Perspektiven verändern Wahrnehmungen – Deutschland-Alumni trafen sich in Peking

Welche chinesische Persönlichkeit ist bei Deutschen am bekanntesten? Welche deutsche Stadt wurde in den 30er Jahren von chinesischen Studierenden „Mingxing“ genannt? Wann kamen die ersten Chinesen zur Ausbildung nach Deutschland? Woran denken Deutsche, wenn sie an China denken? Halten Chinesen die Deutschen für pragmatisch und flexibel? Die Antworten zu diesen Fragen finden Sie am Ende des Beitrags.

Die Mitwirkenden der Veranstaltung

Die Mitwirkenden der Veranstaltung v.l.n.r.: Gong Yingxin, Thomas Schmidt-Dörr, Li Xiaoxin, Jannis Pähler, Li Xuetao, Chen Lesheng. Bild: Li Xiaoxin

Bei der großen Alumni-Tagung am 3. September gab es viele interessante Fragen und Fakten rund um das Thema „China und Deutschland – gegenseitige Wahrnehmung“. Die DAAD-Außenstelle Peking hatte gemeinsam mit der Deutschland-Abteilung der Western Returned Scholars Association (WRSA) eingeladen und 190 Deutschland-Alumni waren an einem wunderschönen Spätsommernachmittag in das Chinesisch-Deutsche Zentrum für Wissenschaftsförderung (CDZ) gekommen.

Fotos von der Veranstaltung finden Sie hier.

Nach einer Begrüßung durch Professor Chen Lesheng im Namen des CDZ, folgte ein Grußwort von Jannis Pähler, seit diesem Herbst Kulturreferent an der Deutschen Botschaft Peking. Er unterstrich die Verbindung des Themas der Veranstaltung mit dem Motto des Deutsch-Chinesischen Jugend- und Austauschjahres „Austausch. Freundschaft. Zukunft“. Für die deutsche Bundesregierung sei es von großem Interesse das gegenseitige Verständnis von Deutschen und Chinesen auszubauen und gemeinsam an der Lösung der großen globalen Zukunftsfragen zu arbeiten.

Es folgte die Begrüßung durch die beiden Veranstalter: Frau Professor Li Xiaoxin, Vorsitzende der Deutschland-Abteilung der WRSA und Dr. Thomas Schmidt-Dörr, Leiter der DAAD-Außenstelle Peking. Beide betonten die langjährige Tradition der Zusammenarbeit zwischen beiden Organisationen und dankten dem CDZ für seine Unterstützung.

Das fachliche Programm umfasst zwei Vorträge mit anschließender Diskussion und wurde von Frau Gong Yingxin moderiert, der Leiterin des Buchinformationszentrums Peking (BIZ).

Im dem ersten Vortrag stellte Dr. Thomas Schmidt-Dörr ausgewählte Ergebnisse der Huawei-Studie 2016 „Deutschland und China – Wahrnehmung und Realität“ vor. Es handelt sich um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, die bereits zum dritten Mal im Auftrag von Huawei Deutschland durchgeführt worden ist. Grundlage ist eine Befragung der deutschen und chinesischen Bevölkerung sowie von deutschen und chinesischen Entscheidern in Wirtschaft und Politik. Chinesen wie Deutsche bekommen dasselbe Set von Fragen vorgelegt, die sich um das Wissen und die Wahrnehmung des jeweils anderen Landes, seiner Menschen und Kultur drehen. Das Resultat ist ein Kaleidoskop der Dinge, die Chinesen über Deutschland und die Deutschen wissen und denken und darüber, was die Deutschen über China und die Chinesen. Die vorgestellten Auszüge aus der Studie reichten von der Frage aus welchen Gründen das jeweils andere Land besucht wird oder wie Deutsche und Chinesen andere Länder wahrnehmen bis hin zu brandaktuellen Fragestellungen nach der Grundhaltung in Deutschland und China zu digitaler Innovation oder den Charaktereigenschaften die sich Deutsche und Chinesen gegenseitig zuschreiben.

Eine historische Perspektive nahm im zweiten Vortrag Professor Li Xuetao ein, Direktor des Global History Institute der Beijing Foreign Studies Universtity. „Drei Generationen chinesische Auslandsstudenten in Deutschland“ lautete der Titel seines Vortrags, den er mit vielen historischen Fotos und Textdokumenten illustrierte. Die Distanz bzw. Nähe zwischen China und Deutschland drücke sich unter anderem auch in der für die Reise ins jeweils andere Land benötigten Zeit aus. Ein weiteres Zeichen sind die Kommunikationswege und -frequenz von Briefen mit mehrwöchiger Laufzeit über Fax hin zu Telefonen und der Instant-Kommunikation mit Smartphones. Beides hat sich im Lauf der Zeit fundamental gewandelt.

In der abschließenden Diskussion machten viele Alumni von der Möglichkeit Gebrauch, ihre persönlichen Erfahrungen einzubringen. Das kulturelle Selbstverständnis wie auch die Schärfung der Selbstwahrnehmung durch Aufenthalte in einer fremden Umgebung wurden dabei unter anderem thematisiert.

Anschließend begann das eigentliche Sommerfest, das bei herrlichem Sommerwetter im Innenhof des Wissenschaftszentrums stattfand und bei dem sich bei deutschem Essen und chinesischem Bier rasch Biergartenatmosphäre breit machte.

Hier noch die Antworten auf die eingangs gestellten Fragen:
Aus der Huawei-Studie 2016: Bei der chinesischen Persönlichkeit, die Deutschen spontan am häufigsten einfällt, handelt es sich um Mao Zedong (54%). Wenn Deutsche an China denken, fällt 34% spontan die wirtschaftliche Stärke des Landes ein? 62% der für die Studie befragten Chinesen halten die Deutschen für eher flexibel und pragmatisch.
Wie Professor Li Xuetao vortrug handelte es sich bei den ersten Chinesen, die zur Ausbildung nach Deutschland kamen, Militärstudenten; der Austausch begann in den 1860er Jahren. Die Stadt München zählt in China zu den bekanntesten deutschen Städten; ihr chinesischer Name lautet “Munihei” ( 慕尼黑). Vor rund 80 Jahren war das noch anderes. Unter den chinesischen Studierenden in Deutschland firmierte München in den 1930er noch als “Mingxing“ (明星).

Ruth Schimanowski

Die gesamte Huawei-Studie 2016 finden Sie hier