Informationsaustausch und Netzwerkausbau – das DAAD-Lektorenfortbildungsseminar 2016 an der Tongji Universität

Welche Rolle spielen Lektorinnen und Lektoren im Gastland? Welche Aufgaben haben sie? Wie verändert sich das Arbeitsumfeld in der chinesischen Germanistik? Welchen Herausforderungen muss man sich stellen, wenn man an einer chinesischen Universität arbeitet? Fragen wie diese waren es, die beim diesjährigen Regionaltreffen der DAAD-Lektoren und der Ortslektoren aus China und der Mongolei  besonders im Fokus standen.

Lektorentreffen

© DAAD

Die Fortbildungsveranstaltung des DAAD fand vom 25.11. bis zum 30.11. an der Tongji Universität in Shanghai statt. Die fünf Tage waren geprägt von  intensivem  Austausch und spannenden Diskussionen. Beiträge aus dem Lektorenkreis ergänzten die Präsentationen von externen Referenten. Es wurden bei der Tagung auf diese Weise nicht nur Fortbildungsangebote für die Unterrichtspraxis gemacht, sondern auch vertiefende Informationen zur Bildungslandschaft und Germanistik in China geboten.

Grußworte und Vorträge

lektorentreffen3Begrüßt wurden die 58 Teilnehmer von Vertretern der Deutschen Fakultät der Tongji University, vom Generalkonsulat Shanghai, von der Chinesisch-Deutschen Hochschule und des DAAD.

Die Fachvorträge deckten ein weites Spektrum an Themen ab. So präsentierte am Samstag Dr. Thomas Schmidt-Dörr neuere Erkenntnisse über das gegenseitige Bild von Chinesen und Deutschen. Generalkonsul a.D. Dr. Wolfgang Röhr beschrieb die Rolle des aufstrebenden Chinas in der sich verändernden Welt und Prof. Dr. Thomas Zimmer widmete sich den aktuellen Entwicklungen im Bereich universitärer Curricula in der Volksrepublik.

lektorentreffen4Am Montag begannen die Vorträge dann mit einer Präsentation des DAAD-Alumnus Thomas Derksen, der im chinesischen Internet besser bekannt ist als Afu. Wie seine Videos war auch der Vortrag angereichert mit einer Prise Selbstironie und humorvollen kulturellen Anekdoten. Als journalistischer Vertreter hielt der Wirtschaftskorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Hendrik Ankenbrand einen Vortrag über die Volksrepublik als eine „Black Box“, in der es Journalisten oft sehr schwer gemacht wird, an Informationen zu kommen. Entsprechend lautete der Titel seines Impulsreferats, der in mancher Hinsicht auch als Kontrapunkt zur Analyse von Dr. Wolfgang Röhr verstanden werden konnte, „Orakeln über China – Die Rolle ausländischer Medien im chinesischen Transformationsprozess“.

Die Fachvorträge der Tagung wurden abgerundet durch Information, die für Germanisten in China von besonderem Interesse sind. Vertreter des Goethe Institut, des TestDaF Instituts,  der Robert Bosch Stiftung, des Generalkonsulats Shanghai und der Akademischen Prüfstelle beschrieben jeweils aktuelle Entwicklungen aus ihren Arbeitsbereichen.

Workshops

lektorentreffen5Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Workshops, die von Lektoren für Lektoren angeboten wurden. Erstmals konnten zusätzlich auch Dozenten der gastgebenden Hochschule dafür gewonnen werden, sich an der Workshopgestaltung zu beteiligen. Engagiert führten die chinesischen und deutschen Dozenten durch die Themen. Eher theoretisch orientierte Inhalte wechselten sich mit praktischen Anleitungen zur Unterrichtskonzeption ab.  Sowohl in der Präsentation als auch fachlich konnten die Referenten ihre Teilnehmer durchweg überzeugen und zur aktiven Mitgestaltung der Seminare anregen. Es wurde in diesen Kursen diskutiert, ausprobiert, begutachtet und gebastelt.

Lektoren-Netzwerk

lektorentreffen2Neben der fachlichen Fortbildung hatte auch der soziale Aspekt der Veranstaltung einen hohen Stellenwert. Viele Lektoren arbeiten in Regionen, in denen es kaum Möglichkeiten zum Austausch mit anderen muttersprachlichen Germanistikdozenten gibt. Das Lektorentreffen ist daher der wichtigste Termin im Jahr, um ein aktives Lektorennetzwerk in China zu gewährleisten und einen Informationsaustausch auch langfristig zu ermöglichen. Gelegenheit zum Austausch gab es reichlich. Ob bei der gemeinsamen Brotbestellung, am gut besuchten Büchertisch, bei der Exkursion durch die Straßen Shanghais oder in einem der vielen Gespräche am Rande der Veranstaltung. Und wie jedes Jahr setzte sich der Austausch auch über die Distanz hinweg fort. WeChat-Gruppen wurden gegründet und Kontaktdaten ausgetauscht. Denn sehr oft haben die Lektoren vor Ort ähnliche Probleme, die durch eine engere Vernetzung untereinander viel besser bewältigt werden können.

Text: Sven Hänke
Fotos: Kerstin Wetzel