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Erfahrungsberichte
Über China kann
man viel erfahren: Reisebücher, Sonderbeilagen in Zeitungen
und Zeitschriften sowie Berichte im Fernsehen haben in Deutschland
Hochkonjunktur. Doch welche konkreten Probleme entstehen, welche
Lösungen bieten sich direkt vor Ort? Hier können Sie lesen,
welche Erfahrungen deutsche Lektoren in ihrem täglichen Leben
in verschiedenen Orten Chinas oder auf Reisen durch das Land machen.
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schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen! Mit E-Mails an die Redaktion
dieser Seite!
Lesen Sie hier:
Meine Prüfung für den chinesischen Führerschein. Von Katharina Meuß.
Mit
Kindern in China. Ein Bericht von Jana und Jörg Zimmer
Harbin
ohne Wasser. Kleines Desaster-Tagebuch aus der chinesischen Provinz
von Sebastian Bubner
Wohnungssuche
in Shanghai. Ein Bericht von Hans Baum
Meine Prüfung für den chinesischen Führerschein
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Meine Prüfung für den chinesischen Führerschein
Das waren noch glückliche Zeiten, bevor der Computer die Führerscheinprüfung in Tianjin revolutionierte. Seit knapp einem halben Jahr legt man den Führerscheintest auch in Tianjin elektronisch ab. Bedeutet das den Beginn eines neuen Führerscheinzeitalters?
Da wir in Tianjin leben, brauchen wir den chinesischen Führerschein, um mit einem Auto in China herumzureisen. Ich bekam die Auskunft, dass ich in Peking oder Schanghai ohne weiteres mit meinem internationalen Führerschein ein Auto mieten und fahren könne. In Tianjin, der viertgrößten Stadt Chinas (11 Mio. Einw.), die auch als Stadt mit geringer Korruption gilt, gelten andere Gesetze. Der Führerschein sei jedoch kein Problem, wurde mir versichert, eine reine Formsache. Meine chinesischen Freunde erklärten das Prozedere: Zuerst kommt die Gesundheits-untersuchung, dann die Anmeldung zur Prüfung, Ausfüllen von diversen Formularen, der Pass und der deutsche Führerschein müssen ins Chinesische übersetzt werden. Die Prüfung umfasst eine theoretische Prüfung und ein Fahren im Übungshof. Dabei zeigt man, dass man das Anfahren und die Gänge beherrscht. Dieser praktische Teil entfällt für mich, da ich bereits einen deutschen Führerschein besitze. Während der theoretischen Prüfung ist ein Übersetzer anwesend, der möglichst alle Fragen beantworten können sollte – dachte ich. Nein, nein, das sei nicht so wichtig, meinte Zhang Ying, die mit einem Deutschen verheiratet ist und im vergangenen August als Übersetzerin ihrem Mann half, den Führerschein zu erwerben. Wenn sie eine Frage falsch beantwortet hatte oder sie nicht wusste, schaute sie einen der Polizisten Hilfe suchend an und der korrigierte dann oder deutete mit dem Finger auf die richtige Lösung. Die Englischlehrerin Liu Hong erzählt es ähnlich. Als sie in den Prüfungsraum kam, sagte ihr einer der Polizisten, wenn sie eine Lösung nicht wisse, würde er ihr schon helfen. Einmal auf die Schulter tippen bedeutet Lösung A, zweimal tippen ist B und dreimal tippen ist C. Die Abteilungsleiterin Zhao Wen in meinem School Office hat ihren Führerschein vor einem Jahr erhalten. Sie sagte, dass man nur 60% der Fragen richtig haben müsse, dass überhaupt eigentlich niemand durchfalle und schon gar kein Ausländer. Das sei absolut sicher, keinerlei Zweifel. Einigermaßen beruhigt meldeten wir uns zur Prüfung an. Wie wir später erfuhren, hatte Frau Zhao sich jedoch nie auf die Prüfung vorbereitet, sie hatte auch niemals einen Fragebogen oder auch nur eine einzige Prüfungsfrage zu Gesicht bekommen. Sie hat den Führerschein eben „erhalten“ wie viele andere auch.
Die Gesundheitsuntersuchung besteht aus elf Stationen, die wir in rasantem Tempo durchliefen. Die uns als Dolmetscherin begleitende Lehrerin kannte die leitende Ärztin, diese lief vor uns im Eilschritt in jede der Abteilungen, diktierte laut unsere Registrierungsnummern auf das jeweilige Blatt und wies die Stationen unmissverständlich an, ein positives Ergebnis anzugeben – ohne irgendeine Untersuchung. Das ersparte uns wahrscheinlich einen ganzen Tag Warterei auf den verschiedenen Stationen, denn vor jedem Untersuchungsraum bildeten sich lange Schlangen von Wartenden.
Beim Ausfüllen des Führerscheinantrags tauchte die Frage auf, für welche Autokategorie wir den Führerschein beantragen wollten. Es kamen B1 und C1 in Frage. Wir wollten B1, da wir vorhatten, einen Jinbei zu kaufen, der ungefähr unserem VW-Bus entspricht. Da erfuhren wir, dass wir diesen Führerschein gar nicht mehr machen können, da wir älter als 50 Jahre sind. Der Jinbei hat neun Sitze und der Führerschein dazu kann nur im jugendlichen Alter bis 50 erworben werden. Überhaupt durfte man bis vor ein paar Jahren in China nur bis 60 Jahre Auto fahren, heute gehört man, was das Autofahren betrifft, erst mit 65 zum alten Eisen. Dann heißt es aber für alle Chinesen: Bitte den Führerschein abgeben! Wenn ich da an all die fröhlich Auto fahrenden Rentner in Deutschland denke…
Gleichzeitig mit der Anmeldung bekamen wir auch das Vorbereitungsbuch ausgehändigt. Das gibt es in einer englischen, deutschen, französischen, russischen und koreanischen Übersetzung, wir nahmen zwei deutsche und in weiser Voraussicht auch eine englische Version. Es enthält knapp 800 Fragen zu rechtlichen und verwaltungs-technischen Inhalten, zu Verkehrszeichen und Verkehrsregeln, darunter auch etliche neue für uns, zur Verteilung der Strafpunkte, zu Erste-Hilfe-Maßnahmen und zum Sozialverhalten im Straßenverkehr. Angesichts dieser Menge bekam ich es doch mit der Angst zu tun und büffelte all die Paragrafen und Fragen intensiv durch. Drei Probleme erschwerten die Prüfungsvorbereitung. Viele Fragen waren schlichtweg unverständlich, konnten aber häufig mit der deutlich besseren englischen Übersetzung gelöst werden. Bei anderen Fragen war einfach eine falsche Lösung angegeben, z.B. waren A und B verwechselt. Dann gab es noch viele widersprüchliche Angaben. Die Schwierig-keiten lagen nicht immer an der deutschen Übersetzung. Oft konnten uns auch Chinesen nicht weiterhelfen und meinten: Ja, diese Frage wäre falsch beantwortet. Oder: Von jener Frage würden sie selbst auch nicht den Sinn verstehen. Bei vielen Fragen versuchte ich dann eben die falsche Lösung mitzulernen.
Am Tag der Prüfung wurden allen Prüflingen (es waren jeweils 25 gleichzeitig) zuerst zwei Videofilme gezeigt. Diese schilderten sehr drastisch einen LKW-Unfall mit seinen Folgen. Zwei Mädchen überlebten schwer verletzt, jedem von ihnen musste ein Bein amputiert werden. Bei der anderen Familie wurden die Eltern getötet, die zwei kleinen Kinder wurden unter traurigen Bedingungen von den Großeltern aufgezogen. Psychologisch derart aufgerüstet, führte man uns in den Prüfungsraum. Jeder Prüfling setzte sich vor einen Computer, mein Mann wurde jedoch absichtlich weit von mir entfernt platziert. Jeder Computer wählte nun aus dem Fragenkatalog mit mehr als 800 Fragen per Zufalls-prinzip für jeden Prüfling 100 Fragen aus, die er innerhalb von 45 Minuten beantworten musste. Anschließend beendete sich das Programm und teilte einem das Ergebnis mit. Es waren auch etliche Fragen dabei, die nicht im Vorbereitungsheft enthalten waren. Nur mit 90 und mehr richtigen Antworten hatte man die Prüfung bestanden. Einen Computer täuscht man nicht, überlistet man nicht, besticht man nicht. Man kann ihn so freundlich anlächeln wie man will, er hilft einem nicht und tippt einem auch nicht auf die Schulter. Bei der Zufallsauswahl waren auch viele rechtliche und verwaltungstechnische Fragen dabei. Gerade diese Bereiche hatten mich nicht sonderlich interessiert, ich hatte mich mehr auf neue Verkehrszeichen und neue Verkehrsregeln konzentriert. Während der Prüfung herrschte absolutes Schweigen, unterbrochen nur von schweren Seufzern, tiefem Luftholen, Schnaufen, leichtem und gegen Ende immer lauterem Stöhnen. Wenigstens wusste ich eines: Wenn ich durchfiele, hätte ich genügend Entschuldigungen. Solch verflixtes Zeug zu lernen – wenn ich das vorher gewusst hätte! Dann aber verhalf mir meine pflichtbewusste Vorbereitung doch zu immerhin 93 Punkten, mein weniger fleißiger Mann erreichte aber mit seinem exquisiten Gedächtnis 96 Punkte.
Als ich Frau Zhao von unseren so ganz anderen Prüfungserfahrungen berichtete, schaute sie mich verständnislos an, lächelte ungläubig und meinte, dass ganz sicher nach einer nicht bestandenen Prüfung die Aufsichtspersonen das Ergebnis in „bestanden“ korrigieren würden. Als wir ihr berichteten, dass offenkundig zwei der Prüflinge nicht bestanden hätten und beim Abholtermin am nächsten Tag ihren Führerschein nicht bekommen hätten, glaubte sie uns nicht. Das lag außerhalb ihres Vorstellungsvermögens.
Die folgende Auswahl der Fragen ist buchstaben- und zeichengetreu so abgeschrieben wie sie im amtlichen chinesischen Fragenkatalog mit der deutschen Übersetzung stehen. Die Lösungen laut chinesischem Fragekatalog sind hier angefügt. Wie bereits erwähnt sind sie teilweise fehlerhaft, aber das sind sie im Computer bei der Prüfung dann eben auch.
Katja Meuß, 31. März 2006
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Mit
Kindern in China: Kein Problem |
Mit
Kindern in China: Kein Problem
Ein
Bericht von Jana und Jörg Zimmer
Leben
mit Kindern
Wir
leben seit einigen Jahren mit zwei Kindern (z. Z. zwei und fünf
Jahre) in Shanghai. Die folgenden Informationen beziehen sich also
auf Shanghai, können aber z.T. verallgemeinert werden.
Alltag
Chinesen
lieben Kinder. Noch mehr lieben Chinesen ausländische Kinder. Also
ist man – besonders mit kleinen – Kindern nie allein. Immer wird
man im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, immer wird man in
Gespräche verwickelt, immer werden die Kinder angefasst werden.
Je kleiner und abgelegener der Ort ist, desto stärker werden diese
Verhaltensweisen auftreten.
Man
gewöhnt sich im Laufe der Zeit daran. Außerdem hat man als Ausländer
immer die Möglichkeit, sich taub zu stellen. Oft lässt das Interesse
dann nach einiger Zeit nach.
Andererseits
gibt es auch Vorteile: Man bekommt Sitzplätze in überfüllten Bussen,
man wird manchmal auf Bahn- oder Flughäfen vorgelassen, man kommt
leichter in Kontakt zu Chinesen.
Schwangerschaftsbetreuung/Entbindung/medizinische
Versorgung
In
einer Stadt wie Shanghai sind Schwangerschaft und Entbindung problemlos
möglich. Es gibt zahlreiche internationale Kliniken, in denen chinesische
und westliche Ärzte zusammen arbeiten und der hygienische Standard
westlichen Maßstäben entspricht. Hier erfolgen Schwangerschaftsvor-
und –nachuntersuchungen. Das Kind wird geimpft – ähnlich, wie man
es auch aus Deutschland kennt.
Allerdings
ist der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung (z.B. bei DKV)
dringend zu empfehlen, da die Kosten in den Internationalen Krankenhäusern
und Kliniken auf westlichem Niveau liegen.
Der
Besuch der sehr preiswerten chinesischen Krankenhäuser kann problematisch
sein. Einerseits darf nicht jedes Krankenhaus Ausländer behandeln,
andererseits sind die Kliniken oft sehr voll, so dass man stundenlang
warten muss. Wir haben aber auch sehr gute Erfahrungen gemacht,
z.B. im „First Infant and Maternity Hospital“ in der Changle Lu.
Kinderbetreuung
Die
Kinderbetreuung ist unkompliziert. Es gibt (in Shanghai) verschiedene
Möglichkeiten:
1.
Kinderfrau (Ayi)
Bei
sehr kleinen Kindern empfiehlt sich eine Ayi. Man kann sie über
andere Ausländer, über Anzeigen im Stadtmagazin (www.thatsmags.com)
o.ä. finden. Allerdings sind diese Ayis meist auf Arbeiten im Haushalt
spezialisiert und relativ teuer, da sie meist etwas Englisch sprechen
und bereits Erfahrungen bei anderen Ausländern gesammelt haben.
Wir haben sehr gute Erfahrungen mit arbeitslosen Kindergärtnerinnen
gemacht, die wir über den Frauenverband der Stadt Shanghai gefunden
haben. Dabei hat uns unser Arbeitgeber geholfen. Unsere Ayis haben
sich sehr gut um unsere Kinder gekümmert; allerdings sprachen sie
nur Chinesisch. Die Kosten lagen bei 8,- Yuan RMB/Stunde.
2.
Kinderkrippe/Kindergarten
Wenn
die Kinder schon etwas Chinesisch verstehen und sprechen, kann man
sie problemlos in chinesische Kinderkrippen bzw. -gärten geben.
Die Betreuung erfolgt hier ganztags, meist von 7.30 bis 16 Uhr.
Anfangs ist die Hilfe der Ayi unbezahlbar, da sie das Kind kennt
und den Erzieherinnen die „Besonderheiten eines Ausländerkindes“
klar machen kann.
Die
meisten Einrichtungen nehmen ausländische Kinder gern, da es ihnen
gegenüber chinesischen Eltern „Gesicht“ gibt. (Allerdings versprechen
sich einige durch die ausländischen Eltern Zusatzeinnahmen!)Die
Kosten liegen – je nach Einrichtung und Alter des Kindes – zwischen
ca. 400,- bis 700,- Yuan RMB/Monat.
3.
Schule
In
Shanghai und Beijing gibt es deutsche und internationale Schulen
mit sehr hohen Schulgebühren. Als Alternative bieten sich chinesische
Schulen an – allerdings wohl nur bis zum Ende der Grundschulzeit
(ca. 200,- Yuan/Semester). (Der Besuch der Mittelschule bzw. oberen
Mittelschule ist nicht zu empfehlen, da das Kind hier natürlich
keine deutsche Hochschulzugangsberechtigung bekommen kann.) Der
Unterricht soll hier sehr intensiv erfolgen, der spätere Wechsel
auf eine deutsche oder internationale Schule problemlos möglich
sein (Können wir noch nicht so genau sagen – unsere Kinder sind
noch zu klein.).
Babyversorgung
Die
Versorgung von Babys ist in Shanghai problemlos möglich. Es gibt
in vielen Supermärkten und besonders auch in Fachgeschäften fast
alles, was man für Babys braucht: Windeln (einheimische, japanische
und „Pampers“), es gibt hunderte verschiedener Baby-Nahrungen (z.T.
sogar weniger süß als in Deutschland), es gibt importierte Gläschen
mit Fertignahrung... einfach alles.
Kleidung/Schuhe
Kinder
einzukleiden ist eine große Freude – die Auswahl ist riesig. Natürlich
sind alle bekannten Marken vertreten. Aber daneben gibt es zahllose
kleine Händler, bei denen es chinesische Kleidung, gefälschte Markenprodukte
und sogar „vom LKW gefallene“ Markenkleidung zu günstigen Preisen
gibt. Allerdings scheinen die chinesischen Konfektionsgrößen nach
dem Zufallsprinzip angegeben zu werden – jeder Hersteller hat seine
eigenen Angaben, so dass man die Kleidung immer anprobieren sollte.
Bei
Schuhen ist die Sache ähnlich. Allerdings ist von allzu billigen
Angeboten in kleinen Läden oder auch großen Supermärkten abzuraten.
Qualität ist hier meist nicht vorhanden. Man kann oft problemlos
umtauschen – aber die Rennerei hat man trotzdem.
Spielzeug/Bücher
Spielzeug
ist seltsamerweise nicht so einfach zu finden. Große Supermärkte
haben etwas im Angebot, aber oft sind das elektrische (Plastik-)Dinge,
die einen Höllenlärm machen. Ein wirklich gutes Angebot haben die
speziellen Kinderkaufhäuser (z.B. in der Nanjing Donglu), in denen
es neben Kleidung und Schuhen auch Kindermöbel und eben auch Spielzeug
(sogar aus Holz) gibt.
Bücher
muss man sich in Deutschland besorgen. Die internationalen Buchläden
haben eine Auswahl an englischem Lesefutter, aber deutsche Kinderbücher
gibt es nicht. Wenn das Kind Chinesisch versteht, kann man jede
Menge schöne Bücher kaufen (und sie von der Ayi vorlesen lassen).
Malbücher sind kein Problem.
Gesellschaftsspiele,
die man aus Deutschland kennt (Mensch ärgere Dich nicht, Memory
u.ä.) gibt es nicht, so etwas sollte man auf alle Fälle mitbringen.
Die
DVD-Läden haben meist auch eine große Auswahl an Kinderfilmen (Disney,
Tom & Jerry, Teletubbies), aber meist nur auf Chinesisch.
Transport
Kleine
Kinder (meist bis 1,20 m Körpergröße) brauchen keine Tickets für
Bus und Bahn. Jedes Taxi nimmt Kinder mit, ein spezieller Kindersitz
ist aber nicht vorhanden (Sowieso schnallt sich niemand freiwillig
an!). In Fahrradläden (oder auch großen Supermärkten) kann man Kindersitze
für Fahrräder kaufen; diese werden meistens auf den Gepäckträger
geschraubt. Kinderhelme sind unbekannt.
Spielplätze/Parks
Spielplätze
sind in China leider Mangelware. Oft gibt es in den einzelnen Wohneinheiten
(Rentner-)Sportgeräte, an denen sich auch die Kinder ausprobieren
können, aber das war es auch fast schon.
Als
Alternative bieten sich Parks an – zumindest in Shanghai. Jeder
größere Park hat auch eine Kinderecke mit Karussells, Hüpfburgen,
Wasserrutschen, Schießständen... Gegen eine geringe Gebühr kann
man die Kinder dort toben lassen. Aber Vorsicht: Parks sind natürlich
beliebte Rentnertreffpunkte – und viele von ihnen haben bisher selten
ausländische Kinder gesehen (s. Alltag). Manchmal kommen die Kinder
vor lauter Aufmerksamkeit nicht mehr zum Spielen...
Harbin
ohne Wasser: Kleines Desaster-Tagebuch
aus der chinesischen Provinz
Von Sebastian Bubner
I.
Wie ist es, in einer
Stadt zu leben, die an einem großen Fluss liegt, und die dann plötzlich
kein Trinkwasser mehr hat, weil weiter oben am Fluss eine Chemiefabrik
explodiert ist und Benzol im Fluss schwimmt? Ich weiß jetzt, wie
es ist. Harbin ist seit Dienstag ohne Leitungswasser. Alles Trinkwasser
muss gekauft werden. Im Songhua-Fluss schwimmt Benzol, das gerade
vor Harbins Haustür angekommen ist. Die chinesische Behörde hat
sich das jetzt so vorgestellt, dass in vier Tagen der ganze Kladderadatsch
Richtung Russland weitergeflossen ist. Leider ist der Song Hua Jiang
nachts gefroren, das heißt, das Benzol ist mitgefroren und bleibt
uns jetzt bis zur Frühlingsschmelze erhalten.
Ich habe dann auch das erste Mal die echte chinesische Gerüchteküche
in Hochform erlebt. Am Dienstag hieß es: In der Stadt Da Qing gab
es ein Erdbeben, und Harbin wird vielleicht ein Nachbeben abbekommen.
Als ich dann im Internet nachguckte, stand da, das Erdbeben in Da
Qing war im Juli gewesen. Das Nachbeben ohne Erdbeben wurde dann
am Donnerstag von den Behörden dementiert. Andere Gerüchte: In Da
Qing ist eine Bombe explodiert. In Da Qing ist eine Fabrik explodiert.
Schließlich einigte sich die Gerüchte-Großküche darauf, dass es
ein Erdbeben in Harbin, und zwar genau zwischen zwölf und halb ein
Uhr in der Nacht zum Mittwoch geben würde, wovon mich ein Kunstdozent
an der Heilongjiang-Uni um elf Uhr abends informierte, mit den Worten
„Weißt du, dass es in Harbin heute Nacht ein Erdbeben gibt?“ Also
nicht etwa: „Ich habe gehört“, „Da gibt es ein Gerücht“ oder so.
Einfach: Das Erdbeben findet statt. Typisch chinesisch, so was,
meint mein Freund Zhang Lei.
Natürlich sind wir erst mal im Dreieck gesprungen, wobei Zhang Lei
cooler blieb, weil er die Erdbeben-Gerüchteküche in China schon
kennt. Ein Anruf bei der Sekretärin vom Ausländerbüro ergab dann
Entwarnung und ich kam mir etwas doof vor. Nachdem ich den ganzen
Tag gerücht-immun geblieben war, war ich jetzt doch noch in den
Gerüchtebrei getappt. Wir hatten schon eine kleine Essigflasche
im Flur auf einen Schemel gestellt, ganz auf die Kante, damit die
Flasche uns nachts aufwecken würde, wenn sie vom Erdbeben vom Stuhl
gewackelt würde.
Im Supermarkt bei der Uni haben am Montag Hunderte von Studis den
Verkäufern die neu hereingeschleppten Sprite-Kartons aus den Händen
gerissen und Frühstückskekse en masse gekauft. Wieso, wusste niemand
genau. Aber vielleicht haben sie sich auf Krieg plus Erdbeben plus
Wasserknappheit vorbereitet. Immerhin ist Harbin jetzt eine Tagesberühmtheit
bis hinein ins finstere New York. Die „New York Times“ berichtete
von einer hundertfach überschrittenen Benzolbelastung des Flusswassers.
Das chinesische Informationsbüro sieht das gelassener. Gestern Nachmittag
einigte es sich auf dreißig Mal über Normalwert. Am Abend waren’s
nur nach fünf Mal. Man muss nur warten können.
In Harbin haben jetzt alle Schüler schulfrei, wir Uni-Angehörigen
müssen weitermachen. Offensichtlich ist Harbin die einzige Stadt
am Song Hua Jiang, in der das Wasser abgedreht wurde. In den Orten
am Fluss wird unter Umständen munter weiter das Wasser aus dem Wasserhahn
gesüffelt. Werden die Dörfer informiert? Zhang Leis Mutter hat erst
heute, Freitag, aus dem Fernsehen mitgekriegt, dass in Harbin was
passiert ist. Wenn das die normale Art ist, wie in China ferngesehen
wird, dann kann man sich Schlimmes vorstellen für die Landbevölkerung.
Das Unipersonal wird mit Mineralwasser versorgt, die Mensen und
die Nachbaruni sitzen offensichtlich jeweils auf einer Quelle. Aber
nicht jeder glaubt das. Es kann also noch gekocht werden. Ich habe
mich an den Satz erinnert, dass man die Wichtigkeit von Wasser erst
erkennt, wenn’s keins mehr gibt. Stimmt. Wir haben die Badewanne
voll Waschwasser und müssen jeden Morgen das Wasser fürs Haarewaschen
in einem Kochtopf auf dem Gasherd kochen. Aufs Klo gehen wir im
Nachbargebäude, wo die Reinigungskolonne wenigstens ein paar Riesenbottiche
voll Wasser hat, um die Klos immer wieder durchzuspülen. Bereits
gestern durchzog alle Uniflure ein Geruch, der nicht von Veilchen
war und von den Uni-Toiletten herzog.
II.
Seit heute gibt es wieder
Leitungswasser in Harbin. Allerdings warnt uns das Foreign Secretary
der Universität, das Wasser nicht zu trinken. Zum Waschen könnten
wir es benutzen, hat mir die für ausländische Lehrkräfte zuständige
Sekretärin der Uni gesagt. Haben wir aber bisher noch nicht. Und
nach dem medizinischen Bulletin von einem Freund aus Deutschland
(der Arzt ist) zu urteilen, war das wohl auch ganz schlau.
Wenn man sich mal unter www.sueddeutsche.de die Fotoreihe anguckt,
die irgendein Reporter zu Harbin geschossen hat, kann man wieder
mal sehen, was für ein manipulatives Lügenpack Journalisten sind.
Von den acht Fotos haben mindestens die Hälfte eine Bildunterschrift,
die glatt gelogen ist und den auf dem Bild dokumentierten Sachverhalt
vorsätzlich falsch interpretiert. Zum Beispiel: Ein Schild, das
davor warnt, dem Fluss zu nahe zu kommen. Stimmt, das Schild warnt
vor dem Fluss, aber es ist uralt und für Touristen bestimmt, die
direkt über den Strand zum Ausflugslokal latschen wollen, was gefährlich
ist. Weiteres Beispiel: Zwei tote Fische im Fluss. Ist ein normaler
Anblick am Song Hua Jiang, ist also durchaus eine Nachricht wert,
hat aber nichts mit der momentanen Verseuchung zu tun, sondern mit
der grundsätzlichen Giftigkeit des Wassers. Drittes Beispiel: Eine
junge Frau steht auf einem Gebirge von Flaschen-Packungen. Nein,
sie bunkert die Flaschen nicht für sich. Sie passt drauf auf, bis
ein Lieferwagen kommt und die Flaschen abholt. Und sie passt nicht
deshalb drauf auf, weil Wasser so rar ist momentan in Harbin, sondern
weil in China grundsätzlich die Angst vor Dieben größer ist als
in Deutschland. Viertes Beispiel: Der Song Hua Jiang aus der Luft
gesehen. Sieht voll eklig aus, schlammbraun und überall ist so weißes
Zeug im Wasser. Nur, was man aus der Entfernung nicht sieht: Das
Weiße ist ganz einfach Eis, das Braune ist Schlamm, weil das Flussbett
nun mal aus Erde ist. Den „toxischen Teppich“ aus Benzol, von dem
etwa die Washington Post schrieb, kann man gar nicht sehen, Benzol
ist, wie uns andere Zeitungen informieren, unsichtbar. Nicht nur
lügt die Süddeutsche in Worten, sondern auch noch mit der Kamera
in der Hand, in Wort und Bild sozusagen. Vier „Foto-Enten“ bei einer
Online-Bilderreihe von acht Aufnahmen. Das nenne ich journalistische
Qualität.
III.
Mein Freund, Arzt von
Beruf, hat eine Email geschrieben, in der er fein säuberlich erklärt,
was Benzol so alles anrichtet beim Menschen. Es bleibt in den Haaren,
in der Hornhaut und in den Fingernägeln hängen, bei Männern verursacht
es Hoden- und Prostata-Krebs. („Das ist Standard bei einer Benzolvergiftung.“)
Hat man Benzol getrunken, kann man einiges Gift wieder neutralisieren,
indem man 'nen Haufen Milch hinterhertrinkt. („Aber nicht alles
natürlich.“) Dass man benzolvergiftetes Wasser einfach kochen könne
und sich dann das Benzol verflüchtige, sei falsch. Dazu seien viel
höhere Temperaturen nötig. (Das gleiche hat gestern auch ein Professor
im chinesischen Fernsehen erklärt.)
Fünfzig Prozent des Benzols sind jetzt weitergeschwommen, jenseits
von Harbin, schreibt mein Freund weiter. Die anderen fünfzig Prozent
sind auf den Grund des Flusses abgesunken. Sechs Monate werde es
dauern, bis das alles abgebaut ist. Das weiß mein Freund aus verschiedenen
internationalen Zeitungen. Also, für das nächste halbe Jahr sollten
wir uns fürs Trinken auf Mineralwasser beschränken. („Immer brav
Wasser kaufen!“) Und was ist mit dem Mensa-Essen und dem Essen in
Harbiner Restaurants, das hundertprozentig mit Flusswasser gekocht
wird?
Übrigens sei das Wasser des Song Hua Jiang jetzt mal vergleichend
gemessen worden. Eine Probe von vor der Fabrik-Explosion, eine von
jetzt. Beim Vergleichen kam raus, dass das Wasser auch vor dem Unfall
hochgradig verdreckt war. Zum Trinken ungeeignet. („Glückwunsch!
Das Ergebnis hat bestätigt, was du schon immer über das Trinkwasser
in Harbin gesagt hast!“) Naja. Getrunken habe ich das Wasser trotzdem.
III.
Der Song Hua Jiang, also
der „Kiefern-Fluss“, entspringt nicht in der Provinz Heilongjiang.
Er fließt erst durch die südlich von Heilongjiang gelegene Provinz
Jilin. Daher kam auch jetzt das Dreckwasser. Vom Süden kommend,
fließt der „Kiefern-Fluss“ dann weiter, bis er im Norden auf den
Hei Long Jiang trifft, den „Schwarzen Drachenfluss“, der dort die
natürliche Grenze zwischen Heilongjiang und Russland bildet. Die
Russen nennen den „Schwarzen Drachenfluss“ anders, jenseits der
chinesischen Grenze heißt er Amur. Aber das Wasser, das er dort
führt ist dasselbe wie in China. Sehr zum Leidwesen der russischen
Einwohner des Grenzgebietes, im Augenblick.
Die russische Regierung hat sich bereits offiziell beklagt über
die Giftflut aus China. Und die chinesische Regierung hat sich entschuldigt.
Das Ansinnen der UN, mal in Harbin vorbeizukommen und eine Wasserprobe
zu nehmen, wurde von der Regierung in Beijing abgelehnt. Man sei
zuversichtlich, mit dem Problem alleine fertig zu werden, hieß es.
Hier an der Uni kam anscheinend ein Wasserexperte vorbei und hat
den Schadstoffgehalt des Leitungswassers gemessen. Meinte jedenfalls
heute die für die ausländischen Lehrer zuständige Sekretärin. Der
Experte meinte, das Wasser könne man trinken. Na denn, Prost Mahlzeit.
Mir ist erstmal der Appetit auf Flusswasser vergangen. Wir bleiben
bei etikettierten Flaschen voller Mineralwasser.
IV.
Gestern Abend berichteten
die Fernsehnachrichten, in einer chinesischen Provinz ist eine Fabrik
explodiert. Eine Menge Benzol ist ausgelaufen.
04. Dezember 2005
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Wohnungssuche
in Shanghai |
Wohnungssuche
in Shanghai: Das
ist nicht so kompliziert wie Sie vielleicht denken.
Ein Bericht von Hans
Baum.
Wohnungssuche in Shanghai.
Wenn du in Shanghai eine Wohnung suchst, solltest du dir zunächst
ein paar Gedanken machen: Welche Verkehrsverbindungen (U-Bahn, Buslinien)
benutzt du hauptsächlich? Gibt es günstige Einkaufsmöglichkeiten
(Supermarkt, Markthalle)? In welcher Umgebung möchtest du wohnen
(„neighbourhood“)?
Das klingt banal und
selbstverständlich, aber: Shanghai ist nicht nur eine riesengroße
Stadt (ca.17 Millionen Einwohner), sondern auch sehr vielfältig
und verschieden. Dazu steht die Stadt permanent kurz vor dem Verkehrsinfarkt,
so dass es keine Freude macht, dem Chaos und dem Gedrängel auf den
Strassen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln länger als unbedingt
nötig ausgesetzt zu sein. Such dir also eine Wohnung, die „günstig“
liegt.
Da es in Shanghai keinen
Mangel an „günstigem“ Wohnraum gibt – und den in allen Preislagen
(!) – kannst du dir mit der Auswahl deines Quartiers ruhig etwas
Zeit lassen. Schau dich bei den Maklern in der unmittelbaren Nachbarschaft
des Quartiers deiner Wahl gründlich um – du findest garantiert das
Richtige für dich.
Die Makler sitzen in
ihren kleinen blau-weißen Läden, die man an den unzähligen Annoncen
in den Schaufenstern erkennt. Da du kaum jemanden finden wirst,
der etwas anderes als „Shanghainese“ spricht, ist es gut, wenn du
eine ortskundige Begleitung zur Seite hast. Dem Makler kannst du
all deine Wünsche bis ins Detail von vornherein nennen: Art der
Wohnung (alt/neu), Größe und Lage der Wohnung (Stockwerk), Ausstattung
(incl. Fernseher, Waschmaschine, Trockner, elektr. Küchengeräte
etc.) und Preisvorstellung. Der Makler wird sich bemühen, deine
Wünsche zu erfüllen. Wenn er etwas geeignet scheinendes gefunden
hat, wird er es dir in der Regel gleich zeigen wollen. Du wirst
erstaunliche Dinge zu sehen bekommen! Lass dich nicht entmutigen
– allmählich wird man sich näher kommen in den Wohn-Vorstellungen.
Und: Es gibt unzählige Makler! Engagiere ruhig ein paar von ihnen
für deine Belange.
Wenn du dich endlich
entschieden hast, darfst du nicht zimperlich sein: Es gehört in
Shanghai durchaus zu den Gepflogenheiten des geschäftlichen Verkehrs,
an allem und jedem herumzumäkeln und zu kritteln, um einen weiteren
Preisnachlass zu erwirken. Denk auch hier daran, das alles verhandelbar
ist und verhandelt werden muss! Meistens in den drei Schritten:
Angebot – Gegenangebot – Einigung irgendwo in der Mitte. Ein etwas
mühsames Procedere – aber when in Rome...
Für den Abschluss des
Mietvertrags brauchst du deinen Pass mit einem gültigen Visum. Dann
geht es sehr zügig: 35 Prozent einer Monatsmiete bekommt der Makler
für seine als Provision. Eine Monatsmiete wird als Kaution hinterlegt
und bei Ende des Mietvertrags zurückgezahlt. Drei Monatsmieten sind
sofort und im voraus an den Vermieter in bar zu zahlen. Du bekommst
über alle Zahlungen eine Quittung. Der Vertrag an sich enthält das
Übliche: Gültigkeitsdauer (6 Monate/12 Monate), Mietzins (monatlich/kalt/möbliert/unmöbliert),
„Community fees“ (security, sanitation etc.) Die monatlichen Nebenkosten
(Gas, Wasser, Strom) und deine Telefonrechnung musst du bei der
Post oder an anderer Stelle einzahlen (das kann auch das kleine
Geschäft an der Straßenecke sein).
Abschließend noch ein
paar grundsätzliche Bemerkungen: Die chinesischen Makler sind im
allgemeinen freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Sie lassen
über alles mit sich reden und verhandeln. Manches sehen sie halt
anders als wir, z. B. sind sie in Fragen der Hygiene und der Sauberkeit
wesentlich – Wie soll ich sagen? – toleranter... Auch was Gerüche
und Ausdünstungen betrifft oder den Lärm der Heimwerker an den Wochenenden
– das ist alles etwas gewöhnungsbedürftig. Aber, wie gesagt: „Do
as the Romans do!“
Shanghai, 22. März 2005
Hans Baum
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