Die chinesische Forschungslandschaft ist mit dem Staatsrat und besonders der Führungsarbeitsgruppe für Wissenschaft, Technologie und Erziehung als Entscheidungsträger an der Spitze stark zentralisiert. Strategiebildende und ausführende Organisationen sind beispielsweise das Ministry of Science and Technology (MoST), die Chinese Academy of Sciences (CAS) und das Ministry of Education (MoE), denen die Forschungseinrichtungen wie Universitäten, Forschungsinstitute und Unternehmen nachgeordnet sind. Eine gewisse Sonderstellung nimmt die ehemalige Staatliche Planungskommission, die jetzige National Development and Reform Commission (NDRC), ein. Sie ist für die Formulierung und Durchführung von nationalen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsstrategien, beispielsweise die Erstellung der Fünf-Jahrespläne, zuständig und hat dadurch übergreifende Wirkungsbereiche. Dahingehend fördert die NDRC ausgewählte FuE-Projekte und -Programme.
Das MoST ist das führenden Ministerium für die Formulierung der nationalen Wissenschaftspolitik und arbeitet eng mit anderen Ministerien zusammen. An der Spitze des MoST steht seit 2007 der Deutschland-Alumni, Prof. Wan Gang. Zu den Hauptaufgaben des MoST gehören die Koordinierung von nationalen FuE-Aktivitäten, sowie das Erstellen und Ausarbeiten von Makrostrategien und Richtlinien für den Bereich Wissenschaft und Technik. Des Weiteren liegt die Verwaltung verschiedener großer staatlicher Förderprogramme wie das „863-Programm“ und das „973-Programm“ beim MoST (vgl. Abschnitt zu Forschungsförderung).
Das MoE ist das führende Ministerium für das Bildungswesen und die Formulierung der nationalen Bildungspolitik, somit ist es für die Hochschulen, deren Forschungsaktivitäten und der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchs weisend. Dem MoE unterliegt die Reform und Umstrukturierung des Hochschulwesens und verschiedene Programme zur Qualitätssteigerung der Hochschullandschaft wie das „211- und 985-Projekt“. Daneben unterstehen dem MoE 73 Hochschulen direkt, und ihm sind 34 Organisationen nachgeordnet.
Im Mittel- und Langfristigen Forschungs- und Technologie-Entwicklungsplan (2005-2020) setzte man ehrgeizige Ziele und legte den strategischen Rahmen dafür, China bis 2020 in ein innovatives Land zu verwandeln und die Abhängigkeit von ausländischen Technologieinput auf unter 30% zu reduzieren. Die entscheidende Rolle, die Wissenschaft und Technologie dabei spielen soll, wird durch verschiedene Maßnahmen, wie erhöhte Investitionstätigkeit, Nachwuchsförderung, stärkere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft, verschiedene Förderprogramme und Programme zur Rekrutierung chinesischer Forscher aus dem Ausland etc., untermauert. Zur besseren Umsetzung der FuE-Aktivitäten wurde die FuE-Infrastruktur umstrukturiert und die finanzielle Förderungsstruktur überarbeitet. Es wurden darin auch Schlüsselfelder für die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung und Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards identifiziert. Dazu zählen unter anderem Umwelt, Materialwissenschaft, Energie, Medizin und Pharmazie, Landwirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologien.
Im zwölften Fünfjahresplan (2011-2015
) wurde die entscheidende strategische Bedeutung von FuE für die weitere Entwicklung Chinas und dabei besonders die Notwendigkeit der Stärkung der Innovationskapazität und der Reformierung und Weiterentwicklung des Ausbildungssystems erneut betont. Die chinesische Forschungsförderung soll verstärkt zu diesem Ziel eingesetzt, ebenso sollen Investitionen aus dem privaten Sektor in diese Richtung gelenkt werden.
Die steigenden Investitionen – 2010 stiegen die FuE-Ausgaben wiederum um über 20% im Vergleich zum Vorjahr – haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass China mittlerweile zu den wichtigsten Forschungsnationen weltweit zählt.
Bei der Zahl der Forscher liegt China mittlerweile weltweit an zweiter Stelle hinter den USA. Diese Zahl relativiert sich jedoch, wenn man sie in Relation zur Gesamtbevölkerung setzt. Auch in der rasch zunehmenden Publikationstätigkeit bemerkt man die Erfolge der FuE-Politik, und in einigen Bereichen wie beispielsweise Materialwissenschaften und Nanotechnologie ist China bereits jetzt das Land mit den meisten Publikationen. Die Zahl der Patentanmeldung am chinesischen Patentamt steigt seit der Jahrtausendwende stetig und wird mittlerweile von Anmeldungen chinesischer Antragsteller dominiert. Zwar geht die Mehrheit der chinesischen Anmeldungen an internationalen Patentämtern bisher noch auf einige wenige chinesische Unternehmen zurück und weist dadurch einen deutlichen Schwerpunkt auf Informationstechnologien auf, aber es ist zu erwarten, dass auch hier die Zahlen in Zukunft steigen werden.