„Sauberes Wasser von der Quelle bis zum Verbraucher“

Deutsch-chinesische Partnerschaft zur Verbesserung der Wasserqualität des Tai-Sees.

Die Gegend um den Tai-See ist eine der am schnellsten wachsenden Regionen in China. Infolge der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung steigt der Bedarf an Brauch- und Trinkwasser. Der Tai-See, mit 2 250 Quadratkilometern der drittgrößte Süßwassersee Chinas, dient als Trinkwasserquelle für rund zehn Millionen Menschen. Doch das Wasser ist durch industrielle und landwirtschaftliche Einträge stark mit organischen Schadstoffen, Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor sowie Schwermetallen belastet. Die schlechte Rohwasserqualität führte in den vergangenen Jahren wiederholt zu Versorgungsschwierigkeiten, die bis zu einer tagelangen Unterbrechung der Wasserversorgung der Millionenstadt Wuxi reichten.

Professor Stefan Norra (links) und Andreas Holbach messen chemisch-physikalische Gewässerparameter mit dem Sensorsystem BIOFISH. (Foto: Andreas Holbach, KIT)

Professor Stefan Norra (links) und Andreas Holbach messen chemisch-physikalische Gewässerparameter mit dem Sensorsystem BIOFISH. (Foto: Andreas Holbach, KIT)

In dieser schwierigen Problemlage setzt das deutsch-chinesische Verbundprojekt SIGN (Sino-German Water Supply Network) an. Es zielt auf eine Verbesserung der Wasserqualität und damit auch der Lebensqualität der Menschen am Tai-See. Besondere Schwerpunkte liegen auf den Metropolen Wuxi und Suzhou.

Dem Projekt SIGN kommt große politische und soziale Bedeutung zu: In einem Programm, das die chinesische Regierung zur Überwachung und Behandlung von verschmutztem Wasser gestartet hat, stellt die Gegend um den Tai-See eine der Schwerpunktregionen dar.

SIGN betrachtet den gesamten Wasserkreislauf und erstreckt sich von städtischem Abwasser- und Regenwassermanagement über Monitoring- und Frühwarn-Systeme, Schadstoffminderung, Trinkwasseraufbereitung und Trinkwasserverteilung, Weiterbildung und Markteinführung bis hin zu Handlungsempfehlungen für Wasseraufbereitung und Ressourcenmanagement. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt drei Millionen Euro geförderte Verbundprojekt startete im April 2015 und ist auf drei Jahre angelegt. Beteiligt sind 15 deutsche Partner aus Forschung und Industrie, unter ihnen das KIT, sowie zehn chinesische Wissenschaftseinrichtungen, Behörden und Wasserwerke. Die Koordination des Gesamtvorhabens erfolgt durch Professor Andreas Tiehm und Dr. Kathrin Schmidt am DVGW-Technologiezentrum Wasser (TZW) in Karlsruhe.

Die Arbeitsgruppe Umweltmineralogie und Umweltsystemanalyse des KIT unter der Leitung von Professor Stefan Norra hat innerhalb von SIGN das Teilprojekt DYNAQUA (Dynamik der Qualität des Wassers) übernommen. Dabei entwickeln, bewerten und nutzen die Forscher neue Monitoring-Technologien, um räumliche und zeitliche Veränderungen der Wasserqualität zu untersuchen. Zum Einsatz kommt u.a. das an Flachwasser angepasste Sensorsystem BIOFISH. Dieses wurde an die besonderen Bedingungen des Tai-Sees angepasst, das heißt an das dortige flache Wasser und die häufig vorkommenden Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, die verschiedene Giftstoffe bilden und die Gewässernutzung erheblich einschränken. Der BIOFISH misst in der jeweils eingestellten Tiefe verschiedene chemisch-physikalische Parameter und zeichnet sie zeitlich und räumlich hoch aufgelöst auf.

Außerdem verfügt der BIOFISH über ein ferngesteuertes Probeentnahmesystem. Die gewonnenen Wasser- und Sedimentproben können auf Nährstoffe, Schwermetalle und organische Spurenstoffe sowie auf die Verhältnisse stabiler Isotope und auf schadstoffabbauende Mikroorgansimen untersucht werden.

Ein weiteres Ziel des Teilprojekts DYNAQUA ist, mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität zu erarbeiten. Hierzu untersuchen die Wissenschaftler auch die Wirksamkeit bereits vorgenommener Renaturierungsmaßnahmen in einigen Uferbereichen, wo künstlich angelegte Feuchtbiotope die Funktion der ursprünglich vorhandenen Vegetationsgürtel übernehmen und Schadstoffe zurückhalten oder abbauen sollen.

Quelle: KIT – eine ausführliche Version der Pressemeldung ist unter folgendem Link zu finden:
http://www.kit.edu/kit/pi_2015_157_wasserqualitaet-in-china-hilfe-fuer-den-tai-see

Weitere Informationen im Internet:
http://www.klima-umwelt.kit.edu