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China ohne Chinesisch (Eine Reise von Shanghai nach Guilin, Kunming, Shilin, Dali, Lijiang, Chengdu, Xian, Beijing und zurück) Ein Bericht von Jeanine Fiebig.
Yunnan – ein lohnendes Ziel Ein Bericht von Jörg Zimmer.
China ohne Chinesisch, ein Reisebericht von Jeanine Fiebig |
China ohne Chinesisch
(Eine Reise von Shanghai nach Guilin, Kunming, Shilin, Dali, Lijiang, Chengdu, Xian, Beijing und zurück)
Dieser Reisebericht richtet sich an die Neuankömmlinge, die noch nicht so recht wissen, wie man dieses große Land und seine Einwohner, die man so gar nicht versteht, doch bewältigen kann. So ging es nämlich mir. Meine chinesischen Kollegen (alles, was ich in meinem abgelegenen Vorort hier habe) wollten mir einreden, dass ein Ausländer, alleine, dann auch noch weiblich und, zu allem Übel, ohne Chinesischkenntnisse nicht im Stande sei, sich in China zurecht zu finden. Nun, das sah ich als Herausforderung und sagte mir, jetzt erst recht. Erschwerend kam noch hinzu, dass der „Lonely Planet“ vor meiner Abreise gerade ausverkauft war und ich nun somit zusätzlich ohne Reiseführer war.
Bewaffnet mit ein paar Informationen aus dem Internet, einer groben Route und rund drei Wochen Zeit, fuhr ich in den Wintersemesterferien los. Diese Zeit lag noch außerhalb der offiziellen Ferien und somit war es kein Problem, spontan und preisgünstig Unterkünfte zu bekommen. Allerdings war es zu dieser Zeit sogar im Süden noch ziemlich kalt.
Alles was ich zum Start hatte, war ein Zugticket von Shanghai nach Guilin. Ich dachte mir, dass es ein schöner Auftakt der Reise sei, die Großstadt langsam in Richtung Land zu verlassen. Nun, wenn ihr dies aus dem gleichen Grund tun wollt, lasst es. Mit „ländlich“ gibt’s da gar nichts. Allerdings ist Zugfahren das Abenteuer wert. Ich hatte das oberste Bett in einem Hardsleeper-Abteil, in das man mit deutschen Körpermaßen nur hineinkommt, wenn man gelenkig ist. Aus dem Fenster gucken ist da natürlich auch nicht drin. Hat man jedoch eines der unteren Betten - das einzige in diesem dreistöckigen Abteil, in dem man aufrecht sitzen kann - so sollte man wissen, dass man es wahrscheinlich mit einigen fremden Hinterteilen teilen muss.
Da ich am Morgen meiner Abreise zum ersten Mal seit meiner Ankunft hier krank war, habe ich von den 26 Stunden Zugfahrt die meiste Zeit verschlafen. Meine Station habe ich auch nur durch Zufall nicht verpasst. Und so stand ich dann am Bahnhof von Guilin, in der Provinz Guangxi, wo ich auf ein Touristeninformationsbüro stieß. Dies sollte auch das einzige Mal auf meiner gesamten Reise sein, da dies passierte. Dort vermittelte man mir eine saubere Unterkunft, eine Bootsfahrt entlang des Li-Flusses für den nächsten Tag, sowie eine Bustour zu den nördlichen Reisterassen am Folgetag. - Das war viel zu einfach und ich war nicht zufrieden mit mir, dass ich mich vor lauter Müdigkeit ohne großes Handeln und Vergleichen darauf eingelassen hatte. Zum Ausgleich forderte ich dann meinen gerade kurierten Magen zu einem Essen von der Straße heraus. Die leckeren Reisnudeln, eine Spezialität dieser Gegend, wie man mir sagte, trafen glücklicherweise nicht auf Widerstand.
Guilin ist ein sehr bekanntes Reiseziel in China und meiner Meinung nach sehr zu empfehlen. Es ist berühmt durch seine sogenannte Karstlandschaft. Mit Karst ist nicht etwa die Stadt in Nordrhein-Westfalen gemeint, sondern eine durch Erosionsvorgänge entstandene Landschaftsform. Zu Deutsch, eine sehr hübsche Berglandschaft. Die kann man am besten auf einer Flussfahrt erkundigen. Ich bin also auf einem dieser Touristenboote von Guilin nach Yangshou gefahren. Allerdings begann die eigentliche Bootsfahrt auf Grund des niedrigen Wasserstands erst einige Kilometer südlich von der Stadt Guilin und endete ebenso bereits oberhalb von Yangshou, wodurch sie statt 4 nur ca. 2 Stunden dauerte. Trotzdem bekam sie das Urteil „Gut“. Ich konnte mich an den verschiedenen Bergformationen, die fast alle einen Namen passend zu ihrer Gestalt trugen, kaum satt sehen. Hätte ich noch einmal die Wahl, so würde ich allerdings eines der kleinen Fischerboote mieten, um den Fluss etwas entspannter entlang zu rudern.
Ebenso würde ich mich, statt in Guilin zu übernachten, im schnuckeligen Ort Yangshou einsiedeln, um die Natur noch einmal mit dem Fahrrad zu genießen. Leider blieb auf meiner gebuchten Tour nicht, wie versprochen, genug Zeit um dies zu tun. Nach einer halben Stunde Aufenthalt stopfte man mich mit zwei weiteren Touristen, die zurück nach Guilin mussten, in den Minibus und karrte uns zu einem künstlichen Museumspark mit Namen ShangriLa, in dem wir gegen Aufpreis einen Einblick in das Leben der Minderheitenvölker dieser Gegend erhalten sollten. Nicht gut. Typisch Deutsch habe ich mich anschließend im Büro beschwert und tatsächlich, sehr untypisch Chinesisch, mein Geld zurückbekommen.
Die Bustour ins nördlich gelegene Longji brachte mich zu den größten zusammenhängenden Reisterassen der Welt. Wenn auch im Winter das Grün eher braun erscheint und die Anbauflächen nicht voller Wasser stehen, so war es trotzdem ein sehr schöner Spaziergang durch die Berge.
Am Abend dann nahm ich den Zug (mit 25 % Aufschlag der Tourismuszentrale, die alle Tickets aufgekauft hatte) nach Kunming, die Hauptstadt der Provinz Yunnan, wo ich am nächsten Morgen ankam. Dort pilgerte ich dann etwas verloren durch die Stadt, auf der Suche nach etwas Schönem. Das war schwer zu finden, ebenso wenig wie Auskünfte auf Englisch. Als es dunkel wurde stand ich vor dem Yuantong-Tempel, dessen äußere Fassade mich nur schwer überzeugte eine Nacht zu bleiben, um ihn am nächsten Tag zu besichtigen. Doch ich blieb und nahm mir im gegenüberliegenden Hotel, in dem doch tatsächlich niemand Englisch sprach, für 150 Yuan ein Zimmer. Sowohl das Zimmer als auch der Tempel waren es zum Glück wert. Da ich noch nicht so tempelgesättigt war, wie wahrscheinlich erfahrene Asienreisende, und ich zudem gleich um 8 Uhr in den Tempel ging, war es ein Genuss, diese kleine und doch sehr viel größer als von Außen erscheinende Oase der Stille zu besichtigen. Sehr zu empfehlen.
Gleich darauf nahm ich den Zug (das Ticket hatte ich durch das Aufschreiben des Ortes und der Uhrzeit relativ leicht bekommen) nach Shilin, ein kleiner Ort, der durch seinen sogenannten „Stone Forest“ bekannt ist. Wie ich auf meiner Reise lernte, ist es in China üblich, bei jedem hübschen Fleckchen Natur, was sich eingrenzen lässt, Eintritt zu verlangen. So musste ich 140 Yuan bezahlen, da sich die Frau am Schalter nicht von meinem abgelaufenen Studentenausweis beeindrucken ließ. Aber dafür gab es strategisch angelegte Wanderwege durch eben diesen faszinierenden Steinwald, wo ich gut den halben Tag verbrachte.
Über Kunming fuhr ich mit dem Nachtbus weiter westlich nach Dali. Da ich im Bus eine Englisch sprechende Chinesin traf und sich bald darauf noch eine dritte Person dazugesellte, teilten wir uns, in Dalis hübscher Altstadt angekommen, ein Zimmer für 60 Yuan und ein Taxi für 100 Yuan für den ganzen Tag. Wir fuhren mit der Seilbahn auf den Cang Berg, hielten vor den drei Pagoden, machten eine Bootsfahrt über den Erhai See und einen langen Spaziergang auf der gegenüberliegenden Halbinsel. Dank meiner chinesischen Begleitung bekamen wir dort ein hausgemachtes Mittagessen bei einer Bai- Familie (eine der dortigen Völkergruppen) und wurden zum einheimischen Markt mitgenommen. Das war ein wirklich schöner, „untouristischer“ Ausflug.
Wenige Tage später ging's mit dem Bus weiter nördlich nach Lijiang, dessen von der UNESCO geschützte Altstadt und die natürliche Umgebung eine Reise wert sein sollten. Meine Erwartungen waren jedoch zu hoch und so wurde ich von den Menschenmassen und der Ballermann-Stimmung am Abend doch sehr enttäuscht. So nett und hilfreich die Chinesin, deren Weg von Dali in die gleiche Richtung ging, auch war, desto mehr fühlte ich das Babysitter-Verhalten, das ich von meinen Kollegen gewohnt war. Auch bei Verhandlungen und Konversationen auf Chinesisch wurde einem natürlich nur die stark gekürzte Zusammenfassung des Endergebnisses übersetzt. So trabte ich als stummes Mitglied unserer durch ein junges chinesisches Ehepaar gewachsenen Vierergruppe hinterher, als wir beschlossen auf den Yulong Xueshan (Jadedrachenschneeberg) zu steigen. Nicht gut. Zumindest nicht an einem diesigen Wintertag. Trotz warmer Kleidung froren mir gleich nach Ankunft mit der höchsten (und wahrscheinlich teuersten) Seilbahn Asiens (nicht zu vergessen, dass wir an jeder Ecke nochmals Eintritt zahlen mussten) sämtliche Körperteile ein und bei dünner Luft und Sicht von 2 m zwang sich meine Reisebegleitung, die letzten Meter bis zur Spitze zu steigen. Ich glaube, die Tatsache, dass ich, dort angekommen, nicht unbedingt ein Bild mit den Fingern zum Victory-Gruß und dem Schild mit der Höhenangabe von 4680m haben wollte, stieß auf Unverständnis. Dass es weder in den Restaurants noch im Hotel Heizung gab, erschwerte den anschließenden Tauprozess sehr.
Schöner war hingegen der Ausflug entlang der „Tiger Leaping Gorge“, einer der tiefsten Schluchten am Yangtze-Fluss. Nachdem ich mich bemühte, mich nicht daran zu stören, dass an jeder Ecke jemand stand, der für den nächsten Wegabschnitt des Auf- oder Abstiegs Eintritt kassierte, wurde es eine herrliche Wanderung. Zuerst kommt man an die schnellste Stelle des Flusslaufes, später wird die Schlucht tiefer und das Wasser langsamer. Der Ausstieg aus der Schlucht über die an der Felswand befestigten Leiter, sah recht abenteuerlich aus. Zum dritten Abschnitt dieser Sehenswürdigkeit sind wir aus zeitlichen Gründen leider nicht mehr gekommen.
Von hier reiste ich wieder ohne Chinesen weiter, ich wollte ja nicht Schummeln, sondern meinem Reisemotto treu bleiben. Nachdem mir ein paar maltesische Jugendliche, die ich in Guilin getroffen hatte, so sehr von den Pandabären vorgeschwärmt hatten, plante ich spontan einen Zwischenstopp in Chengdu, in der Provinz Sichuan, ein. Für rund 500 Yuan bekam ich in einem Reisebüro einen Flug von Lijiang nach Chengdu, auf dem man mich neben den einzigen Ausländer im Flugzeug platzierte. Da dieser eine Adresse einer guten Jugendherberge hatte, war meine nächste Unterkunft gesichert. Dort angekommen, war jedoch mein einziges Ziel die Panda-Aufzuchtstation im Norden der Stadt. Ein Linienbus fuhr glücklicherweise vom Zentrum direkt bis zu deren Toren. Auch wenn es etwas riskant klingt, den Schutz dieser aussterbenden Tierart einem Volk in die Hände zu geben, das Tiere eher als Essen oder Spielzeug betrachtet, so scheint dieses Reservoir jedoch zu funktionieren. Ich verbrachte den ganzen Tag dort und schaute zu, wie der Nachwuchs im Panda-Kindergarten herumtollte und wie dessen Mamas und Papas Bambusblätter verspeisten. Im Kino und Museum dieser Anlage bekam ich nähere Informationen zu diesen niedlichen Lebewesen.
Am nächsten Morgen flog ich weiter nach Xi’an, in der Provinz Shaanxi, wo ich von einem unserer deutschen Kollegen aufs Gastfreundlichste beherbergt wurde. Ach, tat das gut, mal wieder Deutsch zu sprechen, was Nicht-Chinesisches zu essen und seine Wertsachen gut aufgehoben zu wissen. So besichtigte ich ganz entspannt einige Sehenswürdigkeiten dieser Stadt und machte zum Beispiel einen Spaziergang entlang der Stadtmauer, dieser großen, aber nicht unangenehm verbauten oder überfüllten Stadt, ging durch verschiedene Stadtviertel, besichtigte die Wildganspagode und fuhr hinaus zur Terrakotta-Armee. Mein freundlicher Gastgeber lag mit seinem Rat, nicht zu viel von dieser Armee zu erwarten, völlig richtig. Die Darbietung dieser Sehenswürdigkeit ist wenig spektakulär und wird ihrem eigentlichen Wert nicht gerecht.
Meine letzte Station sollte Beijing sein, die Hauptstadt dieses ach-so-quadratkilometerreichen Landes. Ich fand eine Jugendherberge (Leo, 40 Yuan im Mehrbettzimmer), die nur wenige Gehminuten vom zentralen Tian’anmen Platz entfernt war. Hier exerzierte ich natürlich das übliche Touristenprogramm durch. Ich wandelte zum Beispiel einen Tag lang mit dem Audioguide durch die Verbotene Stadt, ein Ort, von dem man ebenfalls nicht zu viel Großes erwarten sollte. Ich hatte noch zudem das Pech, dass der Hauptpalast eingewickelt und nicht zugängig war, da sich die Stadt ja gerade für Olympia 2008 herausputzte. Im Himmelstempel-Park wurde ich nach Sonnenuntergang Zeuge einer merkwürdigen Freizeitbeschäftigung, bei der sich irgendwelche Leute von einem Ende des Parks zum anderen melodische Geräusche ihrer Stimme zuspielten. Hm, komisch. Der Besuch einer Vorstellung der Peking-Oper war recht interessant und bekam noch ein kleines Extra durch die Möglichkeit, den Darstellern bei Schminken zuzusehen. Den Sommerpalast im Winter zu besuchen hatte durch den großen zugefrorenen See einen Reiz. Von Beijing aus gibt es mehrere nahegelegene Orte, um Teile der Chinesischen Mauer zu begehen. Ein Minibus der Jugendherberge brachte mich und einige andere Reisende zur, wie sie es nannten, „Secret Wall“. Auf diesem Stück Mauer waren wir sicher davor, keinen weiteren Menschen zu treffen, und wanderten dieses steinerne Monument 4 Stunden entlang.
Nun konnte ich zufrieden in meinen kleinen langweiligen Shanghaier Vorort zurückfahren. Ich hatte es mir und meinen chinesischen Kollegen bewiesen. China ohne Chinesisch ist möglich! Die nächsten Ferien sind schon geplant…
Yunnan: Reisebericht von Jörg Zimmer, Shanghai |
Yunnan – ein lohnendes Ziel
Im Sommer 2005 sind wir durch Yunnan, die südwestlichste Provinz Chinas, 394.000 km2 groß mit 42,8 Mio. Einwohner, gereist. Geplant hatten wir diese Tour schon lange, denn Studenten von dort hatten uns immer wieder etwas von ihrer Heimat vorgeschwärmt: freundliche Menschen, abwechslungsreiche Natur, leckeres Essen. Aber immer kam etwas dazwischen: Kinder zu klein, Geld zu wenig, Zeit zu knapp... Doch dieses Mal sollte es klappen. Dabei wollten wir endlich wieder einmal so reisen, wie wir es früher auch immer gemacht haben: ohne genaue Planung, nur mit einigen Grobzielen im Kopf, Reiseroute und -dauer bestimmt von Wetter, Interessen und Geld. Insofern war dieser Urlaub eine Premiere für uns: Werden die Kinder diese Art des Reisens verkraften? Müssen zu viele Dinge wegfallen, weil es zu anstrengend ist? Werden wir uns etwas erholen können oder wird alles nur ein Krampf? Wir waren etwas unsicher, aber das Risiko wollten wir eingehen. Zu groß war es schließlich auch nicht – mit dem Flugzeug wären wir jederzeit schnell wieder in Shanghai gewesen.
Am 24. Juli ging es los. Wir sind direkt nach Lijiang geflogen, mit kurzem Zwischenstopp in Kunming, der Provinzhauptstadt. Lijiang ist eine zweigeteilte Stadt: Einerseits so modern und gesichtslos wie fast jede Stadt in China, andererseits besitzt sie einen vollständig erhaltenen Altstadtbereich, der zum unesco-Weltkulturerbe gehört und wunderschön ist. Dort kann man sich wunderbar treiben lassen, die alte Architektur bewundern, in tollen alten Häusern wohnen, traditionelle Handwerkskunst bewundern – und versuchen, irgendwie den Touristenmassen auszuweichen. Das ist nämlich der Nachteil dieser Stadt: Seit viele Chinesen relativ wohlhabend geworden sind, haben sie das Reisen entdeckt – am besten in geschlossenen Gruppen mit megaphon-bewaffneten Reiseleitern. Dadurch verliert die Stadt etwas von ihrem Charme. Aber da die meisten Gruppen von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit getrieben werden und ansonsten in den zahllosen Läden mit mehr oder (meist) weniger authentischen „traditionellen“ Dingen einkaufen gehen, bleiben etwas außerhalb des direkten Zentrums noch genug stille Gassen übrig, um die Stadt zu genießen.
Wir sind also hier angekommen, ohne zu wissen, ob und wo wir eine Unterkunft finden würden. Doch kein Problem: Der Taxifahrer, der uns an der Endhaltestelle des Flughafenbusses aufsammelte, hatte natürlich eine Schwester, die natürlich auch ein family-guesthouse besaß und natürlich auch platz hatte. Wir waren gespannt. Das haus war ein richtig traditionelles Vier-Seiten-Haus mit Innenhof. Toll! Wir bekamen ein großes Zimmer im Erdgeschoss – und zogen einen Tag später wieder aus. Denn family-style-guesthouse heißt auch: Das Familienleben spielt sich auf dem Hof des Hauses ab. Mit Freunden, Verwandten, Kindern und Hunden bis spät in die Nacht. Das Schlafen war dadurch schwierig... Wir hatten so etwas schon vermutet und sind am Abend etwas rumgezogen, um uns nach anderen Schlafmöglichkeiten umzusehen. Wir fanden eine bezaubernde Jugendherberge, die leiser, sauberer und auch noch billiger war; dort blieben wir dann vier Nächte.
Die ersten beiden Tage ließen wir uns durch die Altstadt treiben, guckten uns um, genossen die trotz der vielen Touristen entspannte Atmosphäre der Stadt. Was für ein Unterschied zu Shanghai! Wir fanden dann auch einen Fahrrad-Vermieter, der zwei Fahrräder mit Kindersitzen anbot – da haben wir sofort zugegriffen. Für Lijiang selbst braucht man keine Fahrräder, aber wir wollten auch die Umgebung erkunden. Am dritten Tag sind wir dann losgeradelt Richtung Baisha, einem kleinen Dorf nördlich Lijiangs. Dort in der Umgebung gibt es einige kleine buddhistische Klöster. Unterwegs hatten wir glück: Für kurze Zeit war es möglich, den schneebedeckten Gipfel des yulong xueshan (Jadedrachenschneeberg, 5500 Meter hoch) zu sehen. Unser große Tochter wollte daraufhin unbedingt auf den Berg, um einen Schneemann zu bauen. Aber dafür hatten wir eindeutig zu sommerliche Klamotten mit...
Baisha selbst hat einen alten Tempel mit wenigen erhaltenen Fresken, eine Hauptstrasse mit zahllosen Touristennepp-Läden und ansonsten nicht viel außer authentischer Naxi-Atmosphäre. (Die Naxi sind eine nationale Minderheit, die hauptsächlich in dieser Gegend um Lijiang lebt, mit eigener Sprache, Schrift und Religion.) Für uns die große Überraschung: Wir wollten in ein kleines Straßenrestaurant gehen, da stellte sich heraus, dass der Besitzer sein ganzes Haus in ein Naxi-Museum umgebaut hatte: tolle Atmosphäre und leckeres essen – schön! Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher nach Shuhe, kehrten aber gleich wieder um: der „authentische“ traditionelle Ort entpuppte sich als reine Kunst-Kulisse für Reisegruppen. Furchtbar!
In den nächsten Tagen entdeckten wir in Lijiang verschiedene interessante Dinge: eine Kupferschmiede, eine traditionelle Papierfabrik, eine Naxi-Schule, in der Kinder ihre eigene traditionelle Sprache lernen können, da sie ansonsten nur noch Chinesisch lernen, und den „Dongba-Palace“ (Dongba heißt die Religion der Naxi.). Dort gab es eine Ausstellung mit alten Fotos, und am Abend gingen wir nochmals in diesen Palast, um uns eine Aufführung mit Naxi-Musik und –Tänzen anzusehen. das war beeindruckend und wir haben uns auch gleich noch CD und DVD davon gekauft.
Am nächsten Tag (29. Juli) wollten wir dann noch weiter in den norden nach Zhongdian fahren. Dieser Ort liegt im tibetischen Kulturkreis, 3200 Meter hoch. Also sind wir früh zum Busbahnhof, doch ehe wir überhaupt am Kartenschalter waren, wurden wir schon abgefangen: Alles wäre ausverkauft, der nächste Bus mit freien Plätzen würde erst um 11 Uhr fahren und ob wir nicht vielleicht lieber mit einem Auto würden fahren wollen. Hm, was nun? Doch dann sagte der Fahrer, dass es insgesamt nur 100,- ¥ für die 198 km lange Strecke kosten solle. Wir waren immer noch skeptisch, doch es stellte sich heraus, dass der Fahrer ein reguläres Taxi hatte und aus Zhongdian stammte und eine Rückfahrt brauchte. Also alles klar. Wir fuhren recht flott los und schon bald wurde es unserer kleinen Tochter leierig – die Gebirgspässe waren nicht einfach für sie. Zum Glück hatten wir damit gerechnet und aus dem Flugzeug haufenweise Spucktüten mitgenommen. (Unsere Kinder haben sie fast alle gebraucht!) Nach ca. einem Drittel der Strecke kamen uns viele Leute entgegengelaufen: Die Straße sei zu, Erdrutsch! Auch das noch... Zum Glück kannte unser Fahrer eine andere, atemberaubende Strecke, von der aus wir die verschüttete Straße sogar sehen konnten. Leider konnten wir die Fahrt durch die wunderschöne, abwechslungsreiche Hochgebirgslandschaft nicht richtig genießen: Es war eine furchtbare Holperpiste und da hatten wir alle Hände voll zu tun, immer die entsprechenden Tüten unter die Münder unserer Kinder zu platzieren! Doch nach knapp vier Stunden waren wir in Zhongdian – zwei Stunden schneller, als es der Bus gewesen wäre. Und ob da unsere Kinder entspannter gewesen wären – wer weiß?
Auch Zhongdian (wird als „Shangri-La“ nach dem tibetischen Paradies im Roman „lost horizon“ von James Hilton vermarktet) ist wie Lijiang eine zweigeteilte Stadt: Neustadt und Altstadt liegen nebeneinander, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Dabei ist allerdings auch im neuen Stadtteil der Einfluss der tibetischen Architektur im Straßenbild zu erkennen. Der vergleichsweise kleine alte Teil der Stadt glich einer großen Baustelle. Offensichtlich ist geplant, in Zukunft auch ein touristisches Zentrum wie in Lijiang aus dem Ort zu machen: Überall wurde gebaut, an- und umgebaut, wurden Häuser vergrößert. Allerdings im traditionellen Stil. Häuser wurden aus Holz errichtet und nicht wie andernorts aus Fertigbeton. Wir waren jedenfalls froh, dass wir den Ort erleben konnten, bevor auch hier eine Reisegruppe nach der anderen durchgeschleust wird; die ersten wenigen gab es bereits.
Wir kamen im Regen an, niemand machte Werbung für guesthouses... was tun? die Kinder waren fix und fertig und auch wir brauchten eine Pause. Also gingen wir in das erstbeste kleine Hotel, das wir am Weg fanden (großer Name: „Potala Lodge“, aber eng und irgendwie verbaut), nahmen uns ein kleines Doppelzimmer und aßen erst mal Mittag. Anschließend, es hatte aufgehört zu regnen, gingen wir ein wenig in den Straßen der Altstadt spazieren und entdeckten ein einfaches, aber traumhaftes guesthouse: „Hazel Hostel“. Die Besitzerin, Hazel, kam uns gleich entgegen: Ein großes Zimmer mit zwei riesigen betten sei frei und koste nur 40 ¥! Da haben wir uns über unsere übereilte Entscheidung für die „Potala Lodge“ schon etwas geärgert, aber nach kurzem Nachdenken sind wir umgezogen: Bei Hazel hatten wir viel Platz, überdachte Bänke und Tische vor dem Haus, Restaurants in den Nachbarhäusern, und vor allem: keine Baustellen in der direkten Nachbarschaft! Wir haben diese Entscheidung nicht bereut, auch wenn wir die eine Nacht im “Potala“ umsonst bezahlt haben...
Die Altstadt ist klein, man ist in einer Stunde durchgewandelt und hat tolle Häuser gesehen. Also sind wir am nächsten Tag ein wenig in die Umgebung gegangen: Gleich hinter dem Ort liegt auf einem Berg Baijisi – der Tempel des weißen Huhns (!). Nicht groß, nicht schön, aber von tausenden Gebetsfahnen umgeben und mit einer guten sicht auf die umliegenden Berge, die Stadt und die mitten im Ort auf einem kleinen Hügel stehende, mehrere Meter hohe Gebetsmühle. Wir haben später versucht, sie zu drehen – fast unmöglich! Am Ende haben wir es doch geschafft – kann ja nicht schaden. Dann gab es noch einen kleinen Tempel mit einem tausendarmigen Buddha, der wunderschön ist, und einer Ausstellung über den heldenhaften Kampf der Mao-Armee! Wie das? Ganz einfach: Der berühmte „lange Marsch“ führte hier in der Nähe vorbei.
Der Abend brachte dann eine tolle Überraschung: Auf dem Marktplatz der Altstadt gab es laute Musik, leicht angepopte tibetische Volksmusik. Und je dunkler es wurde (und es wurde seeeehr dunkel, weil gerade die Stromleitungen neu verlegt wurden und somit die Altstadt während der gesamten Dauer unseres Aufenthalts keinen Strom hatte!), desto mehr Menschen trafen ein: alte Frauen in traditioneller Kleidung, Mädchen und Jungen, Jugendliche, Männer in Arbeitskleidung oder in besten Ausgehanzügen, dazwischen ein paar chinesische und ausländische Touristen – und alle tanzten zusammen im Kreis nach traditionellen Schritten zu dieser Musik! Ein faszinierender Anblick!
Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus zum Songzanlin-Kloster – ein großer Komplex verschiedener Tempelgebäude, Mönchswohnungen und Wirtschaftsgebäude. Nachdem wir die Treppe zum Haupttempel geschafft hatten, gingen wir gleich hinein. Doch bevor wir in die große Haupthalle kamen, fiel uns ein Schild auf: zur Bibliothek. Also sind wir den Stufen gefolgt, haben die mickrige Bibliothek fast übersehen und standen plötzlich in Augenhöhe einer riesigen Buddha-Statue gegenüber! Beeindruckend! Anschließend konnten wir sogar auf das Dach des Tempels klettern und den grandiosen Ausblick völlig touristenfrei genießen. Allein schon das hätte den Ausflug gelohnt, doch es gab ja noch viele andere Gebäude zu besichtigen. Man konnte sich wunderbar treiben lassen... ein herrlicher Tag bei schönem, sonnigen Wetter. Abends sahen wir dann mit den Kindern wieder dem Massentanz auf dem Marktplatz zu und ließen uns von der Atmosphäre gefangen nehmen.
Unseren letzten Vormittag in Zhongdian verbrachten wir in der Neustadt – wir hatten gemerkt, dass die Atmosphäre hier sehr locker und entspannt ist, und so wollten wir ein wenig durch die Geschäfte strollen. Es war ein interessanter Trip – erstaunlich, was auf den Märkten alles angeboten wurde. Außerdem haben wir einige CDs mit tibetischer Musik gekauft; sie gefällt uns sehr. Den Nachmittag vertrödelten wir auf der Terrasse „unseres“ Restaurants. Die Kinder spielten wie jeden Nachmittag mit Mimi, der kleinen Hauskatze, wir unterhielten uns mit Hazel. Am Schluss zeigte sie uns ihre Wohnung über dem Restaurant, eingerichtet mit alten tibetischen Möbeln. Neid!
Um 19 Uhr fuhr dann unser Schlafbus in Richtung Dali (1. August). Wir hatten Bammel vor der Fahrt. schließlich sollte es acht Stunden lang über Gebirgspässe gehen, von 3200 auf 1900 Meter hinunter, und die Hinfahrt war für die Kinder nicht gerade eine Erholung gewesen. Doch es ging problemlos. Aufgrund der späten Abfahrtszeit waren beide ausreichend müde, so dass sie fast sofort ein- und – noch besser – fast komplett durchschliefen. Früh um drei kamen wir in Xiaguan, dem modernen Verkehrsknoten nahe Dalis, an. Glücklicherweise durften alle Reisenden im Bus liegen bleiben und weiterschlafen; gegen 7 Uhr nahmen wir uns ein Taxi nach Dali-Altstadt.
Dali war auf den ersten blick ein Schock: Riesige (und volle) guesthouses mit Bus-Parkplätzen, eine westliche Kneipe neben der anderen, jede menge westliche Touristen, relativ unfreundliche Menschen... Dieses Bild hat sich zwar später relativiert, aber der Kontrast zu Zhongdian hätte größer nicht sein können. Aber es musste ja so sein: Selbst in unserem alten lonely-planet-Reiseführer wird der ort bereits als „a perfect place to tune out“ beschrieben – logisch, dass es hier von Backpackern wimmelt. Zudem die Landschaft mit Erhai-See auf der einen und Cangshan-Berg auf der anderen Seite des Ortes viel Abwechslung bietet. Dali hat eine relativ gut erhaltene Altstadt, die allerdings nicht ganz so rein erhalten ist wie in Lijiang oder Zhongdian; trotzdem ist der Ort natürlich nicht mit den gesichtslosen chinesischen Durchschnittsstädten zu vergleichen.
Nach unserer Ankunft hatten wir einige Mühe, eine preiswerte Unterkunft zu finden. Doch nach einer Weile klappte es, wir bekamen ein Vierer-Zimmer im „Old Dali Inn“, eine Art große, leicht abgewirtschaftete Jugendherberge. Aber es war ok. Den Tag verbrachten wir mit Bummeln durch die Stadt und Käse-Essen. Es gibt hier nämlich eine lokale Art Ziegenkäse, die in flachen Scheiben auf Essstäbchen gespießt, über Feuer erwärmt und mit Chili oder Zucker (!) angeboten wird. Seeeehr lecker (ohne Zucker)! Außerdem haben wir am selben Abend ein kleines Straßen-Restaurant entdeckt, das „Bamboo Café“, in das wir in den nächsten Tagen regelmäßig gingen: Man konnte – eine der wenigen Möglichkeiten – in der Fußgängerzone des Ortes draußen sitzen, das Essen war hervorragend und preiswert, und außerdem freundeten sich unsere Kinder mit der Besitzerin an und spielten mit ihr (bzw. sie mit ihnen), so dass wir dort in Ruhe entspannen konnten.
Am nächsten Tag wollten wir auf den Cangshan-Berg. Mit einem Sessellift ging es hoch (und später auch wieder runter), unterwegs sahen wir Terrassen-Felder, Friedhöfe und beeindruckend schnell wechselnde Wolken. Schön. Oben angekommen, folgten wir dem ausgeschilderten Weg und kamen von einem schönen Panorama zum nächsten. Aber am beeindruckendsten waren die Wolken: Eben noch konnte man einen anderen Berggipfel sehen, plötzlich war er verschwunden, um kurze Zeit später wieder aufzutauchen. Eben noch zog man im Sonnenschein den Pullover aus, plötzlich suchte man verzweifelt im Schatten nach seiner Jacke. Das war für uns ein absolut neues, faszinierendes Erlebnis.
Am Nachmittag gab’s weitere neue Dinge zu bestaunen: Ein Mann verkaufte auf der Straße etwas, das wie durchsichtige orange Plastik aussah, mit Hammer und Messer teilte er den Brocken in kleine Stücke: Naturhonig! Wir haben etwas davon gekauft; fest wie Bonbons, lecker wie Honig! Außerdem wurden wir immerzu von alten Frauen angequatscht, die eine besondere lokale Spezialität anboten – das müsse man unbedingt kaufen, es sei sehr gesund für Kinder. Na ja, wie ließen uns breitschlagen und kaufte etwas von den mehligen kleinen Teigkugeln. Es schmeckte ganz gut, aber nach dem ersten Biss sahen unsere Kinder aus wie von oben bis unten bestäubt, Teigfäden hingen ihnen aus den Mündern. Großes Gejohle bei den Verkäuferinnen!
Ein neuer Tag, ein neues ziel: Xizhou, ein kleines Dorf nördlich von Dali, das sehr authentische Bai (so heißt die nationale Minderheit hier) -Architektur besitzen soll. Hin ging es mit dem öffentlichen Bus und mit Pferdekutschen. Das ist hier ein absolut übliches transportmittel und nicht – wie wir dachten – eine reine Touristenfalle. In Xizhou angekommen, gingen wir zuerst in ein Museum, das neben traditionellen Handwerksprodukten auch etwas von der Kultur zeigte: Tänze, Lieder, Trachten und dazwischen Tee-Spezialitäten zum Probieren. Der Ort selbst war nett, aber nichts besonderes. Schön war es, durch Reisfelder zu spazieren.
An unserem letzten Tag in Dali wollten wir zu einer Pagode fahren, die wir vom Sessellift aus entdeckt hatten. Auf vielfachen Wunsch der Kinder mieteten wir wieder eine Pferdekutsche und ließen uns dahin fahren. Aber große Enttäuschung: Das ganze Gelände war wegen Renovierungsarbeiten geschlossen! Was nun? Unser Kutscher schlug vor, zum Tianlong-Filmpark zu fahren. Auch gut. Dieser Park ist eine Ansammlung nachempfundener typischer Häuser, ob hier wirklich Filme gedreht wurden oder werden, haben wir nicht herausbekommen. Aber es wurden interessante Shows geboten: Akrobatik, Stelzentänze, Hochzeitsfeiern und Kungfu-Kämpfe. Während wir warteten, wurden wir ständig von anderen Touristen, aber auch von den Darstellern der einzelnen Szenen umringt. Offensichtlich kommen hierher nicht viele ausländische Touristen mit Kindern. Wenn uns diese „Belagerung“ vor einigen Jahren passiert wäre, hätten wir wahrscheinlich Panik gekriegt; jetzt scheinen wir uns schon stark angepasst zu haben... Anschließend durften die Kinder noch mal kurz auf einem Yak sitzen, und dann war auch diese Uhrlaubsstation „abgehakt“; am Abend fuhren wir per Zug mit dem Schlafwagen nach Kunming.
Kunming, Hauptstadt Yunnans, 1890 Meter hoch, ca. 4 Mio. Einwohner, Dauerregen, Hochhäuser, breite Straßen. Was hatten wir erwartet? Wir wissen es nicht genau, aber wahrscheinlich eine große Stadt mit einem ähnlichen Flair wie in Dali... DAS jedenfalls war es nicht. Als nach zwei Tagen der Regen aufhörte, bestätigte sich, dass Kunming wirklich keine schöne Stadt ist, aber dennoch eine ruhige, entspannte Atmosphäre verbreitet. Dazu tragen sicherlich die großen Fußgängerzonen im Stadtzentrum bei. Die Architektur ist wie fast überall in China: Altes weg – Neues hin. Zusätzlich wird versucht, alte Gebäude neu zu bauen! Das soll sicherlich gut aussehen, wirkt aber irgendwie ein bissel wie Disneyland.
Wir kamen jedenfalls am 6. August früh um halb sieben an und fuhren gleich zu unserem Hotel. Hier hatten wir nämlich ausnahmsweise eins vorgebucht: Der Vater der Freundin eines chinesischen Freundes ist Chef-Manager dort, und so konnten wir preiswert eine Super-Luxus-Suite in absolut verkehrsgünstiger Zentrumslage bekommen. Die Aussicht war nicht so doll, aber was soll’s? Gleich riefen auch die Eltern unseres Freundes an, um uns Kunming zu zeigen. Also trafen wir uns und sie luden uns zum Mittagessen ein. Es gab eine besondere Spezialität Kunmings: Über-die-Brücke-Nudeln. Das sind Reisnudeln, die zusammen mit verschiedenen Zutaten (Fleisch, Fisch, Ei, Gemüse) ungekocht in eine Schüssel mit sehr heißer Brühe getan werden und in der Schüssel sehr schnell gar werden – allein durch die Hitze der Brühe und des Öls. Sehr lecker.
Anschließend wollten uns die Eltern durch die Stadt führen, aber da es immer noch dauerregnete, beschlossen wir, in den Zoo zu gehen. Der ist zwar in Wirklichkeit nicht unbedingt einen Ausflug wert, aber einerseits waren wir sowieso in der Nähe, andererseits war das für die Kinder viel interessanter als ein weiterer park oder weitere Häuser.
Am nächsten Tag gingen wir auf den Vogelmarkt – auch hier hatten die Kinder viel Spaß – und trödelten ein wenig durch Fußgängerzonen, besichtigten ein paar kleine Pagoden. Insgesamt machten wir nicht mehr viel.
Dann – endlich ein Tag ohne Regen – fuhren wir mit dem Taxi zum Dianchi-See im Süden Kunmings. Dort in der Nähe gibt es viele Sehenswürdigkeiten, so dass es ein interessanter Tag werden sollte. Doch der See selbst war eine Enttäuschung: Das Wasser war grasgrün, wie Farbe! Das sah alles andere als gesund aus, trotzdem gab es viele Angler, die haufenweise kleine Fische fingen (und vermutlich zu Hause in die Pfanne hauten). Wir fuhren mit der Seilbahn auf die Westseite des Sees und von dort mit einem Sessellift nach oben, auf den Xishan (Westberg). Die Kinder bekamen Bambus-Stöcke, und dann ging es über viele Stufen treppauf nach Longmen, dem Drachentor. Hier haben im 18. Jahrhundert Mönche verschiedene Grotten, Buddha-Statuen, Tempel und Wege in den Fels geschlagen. Sehr beeindruckend – und hoch über dem See in einer senkrechten Felsenwand. Allerdings wurde der Genuss etwas durch die zahlreichen Touristen getrübt, so dass es teilweise unmöglich war, vernünftig zu fotografieren: Ständig hampelten irgendwelche Leute ins Bild!
Der letzte richtige Urlaubstag war zugleich der schönste in Kunming: Wir gingen von unserem Hotel aus zum Yuantong-Tempel. Dieser selbst ist wunderschön, mit kleinen Teichen (darin neben den üblichen Goldfischen massenweise Schildkröten), verschiedenen Haupt- und Nebengebäuden in verschiedenen Stilen und einem großen Buddha aus Thailand (soll ein Geschenk des Königs gewesen sein). Das faszinierendste aber waren die vielen Leute, meist ältere Frauen, die sich dort aufhielten. Nach und nach zogen sie lange schwarze Überhänge an, dann begannen die Gebete und Gesänge der Mönche, und alle machten mit. So eine Massenbegeisterung in einem Tempel haben wir noch nie erlebt.
Später gingen wir entlang des Cuihu-Sees durch den schönen Park zurück ins Hotel. Rucksäcke schnappen – Taxi zum Bahnhof – auf Wiedersehen Yunnan! Pünktlich um 21.51 Uhr fuhr unser Zug am 9. August nach Shanghai ab.
Die Zugfahrt dauerte 46,5 stunden. Wir lümmelten auf unseren betten herum, sahen aus dem Fenster, lasen und spielten mit den Kindern – insgesamt trotz der Länge eine entspannte Zugfahrt. Am 11. August kamen wir pünktlich um 19.30 Uhr in Shanghai an.
War es eine schöne Reise? Ja, auf jeden Fall. Auch den Kindern hat das Reisen, Herumwandern und Entdecken auch Spaß gemacht. Wir hätten einige Tage länger in Zhongdian bleiben und die einzigartige Atmosphäre dort genießen sollen, aber auch die Orte, von denen wir anfangs nicht so begeistert waren, hatten ihre schönen Seiten, die wir nach und nach entdeckten. Wir haben – wieder einmal – festgestellt, dass China ein riesiges, vielseitiges und schönes Land ist, dass es DAS China nicht gibt.
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