunächst zum Sprachkurs nach Göttingen und anschließend nach Berlin, wo die Absolventin der Shanghaier Fudan Universität ein Magisterstudium an der Freien Universität Berlin aufnahm.

Aber es blieb nicht bei dem ersten Aufenthalt in Deutschland. Es wurden etliche Aufenthalte daraus mit einer Gesamtdauer von etlichen Jahren. Bao Xinhe, heute Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS), machte bald nach der Rückkehr nach China als Direktor des CAS-Instituts für Physikalische Chemie in Dalian Karriere. Die wissenschaftliche Kooperation mit deutschen Kollegen setzte er erfolgreich fort. Wang Guoyu promovierte später in Technikphilosophie an der Technischen Universität Dalian, forschte hierzu an mehreren deutschen Hochschulen und war u.a. Mitausrichterin von drei deutsch-chinesischen Workshops, unter denen zwei vom Chinesisch-Deutschen Zentrum für Wissenschaftsförderung unterstützt wurden. Auch der Sohn der beiden verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Deutschland, machte später in Deutschland Abitur, studierte an der Freien Universität Berlin und arbeitet heute in Heidelberg. Eine deutsch-chinesische Familien-Erfolgsgeschichte!

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Zum Abschluss des Programms ließ Thomas Schmidt-Dörr noch einmal wichtige Meilensteine des sehr erfolgreich verlaufenen DACH-Projekts Revue passieren. Er betonte auch, dass mit dem Alumnitreffen in Dalian zwar das DACH-Projekt zu Ende gehe, nicht aber das Interesse und die Unterstützung des DAAD für Alumniaktivitäten in China. In Zukunft werde es aber freilich wichtiger werden, dass die Deutschland-Alumni die Organisation lokaler Alumniaktivitäten selbst in die Hand nehmen.

Anschließend ging es nahtlos zum Abendessen und dem Networkingteil des Treffens über. Unter den Speisen gab es – wie es sich in Dalian gehört – reichlich Fisch und Meeresfrüchte!

Thomas Schmidt-Dörr

© DAAD

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Die Teilnehmer des Treffens von Deutschland-Alumni in Dalian am 18. Juli 2015, darunter Dr. Shao Xin, Präsident der Rückkehrer aus Deutschland in der Dalian Overseas Returned Scholars Association (1. Reihe, 5. von links), daneben Prof. Qi Min, DUT, Dr. Thomas Schmidt-Dörr, Academician Prof. Bao Xinhe, Dalian Institute of Chemical Physics, Prof. Wang Guoyu, DUT und Prof. Cong Mingcai, Leiter der Deutschab-teilung an der Fremdsprachenuniversität Dalian.

Deutschland-Alumni: Firmenbesuch beim Luftfahrzeuginstandhalter Ameco Beijing

© Ameco

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Am Nachmittag des 3. Juli wurde eine Gruppe, bestehend aus chinesischen Deutschland-Alumni und deutschen Stipendiaten des DAAD Programms „Sprache und Praxis“ (S&P), im Ameco Beijing Firmensitz am Pekinger Flughafen zu einem Firmenbesuch begrüßt. Ameco Beijing wurde 1989 als Joint Venture von Air China Limited und der Deutschen Lufthansa AG durch die Neuverteilung von Anteilsrechten gegründet und ist heute der zweitgrößte Luftfahrzeuginstandhalter der Welt. Anfang Juni dieses Jahres wurden die Anteilsrechte nun ein zweites Mal neu verteilt. Die Gruppe des DAAD hatte das Glück, die erste Besuchergruppe seit der Neuaufstellung von Ameco zu sein. Für Herrn Gochermann, den Leiter der Personalabteilung (Human Capital), war das eine kleine Herausforderung.

© DAAD

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Nach kurzer Vorstellung von Ameco, zeigte Herr Gochermann der Gruppe den unterhaltsamen Kurzfilm „Amecos Verwirklichung von neuen Flügeln für Condor“, bevor es dann weiter ging in den sog. Engine Shop und die Aircraft Overhaul (Luftfahrzeug-Wartungs-) Halle, wo deutsche und chinesische Fachkräfte allen Teilnehmern erklärten und zeigten, wie Flugzeuge instandgehalten und lackiert werden, und wie man Motoren sowie Zubehörteile überholt.

Obwohl die Veranstaltung auf den Nachmittag eines Arbeitstages fiel, haben sich Alumni aus den Fachbereichen Ingenieurwissenschaft, Materialtechnik, Transporttechnik und weiteren Bereichen trotzdem gerne zu diesem Firmenbesuch angemeldet.

© Ameco

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Die Teilnehmer waren äußert zufrieden mit dem Besuch und dem, was sie von diesem Besuch mitnehmen konnten. Einerseits lernte man vor Ort den Instandhaltungsprozess für Flugzeugteile sowie ganze Flugzeuge kennen – in der Aircraft Overhaul Halle durften die Teilnehmer die Überholung einer Boeing 757 anschauen – andererseits wurden zu dieser Veranstaltung sowohl chinesische Deutschland-Alumni als auch deutsche S&P-Stipendiaten eingeladen, was den beiden Gruppen die Möglichkeit bot, sich untereinander auszutauschen und kennenzulernen. Zum Abschied schoss der Fotograf von Ameco in der Aircraft Overhaul Halle vor einer Air China Maschine ein Gruppenbild von den Besuchern und Gastgebern.

Yuan Siqiao

© Ameco

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