Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen

Staatliche Akademien

Zu den wichtigsten außeruniversitären Forschungsinstituten gehört die Chinese Academy of Sciences (CAS), die 1949 die Nachfolge der Academia Sinica antrat. Sie gehört mit über 100 Forschungsinstituten und Schwerpunktforschungseinrichtungen zu den großen Forschungsorganisationen der Welt, hat aber als nationale Wissenschaftsakademie auch einen politischen Beratungsauftrag. Im Nature Publishing Index 2011 lag die CAS an zweiter Stelle der TOP 50 asiatisch-pazifischen Institutionen.
Die CAS finanziert sich neben staatlichen Zuwendungen zu weiten Teilen über externe Einnahmen wie Drittmittelförderung, Auftragsforschung und mehr als 200 Technologieunternehmensausgründungen. Die bekannteste darunter ist vielleicht die Lenovo-Group. Ursprünglich war Grundlagenforschung eine der Hauptaufgaben der CAS, ihr Forschungsprofil hat sich aber in den letzten Jahren hin zu angewandter Forschung, Weiterentwicklung und Innovationsförderung verschoben. Schwerpunktbereiche in der Forschung sind die Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin, Geowissenschaften und Informationstechnologien. Die CAS verfügt über zahlreiche internationale Kooperationen, unter anderem einen langjährigen Kooperationsvertrag mit der Max-Planck-Gesellschaft und dem DAAD.
1998 wurde das Knowledge Innovation Programme (KIP) initiiert, über das die CAS ihren erfolgreichsten Instituten und Forschungsbereichen zusätzliche Gelder bereitstellte, um so die wissenschaftliche Qualität zu verbessern und zu einem Zentrum für Innovationen zu wachsen. Innovation 2020 ist die Weiterentwicklung von KIP, mit einem Fokus auf Grundlagenforschung, aber auch Weiterentwicklung von Technologien.
Die CAS ist auch in der Ausbildung tätig, zum Beispiel in Forschungsinstituten, der University of Science & Technology of China in Hefei (USTC), die 1958 von der CAS gegründet wurde, und der Graduate University of the Chinese Academy of Sciences (GUCAS), die mit einer jährlichen Zugangsrate von circa 10.000 Masterstudenten und Promovenden die erste und vielleicht bedeutendste Graduiertenschule Chinas ist.

Die Chinese Academy of Social Sciences (CASS) ist 1977 aus der Chinese Academy of Sciences hervorgegangen und ist eine Ausgliederung deren Abteilungen für Philosophie und Geisteswissenschaft. Ihr unterstehen die Wissenschaftsbereiche Sozial- und Geisteswissenschaften. Die CASS unterhält über 80 Forschungsinstitute und –zentren. Ein starker Fokus in der Arbeit der CASS ist neben Forschung und Ausbildung ihre regierungsberatende Funktion, aufgrund derer sie sich inhaltlich eng an die politischen Richtlinien hält. Die CASS verfügt über zahlreiche internationale Partner.
Der CASS untersteht die 1978 gegründete Graduate School of the Chinese Academy of Social Sciences, die zweite Graduiertenschule Chinas nach der GUCAS. Allerdings ist sie im Vergleich zur GUCAS wesentlich kleiner, mit ca. 450 Plätze jährlich für Masterstudenten und Promovenden.

Die Chinese Academy of Engineering (CAE) ist ein Verband exzellenter Ingenieure, die in den Bereichen Ingenieurwesen, Landwirtschaft und Medizin regierungsberatende und repräsentative Funktionen innehaben. Die CAE entstand 1994 als Vereinigung und unterhält keine eigenen Forschungsinstitute und bildet auch keinen Forschungsnachwuchs aus, sondern hat lediglich regierungsberatende Funktion, koordiniert und fördert Forschung im Bereich der Ingenieurswissenschaften an Hochschulen und Unternehmen. Die CAE finanziert Projekte und Publikationen aus staatlichen Geldern, bietet aber auch Stipendienprogramme aus dem Privatvermögen seiner Mitglieder.

Die China Association for Science and Technology (CAST) ist der nationale Dachverband von ungefähr 200 wissenschaftlichen Fachvereinigungen. Die CAST bezeichnet sich selbst als regierungsunabhängig und sieht ihre Funktion als Bindeglied zwischen den Forschern und der Regierung/Kommunistischen Partei. Die CAST hat regierungsberatende Funktion und wird aus staatlichen Geldern und Spenden finanziert.
Außerdem fungiert sie als Bindeglied zwischen den Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit und hat sich die Popularisierung der Wissenschaften, die Weiterbildung von Forschern und eine engere Verknüpfung von Wirtschaft und Wissenschaft zum Ziel gesetzt. Dazu organisiert die CAST Veranstaltungen, unterhält Museen, unterstützt den internationalen akademischen Austausch und verleiht Preise an herausragende Forscher. Sie finanziert keine Forschung.

Weitere staatliche FuE-Einrichtungen

Verschiedene FuE-Einrichtungen sind direkt den Ministerien auf zentraler oder Provinzebene unterstellt. Dazu zählen unter anderem die State Key-Laboratories, die National Laboratories und Science and Technology Industrial Parks (STIP). Die regionalen Regierungsstellen steigern ihre FuE-Ausgaben beständig und kommen mittlerweile für 40-50% aller Regierungsausgaben in FuE auf.

Die State Key-Laboratories wurden seit den 80er Jahren zur Förderung der Grundlagenforschung eingerichtet, um die drängendsten Bedürfnisse im sozialen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bereich zu decken. Sie stellen eine Initiative zur Schwerpunktbildung auf strategische Wissenschaftsbereiche dar. Sie sind meistens an Hochschulen oder CAS-Instituten angesiedelt. Ähnlich verhält es sich mit den National Laboratories, die seit 2004 in ausgewählten wissenschaftlichen Bereichen eingerichtet wurden. Man muss sie als Forschungscluster verstehen, die aus eigenen Einrichtungen oder aus einer Vernetzung von Spitzeneinrichtungen einer Region bestehen und die Forschung in strategischen Bereichen bündeln sollen. Herausragende Forschungszentren können sich um den Titel „National Laboratory“ bewerben.

Die Science and Technology Industrial Parks wurden Ende der 80er Jahre vom MoST eingerichtet, um durch Clusterbildung eine engere Verbindung von technologischer Entwicklung und Produktion zu erreichen. Technologietransfer und Unternehmensgründungen im Hightech-Bereich sollten dadurch beschleunigt werden, ein weiterer Schwerpunkt lag auf Internationalisierung und Ausbildung von Nachwuchskräften. 2010 wurden 27 Science Parks der Provinzebene durch den Staatsrat in nationale STIP aufgewertet, die Gesamtzahl liegt nun bei 83. Deren Anteil am BIP lag 2010 bei 8%. Ein bekanntes Beispiel ist der Zhongguancun STIP in Beijing, der sich mittlerweile zum „Silicon Valley“ Chinas entwickelt hat.

FuE-Einrichtungen wie Key Laboratories und Hightech-Parks gibt es auch auf der Provinzebene, diese folgen den zentralen Richtlinien, werden aber von den lokalen Regierungen verwaltet und finanziert.

FuE in Unternehmen

Der Anteil von Unternehmen an den gesamten FuE-Ausgaben liegt mittlerweile bei ca. 70%. Diese Entwicklung lässt sich auf staatliche Anreize zurückführen, über die seit Mitte der 80er Jahre versucht wurde, eine Aufwertung der Industrie über die entscheidende Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft zu erreichen. Bei den staatlichen Anreizen sind Gelder aus staatlichen Förderprogrammen, der Aufbau von Infrastruktur (Science and Technology Industry Parks) und auch Steuererleichterungen oder Subventionen zentrale Maßnahmen.
Natürlich spielen auch die eigenen wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen eine große Rolle. Dabei sind einige wenige Unternehmen – besonders Unternehmen im Bereich IT oder Telekommunikation, die wie beispielsweise Huawei stark innovationsabhängig sind und eigene Forschungsstrukturen auch im Ausland aufbauen – sehr aktiv. Ein Großteil der chinesischen Unternehmen gibt jedoch im internationalen Vergleich nur einen geringen Prozentsatz ihrer Einnahmen für FuE aus. Außerdem sind in dem Ausgabenanteil von 70% auch forschungsintensive staatliche Unternehmen enthalten sowie aus ehemals staatlichen Forschungszentren hervorgegangene Unternehmensausgründungen, die sehr hohe Aufwendungen für FuE haben. Ein Beispiel dafür ist die Lenovo-Gruppe, die aus einem CAS-Institut hervorgegangen ist.

Die FuE-Infrastruktur im Land wurde in den letzten Jahren ständig verbessert und eine engere Vernetzung der einzelnen Institutionen gefördert. So wird beispielsweise im aktuellen Fünfjahresplan auf die strategischen Allianzen zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten gesetzt, aus denen Innovationszentren mit globalem Ruf hervorgehen sollen.
China ist jetzt schon für viele ausländische Unternehmen zu einem wichtigen Entwicklungsstandort geworden ist. Multinationale Unternehmen errichten immer mehr Forschungszentren in China. Dies hängt neben einer Verbesserung der lokalen FuE-Strukturen auch damit zusammen, dass der prozentuale Anteil von Personalkosten am FuE-Budget mit ca. 45% in Asien relativ gering ist (vgl. Europa ca. 70%).