Wichtiger denn je – der DAAD feiert 20 Jahre „Sprache und Praxis in China“

Jubiläumsfeier und DAAD Alumnitreffen am 14. und 15. Oktober in Peking

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„Noch nie waren die deutsche und die chinesische Wirtschaft so eng verflochten wie heute“, stellt Dr. Frank Rückert, Leiter der Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft Peking, in seinen Grußworten an die knapp hundert Teilnehmer der Jubiläumsfeier im Europassaal heraus. Und trotzdem bestehen große Gegensätze, die enorme Herausforderungen mit sich bringen. Der Bedarf an „kulturell sensiblen, fachlich geschulten und sprachlich versierten Persönlichkeiten“, die diese Herausforderungen angehen und meistern können, ist ungemindert hoch. Hier setzt das vom BMBF geförderte Sonderprogramm des DAAD an: deutsche Hochschulabsolventen werden durch eine Kombination von intensivem Sprachstudium und beruflicher Praxis in China zu Fach- und Führungskräften qualifiziert.

Dr. Thomas Schmidt-Dörr, Leiter der DAAD-Außenstelle Peking erinnert: „Vor über 30 Jahren wurde das „Sprache und Praxis“ Programm in Japan eingeführt – 1996 kam es nach China. Inzwischen gibt es ein beachtliches Netzwerk von über 200 Alumni, die in China und in Deutschland in verschiedenen Branchen und Firmen wichtige Positionen einnehmen und für den Erfolg des Programms stehen.“ Alexandra Voss, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Peking unterstreicht in ihren Grußworten, dass die deutschen Unternehmen Mitarbeiter mit einem vertieften Verständnis der chinesischen Kultur und einer Anpassungsfähigkeit an die Arbeits- und Lebensbedingungen in China brauchen. Von Beginn an hat die Deutsche Handelskammer in China das Programm unterstützt, die Stipendiaten zu Vorträgen und Events eingeladen und Kontakte zu den Mitgliedsunternehmen hergestellt. Für die deutsche Wirtschaft wünscht sie sich noch viele weitere erfolgreiche Programmjahrgänge. Dass aller Anfang nicht nur schwer, sondern auch unterhaltsam sein konnte, resümiert humorvoll Dr. Silvia Kettelhut, die 1997/98 als erste Programmkoordinatorin von „Sprache und Praxis in China“ an der DAAD-Außenstelle Peking arbeitete.

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Alexandra Voss, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Peking ©DAAD

Als aktuelle Programmkoordinatorin und Alumna von 1999 zeigt Ruth Schimanowski in einem kurzen Überblick zu den Daten und Fakten der bisherigen Jahrgänge was für sie das „Sprache und Praxis in China“ Programm ausmacht: sorgfältiges Sprachelernen, eine Vielfalt persönlicher und individueller China Erfahrungen sowie ein tragfähiges Alumni Netzwerk.

Wie sehr sich China in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert hat, wird in dem Vortrag von Finn Mayer-Kuckuk zu den Meilensteinen der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung deutlich: von der Rückgabe Hongkongs 1997 und den vorgeschalteten Gesprächen zwischen Deng Xiaoping und Margaret Thatcher, dem WTO Eintritt 2001 über den SARS Ausbruch 2003 und die Olympischen Spiele 2008 bis hin zur Präsidentschaft von Xi Jinping seit 2013. Diese Ereignisse haben die China Aufenthalte der Stipendiaten geprägt, sie sind Zeitzeugen der großen wirtschaftlichen Erfolge Chinas und den einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen geworden.

Dass es für deutsche Hochschulabsolventen und insbesondere für die Teilnehmer von „Sprache und Praxis in China“ als nicht-Sinologen eine große Herausforderung ist, die chinesische Sprache zu erlernen, erläutert Dr. Deng Chuanlin in seinem sehr pointierten Vortrag zu den Erfahrungen der Beijing Foreign Studies Universtiy. Seit über zehn Jahren finden dort die Sprachkurse für die Stipendiaten statt, Lehrer Deng Chuanlin erinnert sich an die einzelnen Studierenden im Auditorium mit Namen.

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Teilnehmer der Paneldiskussion ©DAAD

Zur Jubiläumsfeier waren auch zahlreiche Wirtschaftsvertreter eingeladen, nicht zuletzt die Teilnehmer der Paneldiskussion „Wie werden deutsche Mitarbeiter und Führungskräfte in China erfolgreich?“ Susanne Rademacher, Rechtsanwältin und Partner bei Beiten Burkhardt in Peking, Claudia Barkowsky, Chief Representative des Verbandes der Deutschen Maschinen – und Anlagenbauer VDMA China, Dr. Dietmar Albrecht, Head of HR Development & Education Strategy der Volkswagen Group China sowie Oliver Auge, Landesdirektor China der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ. Sie waren sich in vielen Fragen einig, insbesondere dass es rein rechtlich hohe Hürden für die Einstellung von ausländischem Personal gibt. Es wird eine hohe Qualifikation und Berufserfahrung der ausländischen Mitarbeiter gefordert, die einen Berufseinstieg in China erschwert. Auch die Beschäftigung von ausländischen Praktikanten ist nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen möglich. Einig waren sie sich auch, dass Arbeitserfahrung in einem chinesischen Unternehmen oder in einer Firma außerhalb der im Westen besser bekannten Metropolen wie Shanghai und Peking für die Stipendiaten von großem Wert ist. Erfolgreiche Mitarbeiter zeichnen sich neben fachlichen und kulturellen Kompetenzen durch eine hohe Belastbarkeit, Flexibilität und Mobilität aus.

Die anregenden Gespräche zwischen Alumni, Stipendiaten und Firmenvertreter setzten sich beim gemütlichen Abendessen im Yunnaner Restaurant In&Out fort.  Es gab zu den Vorträgen und der Paneldiskussion ein sehr positives Feedback: interessante Themen, gute Redner, kurzweiliger Ablauf.

Der zweite Teil des Alumnitreffens wurde am Samstagmorgen (15.10.) mit Vorträgen der Alumni selbst fortgesetzt. Zunächst berichtet Patricia Wiesker von dem Startup Unternehmen CQubed in Chongqing, wo sie seit anderthalb Jahren mitarbeitet und u.a. ein Englisch Lernangebot auf der chinesischen Smartphone Plattform Wechat etabliert und Investorengespräche führt. Chongqing erlebt sie als faszinierende Stadt mit einer bisher verschwindend kleinen expat community. Ozan Özdemir hat sich vor zwei Jahren in Hongkong selbstständig gemacht und seine Dienstleistungsfirma SuPPPort vernetzt Geldgeber, interessante CSR Projekte von Unternehmen und lokale NGOs in Südostasien.

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In den anschließenden Workshops beschäftigen sich Alumni und Stipendiaten in Kleingruppen intensiv mit den Themen „Wie hat mein China-Aufenthalt mich bzw. meinen Blick auf Deutschland und die Welt verändert“, „Sprache und Praxis in China“ und was kommt dann? Karrieren in China und in Deutschland“ sowie „Zukunft von S&P – Ideen für Innovationen“. Die anwesenden Teilnehmer sehen sich als Brückenbauer und werden im Beruf wie auch privat immer wieder als solche gefordert: in China Deutschland und deutsche Denk- und Arbeitsweisen darstellen, in Deutschland wiederum China erklären und ein differenziertes Chinabild zeichnen. Anders als im Schwesterprogramm „Sprache und Praxis in Japan“ gibt es bisher keinen eingetragenen Alumniverein für „Sprache und Praxis in China“. Wie Dr. Thomas Schmidt-Dörr im Abschlussplenum betont, würde der DAAD eine Initiative zur Gründung eines Vereins der Alumni sehr begrüßen. Er verspricht sich davon eine noch bessere Profilierung und Sichtbarkeit des Programms.

Als letzten Programmpunkt des Alumnitreffens lässt der lebhafte dänische Historiker Lars Thom die Zeit der Belagerung der ausländischen Gesandtschaften in Peking im August 1900 aufleben. In einer dreistündigen Stadtführung von Beijing Postcards durch das legendäre Legationsviertel südöstlich der Verbotenen Stadt, werden die zum Teil hinter hohen Mauern versteckten Gebäude in einen historischen Zusammenhang gebracht. Die Nacherzählung der Ereignisse nach der Ermordung des deutschen Diplomaten Clemens August Freiherr von Ketteler ist detailliert und spannend. Während man den Schilderungen lauscht, rückt die eigene Chinaerfahrung noch einmal in ein ganz anderes Licht. Manch ein Teilnehmer hört die Geschichten sogar zum ersten Mal.

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von „Sprache und Praxis in China“ hat die DAAD-Außenstelle Peking mit Beiträgen der Alumni eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben. Gerne schicken wir Ihnen ein persönliches Exemplar. Schreiben Sie uns dazu formlos eine E-Mail an vicedirector@daad.org.cn

Wir bedanken uns bei allen Unterstützern des Jubiläums und des Alumnitreffens!

Ruth Schimanowski, stellvertretende Leiterin der DAAD-Außenstelle Peking

Weitere Informationen zu dem DAAD Stipendium „Sprache und Praxis in China“  und zur Bewerbung finden Sie hier:
http://www.daad.org.cn/studium-und-forschung-in-china/stipendienangebote-fur-deutsche/sprache-und-praxis-in-china

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