Voneinander lernen und kulturelle Verbindungen schaffen – 45 Jahre Studierendenaustausch zwischen Deutschland und China

Vor 45 Jahren haben die Bundesrepublik Deutschland und China diplomatische Beziehungen aufgenommen. Schon kurze Zeit später gingen die ersten Chinesen zum Studium nach Westdeutschland und im Gegenzug kamen deutsche Studierendenach China. Der Studierendenaustausch entwickelte sich rasch zu einem Eckpfeiler des deutsch-chinesischen Austausches. Viele ehemalige Teilnehmer – Chinesen wie Deutsche – gestalten heute aktiv die deutsch-chinesischen Beziehungen mit.

Auf Vorschlag der chinesischen Regierung fand aus diesem Anlass am 24. Mai im Pekinger Diaoyu State Guesthouse eine Gedenkveranstaltung hierzu statt, die vom China Scholarship Council (CSC) und vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) organisiert wurde. Vor 200 geladenen chinesischen und deutschen Gästen, die alle selbst am deutsch-chinesischen Studierendenaustausch teilgenommen hatten, würdigte die chinesische Vizepremierministerin LIU Yandong zum Auftakt den Beitrag der chinesischen Austauschstudierenden für den Aufbau ihres Landes und für den Aufbau von freundschaftlichen Beziehungen zum Ausland.

©DAAD

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Der Hauptteil der Veranstaltung bestand aus persönlichen Erfahrungsberichten deutscher und chinesischer Austauschteilnehmer – beginnend mit den 1970er Jahren und bis zu den 2010er Jahren. Die beiden Moderatoren WANG Jianbin, Dekan der Deutschabteilung an der Beijing Foreign Studies University und Silvia Kettelhut vom Deutschen Generalkonsulat in Shanghai, selbst ehemalige Austauschstudenten, führten eloquent und unterhaltsam mit vielen persönlichen Anmerkungen durch das festliche Programm.

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Als deutscher Alumni der 1970er Jahre erinnerte Michael Kahn-Ackermann, Sonderbeauftragter der Mercator Stiftung für China und ehemaliger Leiter des Goethe Instituts in Peking an die Verhältnisse während seines Studiums am Fremdspracheninstitut und der Peking Universität. Er war mit einem Chinabild, das Widersprüchliches wie die Kulturrevolution mit klassischen Romanen verband, nach Peking gekommen und fand sich mit einer völlig anderen Realität konfrontiert. Als Vertreter des ersten Jahrgangs chinesischer Studierender in Deutschland berichtete FANG Xiangsheng von der neugierigen Aufmerksamkeit, die die Heidelberger Bürger ihm als Chinesen entgegengebrachten. Direkt im Anschluss an das Studium an der Universität Heidelberg begann er eine Karriere als Diplomat.

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Als Vertreter der 1980er Jahren sprachen anschließend GAO Zhan und Peter Tichauer, die 1990er Jahre wurden von CAO Weidong und Patrick Kühnel in Erinnerung gerufen. LIU Guoyi und Binke Lenhardt berichteten von den 2000er Jahren und nicht weniger interessant waren die Erfahrungen von ZHANG Wei und Jana Brokate aus der jüngsten Vergangenheit. Allen Erfahrungsberichten gemein ist, dass der Auslandsaufenthalt bis zum heutigen Tage die sehr unterschiedlichen beruflichen Karrieren geprägt hat. Freundschaften aus der Zeit haben sich über die Jahre weiterentwickelt und stellen heute einen wichtigen Teil des persönlichen Alltags dar.

 

Zum Schluss wurden in einer großen Paneldiskussion Fragen aus dem Publikum beantwortet. Viele der jungen Teilnehmer wollten wissen, inwieweit ein Auslandsaufenthalt heute neue Karriereperspektiven eröffnet – in China wie in Deutschland.

Die Veranstaltung fand als Teil des Nebenprogramms zur ersten Sitzung des hochrangigen deutsch-chinesischen Dialogs für den gesellschaftlich-kulturellen Austausch (High Level People to People Dialogue) statt, den die beiden Regierungen miteinander verabredet haben. Die Schirmherrschaft auf chinesischer Seite hat Vizepremierministerin LIU Yandong und auf deutscher Seite Bundesaußenminister Sigmar Gabriel.

Thomas Schmidt-Dörr / Ruth Schimanowski

Weitere Informationen: http://www.china.diplo.de/Vertretung/china/de/__pr/Kopie_20von_202016/politik/170529-gabriel-pm.html