MQ-FU-HAM – Match-Making Workshop an der Fudan Universität

Auch langjährige deutsch-chinesische Partnerschaften sind – wie die Praxis zeigt – häufig keine Selbstläufer. Durch eine längere Zusammenarbeit wächst zwar das Verständnis für die Partnerhochschule und ihre Anforderungen und die Partner im jeweils anderen Land; aber auch solche Kooperationen haben jedes Jahr wieder mit Problemen zu kämpfen, die daraus resultieren, dass zwei unterschiedliche Hochschulsysteme und kulturelle Eigenheiten aufeinander treffen und sich aneinander reiben.

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Die drei Partner kennen sich bereits viele Jahre und es ist auch nicht ihr erster Workshop dieser Art. Eine vergleichbare Veranstaltung hat bereits vor zwei Jahren in Hamburg stattgefunden. Ziel des zweitägigen Workshops an der Fudan Universität war es, eine Zwischenbilanz des Aufbaus der trilateralen Partnerschaft zu ziehen und sich auf einen gemeinsamen Arbeitsplan für die nächsten zwei Jahre zu verständigen.

Der Workshop wurde durch einen internationalen Studientag ergänzt, an dem sich die Fudan-Studierenden über die attraktiven Möglichkeiten informieren konnten, die sich für die Studierenden an den Partnerunis in Deutschland und Australien ergeben.

Für die Sitzungen des ersten Tages lud die Fudan University in den Senatssaal im 30. Stock des Guanghua-Towers ein. Als Hausherr begrüßte Executive Vice President Prof. Bao Xinhe die Gäste. Es folgten Grußworte von Prof. Sakkie Pretorius, Deputy Vice-Chancellor der Macquarie University und Prof. Susanne Rupp, Vizepräsidentin der Universität Hamburg sowie des Leiters der DAAD-Außenstelle Peking, Dr. Thomas Schmidt-Dörr.

Insgesamt nahmen mehr als 30 Personen am dem Workshop teil; sowohl von der zentralen Leitungs- und Koordinationsebene als auch Hochschullehrer und Wissenschaftler aus den unterschiedlichen Kooperationsprojekten, die ganz unterschiedliche Fachbereiche vertraten.

Der erste Tag fand im Plenum statt und war im Wesentlichen der gegenseitigen Information gewidmet. Vertreter der international Offices und verschiedener Projekte berichteten über den Verlauf der Kooperation in den zurückliegenden ein bis zwei Jahren sowie die Pläne für die nahe Zukunft. Das gab in der Gesamtschau auch den anwesenden Vertretern der Hochschulleitungen einen guten Überblick über die zu verschaffen.

Am zweiten Tag lag der Schwerpunkt auf trilateralen Treffen der einzelnen Kooperationsprojekte.

Die Geschichte der trilateralen Zusammenarbeit begann übrigens mit langjährigen bilateralen Partnerschaften aller drei Partner. Die Universität Hamburg und die Fudan University arbeiten seit den 1980er Jahren zusammen, die Partnerschaft der Fudan mit der Macquarie University reicht in dieselbe Zeit zurück und Macquarie und die Universität Hamburg arbeiten seit den 1990er Jahren zusammen.

(von rechts nach links) Professor Susanne Rupp, Professor BAO Xinhe, Professor Sakkie Pretorius © DAAD

Jede der Kooperationen vernahm ihren eigenen Verlauf, wobei alle drei erfolgreich waren und – wie sich im Rückblick zeigt – eine wichtige Gemeinsamkeit aufwiesen: die bilaterale Zusammenarbeit bei der Ausbildung von Doktoranden nach dem Co-Tutelle-Verfahren. Dies gehöre – so Prof. Pretorius – zu den Markenzeichen der Macquarie University, die schon früh begann, das ursprünglich in Frankreich entwickelte Co-Tutelle-Verfahren zur gemeinsamen Betreuung von Doktoranden zu adaptieren und heute stolz darauf sei, die Universität mit den weltweit meisten international Co-betreuten Doktoranden zu sein.

Die ersten Überlegungen, die bilateralen Partnerschaften als Grundlage für eine trilaterale Partnerschaft zu nutzen, stammen aus dem Jahre 2011. Im Jahr 2012 wurde eine erste trilaterale Vereinbarung hierüber geschlossen. Und zwei Jahre später gelang es der Universität Hamburg sich erfolgreich beim DAAD im Rahmen des Programms „Strategische Partnerschaften und Thematische Netzwerke“ zu bewerben und Projektmittel von insgesamt rund 830.000 EUR einzuwerben, mit denen der DAAD im Zeitraum 2015-2018 den Aufbau der trilateralen Partnerschaft MQ-FU-HAM unterstützt.Zusätzlich zu den DAAD-Mitteln fließen auch erhebliche Eigenmittel der beiden anderen Universitäten in die Kooperation und insbesondere in die Realisierung einzelner Kooperationsvorhaben.

Das Arbeitsprogramm der drei Universitäten lässt sich wie folgt zusammenfassen: Vorhandene bilaterale Kooperationsansätze sollen – wo immer möglich – auf den jeweils dritten Partner ausgedehnt und vertieft werden. Daneben soll systematisch versucht werden, auch in Bereichen zu kooperieren, in denen dies bisher nicht erfolgt. Die Systematik, mit der hier vorgegangen wird, macht den Anspruch eines koordinierten strategischen Handelns der drei Partneruniversitäten deutlich – eben das, was eine strategische Partnerschaft ausmacht. Wenn der Versuch am Ende erfolgreich ist, wird sich dies im Profil aller drei beteiligten Universitäten entsprechend niederschlagen.

Als Ausgangspunkt dienen 12 Projekte aus ganz verschiedenen Fachgebieten, von denen wiederum viele einen interdisziplinären Ansatz verfolgen. Die Fachgebiete reichen von Chinastudien bis zu Materialforschung, von Biologie bis zur Internationalisierung der Geisteswissenschaften, von der Krebsforschung bis zur Literaturwissenschaft und von der Klimaforschung bis zu Fragen der Corporate Governance und der internationalen politischen Theorie.

Für eine Bilanz des Projektes ist es naturgemäß noch zu früh. Für den Beobachter ist es jedenfalls bemerkenswert, welch beachtliche Zahl und Dichte gegenseitiger Besuche bereits stattgefunden hat und wie hochgradig strukturierte das Vorgehen bei der gemeinsamen Explorationsarbeit ist.

Aus wievielen Projekten am Ende tatsächlich eine trilaterale Kooperation werden wird, bleibt abzuwarten und kann niemand voraussagen. Durch die Hochschulleitungen oder noch so schöne Strategiepapiere lässt es sich nicht erzwingen. Es wird nur gelingen, wenn das persönliche Interesse der Wissenschaftler an einer Kooperation auf allen Seiten stark genug ist. Das MQ – FU – HAM Projekt stellt insofern auch ein interessantes Experiment dar, für das man allen Beteiligten nur viel Erfolg wünschen kann.

Thomas Schmidt-Dörr