Die Reise nach Berlin zum Falling Walls Lab

Das Ziel des Falling Walls Labs ist es Innovation in der Wissenschaft zu fördern, sowie den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Hierzu werden die besten wissenschaft- und wirtschaftlichen Ideen aus zahlreichen Ländern in landesinternen Entscheidungen gesucht, deren Gewinner dann zur Hauptveranstaltung nach Berlin reisen können um ihre Ideen einem globalen Publikum vorzustellen. Hier berichtet der Gewinner der chinesischen Vorauswahl, Qian Peng, Master-Student der Informatik an der Fudan Universität, von seiner Reise nach Berlin zum Falling Walls Lab:

Es ist das allererste Mal, dass ich im Winter in Berlin bin. Man kann die Schwere der Geschichte in der Stadt regelrecht fühlen. Als ich mit der S-Bahn fuhr und einen Blick nach draußen auf die bunten Bauten und die Passanten in Eile warf, entspannte mich das schöne Stadtbild von der Anstrengung der langen Reise. Unter dem dunklen Himmel waren viele goldene Blätter zu sehen. Die fremden deutschen Wörter schwebten in der kühlen Luft. Alles war mir ganz neu. Mit der Freude auf das Finale des Falling Walls Labs begann meine Reise zum Falling Walls Lab in der Akademie der Künste am Brandenburger Tor.

I. Prolog: Schulung vor dem Wettbewerb

Noch vor Beginn des Wettbewerbs wurden wir am Abend des 7. November, einen Tag vor dem Finale, von einer Wissenschaftlerin des letzten Falling Walls Lab zu einer Schulung in die Akademie eingeladen.

© QIAN Peng

© QIAN Peng

Als ich gegen Abend dort ankam, beschäftigten sich die Organisatoren gespannt mit der Vorbereitung der letzten Runde. Unsere Kontaktperson Lisa begleitete uns zur BlackBox, einer Diskussionshalle im Untergeschoss des Kulturinstituts. Ich hatte eigentlich gedacht, dass es in der Schulung um eine Standardvorstellung der Präsentationstechnik oder um Erfahrungsaustausch gehen würde. Aber ein Sprecher stellte uns zunächst die Frage „Wie transferieren Sie Informationen?”. Anschließend wurden die Teilnehmer des Wettbewerbs willkürlich in Dreiergruppen eingeteilt. In jeder Gruppe durfte sich eine Person ein geometrisches Bild ansehen und musste dann versuchen, es mit einfachen Worten zu beschreiben. Die anderen zwei Personen konnten das Bild nicht sehen und sollten nach Beschreibung die entsprechende Form nachzeichnen. Im Training haben wir herausgefunden, dass sich selbst anscheinend simple geometrische Formen doch nicht einfach beschreiben ließen. Ich habe durch dieses lebhafte Experiment gelernt, dass ein Vortrag auch ein gegenseitiger Prozess von Informationsaustausch ist. Ein wichtiges Element eines erfolgreichen Vortrags ist die lebendige und präzise Weitergabe von Informationen. Diese interessante Schulung hat die Teilnehmer  vor dem Finale nicht nur entspannt, sondern auch die Gelegenheit geboten, einander kennenzulernen.

II. Ensemble: Ideen prallen aufeinander

Am 8. November kam ich mit den anderen Finalisten wieder an der Akademie der Künste zusammen, um an dem Finale des Falling Walls Labs teilzunehmen. Die hundert Teilnehmer kamen aus über fünfzig verschiedenen Ländern und Regionen. Die Konkurrenz war riesig. Für mich war es wichtig, beim Wettbewerb nicht nur nach guten Leistungen zu streben, sondern auch den Prozess des Ideenaustauschs zu genießen.

Um neun Uhr morgens ging das Finale los. Die Geschäftsführerin der Falling Walls Foundation erzählte am Anfang vom Gründungshintergrund des Wettbewerbs und der Geschichte der Berliner Mauer. Auf einer Leinwand war das damalige Brandenburger Tor zu sehen: eine kahle Straße, getrennt von einer dicken Mauer. Aus der Vogelperspektive sah sie aus wie eine Narbe im Berliner Stadtzentrum. Heute existiert die Mauer nicht mehr. Die heutige lebhafte Straße „Unter den Linden“ lässt die Touristen manchmal die Geschichte der Trennung vergessen. Es ist ein einmaliges Gefühl, wenn genau an diesem Ort das Falling Walls Lab stattfindet, das an die jüngere Geschichte erinnert, den interdisziplinären Austausch fördert und auf das zukünftige Durchbrechen von der Wissenschaft über Gesellschaft bis zur Kunst hinweist.

Das Tagesprogramm war sehr dicht. Die Teilnehmer mussten in drei verschiedenen Zeitblöcken nacheinander ihre Forschungsprojekte vorstellen. Die Themen waren sehr breit gefächert: von sanitärer Einrichtung, Flüchtlingskrise, Wasserqualitätskontrollen, Entwicklung der Führungskraft bis zur Visualisierung von Mikroorganismen. Was mich am meisten beeindruckte, war ein Musiker, der ein Programm für Notenaufzeichnung vorstellte. Durch Pünktchen und Linien in verschiedenen Größen und Längen wurde ein musikalischer Rhythmus, Töne und deren Intensität wiedergegeben. Das weckte Assoziationen an die Bilderserie „Komposition“ von Wassily Kandinsky, Schöpfer von modernen abstrakten Bildern.

© QIAN Peng

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Die spannenden drei Minuten auf der Bühne waren für den Vortragenden die einzige Chance. Jeder bemühte sich, in der beschränkten Zeit den faszinierenden Teil seiner Forschung zu präsentieren. Die Jury vor ihnen musste dagegen sehr streng bewerten. Zu ihnen gehörten der Präsident der Nobelstiftung, Wissenschaftler des MPI für Gravitationsphysik, der Vizepräsident des DAAD, Prof. Mukherjee und andere. Bei Minute 2:30 wurde die Präsentation vom Moderator gnadenlos abgebrochen und die Jurymitglieder stellten Fragen. Die Fragen der Jury und den Zuschauern waren sehr herausfordernd. Einige fragten nach der Schwäche der Forschungsmethode. Viele legten ihre Aufmerksamkeit auf die Details der Forschung. Zum Schluss wurde der erste Preis nach einer heftigen Diskussion der vietnamesischen Wissenschaftlerin Dang Huyen Chau von der TU Dresden verliehen, die in ihrer Forschung aus ölreichem Kaffeesatz einen sogenannten „Power Bar“ herstellen und damit Abfall in alternativen Biotreibstoff verwandeln kann.

Am Abend gab es einen feierlichen Empfang im Jüdischen Museum. Dort hielt der deutsche Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eine Begrüßungsrede und hieß uns herzlich willkommen. Journalisten, Beamten, Verantwortliche der Forschungseinrichtungen sowie hochrangige Wissenschaftler aus der ganzen Welt versammelten sich im Museum und tauschten Forschungsideen und Perspektiven aus.

III. Symphonie: interdisziplinäre Innovation

Der 9. November ist der Tag des Mauerfalls, an dem auch die Falling Walls Konferenz im atmosphärischen „Radialsystem“ stattfand. In diesem roten Bau  lag damals der Wasserversorgungsdienst. Nach Rekonstruierung und Umbau ist es jetzt ein berühmtes Berliner Zentrum für Innovation. Wissenschaftler aus verschiedenen Spitzenforschungszentren erklärten dem Publikum, wie sie Probleme in unterschiedlichen Gebieten lösten und wie sie zu kreativen Forschungsergebnissen gekommen sind. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, hielt als Vertreterin der Bundesregierung eine Rede vor der Versammlung.

Am Morgen des 9. November nahmen wir das Ergebnis der US-Amerikanischen Präsidentenwahl zur Kenntnis. Vor Versammlungsbeginn gab es noch eine Diskussion, die von dem Ex-Botschafter in Washington Wolfgang Ischinger geleitet wurde. Der Manager Samuel Brannen des Komitees für Internationale Handelsstrategie von A.T. Kearney, Prof. Steven Koonin von der New York University sowie Prof. Helene Rey von der London Business School eröffneten eine aufschlussreiche Diskussion über die Wirkung des Wahlergebnisses in den USA auf die weltweite Wirtschaft und Politik.

Das eindrucksvollste Referat wurde von Prof. Danzman vom Max-Planck Institut für Gravitationsphysik gehalten, dessen Thema Breaking the Wall of the Dark Universe: How Gravitational Waves Let us Hear the Sound of Space war. Komplizierte Physikformeln und Allgemeine Relativitätstheorie wurden von Prof. Danzman interessant und nachvollziehbar erklärt. Sein humorvoller Ausdruck und seine lebhafte Simulation zeigten das historische Mysterium, wie Forscher durch Gravitationswellen dem dunklen Kosmos zuhören können.

Während der Kaffeepause kamen die Kandidaten zusammen, um eingehend mit den Forschern aus anderen Gebieten zu diskutieren. Gleichzeitig fanden auch Interviews mit Journalisten renommierter Zeitungen und internationaler Medien statt. Zeitgleich wurden vier Foren übertragen, wobei das Publikum mit Kopfhörern die Diskussionen verfolgen konnten. Weiterhin gab es auch sogenannte „Brain Dates“: Ein innovatives Kommunikationsprogramm, das auf die Kommunikationsförderung zwischen den Konferenzteilnehmern abzielte. Das Netzsystem von Falling Walls machte es den Teilnehmern möglich, spezifische Probleme mit anderen Wissenschaftlern unter vier Augen diskutieren zu können.

Am Abend veranstaltete die DFG das Abschiedsessen für alle internationalen Gewinner in einem traditionellen deutschen Restaurant, womit die diesjährige Konferenz beendet wurde.

IV: Epilog

© QIAN Peng

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Im Rückblick ist es mir eine große Ehre, als erster Vertreter aus China am Falling Walls Lab Finale teilnehmen und mein Forschungsprojekt vorstellen zu dürfen. Es hat mich sehr gefreut, mich mit hervorragenden Vertretern aus Akademie, Politik, Wirtschaft und Medien zu unterhalten. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich beim DAAD-Informationszentrum Shanghai für die Organisation des Wettbewerbs in China, bei dem deutschen Generalkonsulat in Shanghai für die Unterstützung und bei SAP für die Finanzierung meiner Reise nach Berlin! Ich wünsche mir sehr, dass das Falling Walls Lab und das Innovation Lab in Shanghai eine Brücke des akademischen Austauschs zwischen Deutschland und China ermöglicht, so dass immer mehr exzellente akademische Forscher dazu gebracht werden, Gedanken der chinesischen Gelehrten über Wissenschaft, Gesellschaft und Kunst vorzustellen.

QIAN Peng

 

Über Qian Peng:

QIAN Peng studiert den Masterstudiengang Computerwissenschaft an der Fudan Universität. Seit seinem Bachelor in Linguistik forscht er über Sprache und Gehirn. Er hat mehrere Aufsätze über Netzwerkmodelle natürlicher Sprachen und linguistische Theorie veröffentlicht, sowie an großen Konferenzen teilgenommen. 2015 wurde er mit dem „Fudan Graduate Star“ ausgezeichnet.

Innovation Lab 2016 Highlights